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Donnerstag, 15. März 2018

Facebook Gesichtserkennung: Ihr eigener Steckbrief und Beweisakte für zukünftige, politische Verfolgung?

Als Zensurplattform ist Facebook schon bekannt und verzeichnet mittlerweile eine spürbare Abwanderung zu Sozialen Medien, bei denen man nicht jeden Satz dreimal überprüfen muss, ob man dafür gesperrt werden kann. Am beliebtesten ist das russische „VKontakte“.




Facebook treibt aber noch ganz andere, rechtlich höchst bedenkliche Sachen mit seinen Usern. Hier geht es um ein ganz anderes Kaliber, dessen Sprengkraft eher in der Zukunft liegt. Die Brisanz liegt in der Kombination aus Zensur, der Erfassung und Speicherung von Inhalten und einer Gesichtserkennungs-Software … und in der Verharmlosung durch die Medien.

So titelte der Stern Anfang März mit „Facebook erkennt jetzt Ihr Gesicht – das müssen Sie dazu wissen“. Schon die Überschrift ist eine platte Lüge. Denn schon seit langem läuft über alle auf Facebook aufgeladenen Fotos eine Gesichtserkennungssoftware, insbesondere bei den Facebook Messengern für IOS und Android. Schon 2015 lief „Photo Magic“, das die fotografierten Gesichter auch der Freunde abscannte. Wurde derjenige identifiziert, wurde man aufgefordert, das Bild mit der entsprechenden Person zu teilen. Eigentlich ein Fall für die Datenschutzbehörden, denn Facebook liest dazu jedes Foto, das auf dem Smartphone gespeichert ist, auch wenn es mit Facebook gar nichts zu tun hat, aus.

Auf Facebook selbst läuft das Gesichtserkennungsprogramm schon seit 2010 geräuschlos und ohne, dass sich dagegen nennenswerter Widerstand gerührt hätte. Seitdem kann man einen Menschen einfach per Handy irgendwo fotografieren, das Bild auf Facebook hochladen und die Gesichtserkennung liefert das Profil, auf dem man die Person identifizieren kann und sofort die Informationen erhält, die derjenige auf seinem Profil öffentlich stellt. In den USA ist diese Software schon seit Jahren automatisch aktiviert und man muss sie explizit ausschalten, wenn man das nicht will. Nun kommt die weiterentwickelte Software auch nach Deutschland

Auf seiner Newsroom-Seite hat Facebook nun angekündigt, die Gesichtserkennung auch in Deutschland einzuführen. Um den Ball flach zu halten, soll das ganze so einen „Pilotversuchsstatus“ bekommen, denn laut Facebook wird das Feature nur einer kleinen Auswahl an Usern zugänglich sein. Außerdem ist es ein „Opt-In Feature“, das heißt, der Auserwählte muss diese Option aktiv selbst einschalten. Eine bei Facebook unübliche Vorgehensweise, die schon zeigt, dass der Konzern damit auf dünnem Eis wandelt, denn normalerweise muss der Nutzer alle Features, die Informationen über ihn weiterleiten und nutzen, aufwändig in einem Such-und-Klick-Marathon tief im Labyrinth der Einstellungen abschalten.

Geradezu dreist wird der Nutzer auf dem Blog von Facebook verschaukelt, indem dort die ganze Gesichtserkennungs-Einführung als neue Möglichkeit zum Schutz der eigenen Privatsphäre verkauft wird. Laut Facebook besteht der neue Schutz der Privatsphäre nämlich darin, dass die User, die die neue Funktion einschalten, eine Nachricht von Facebook bekommen, wenn das eigene Profilbild von jemand anderem als dessen Profilbild eingestellt wird. Ebenso bekommt man eine Nachricht, wenn jemand anderes ein Bild hochläd, auf dem sie zu sehen sind.

Das bedeutet aber nicht, dass der so Benachrichtigte dem anderen, der das Bild hochgeladen hat, dies untersagen kann. Sondern der Fotografierte erhält die Möglichkeit, sich auf diesem Foto zu „markieren“, d.h., er kann seinen Namen öffentlich an das Foto „anheften“. Das mag der eine oder andere ja vielleicht schick finden. Die wahre Absicht Facebooks dahinter ist jedoch, dass mit den Bestätigungen des Users, dass dies tatsächlich ihn darstellt, das Gesichtserkennungsprogramm „lernt“ und immer zuverlässiger identifizieren kann. Damit werden die Facebook-User zu einem kostenlosen Trainingslabor für die Erkennungssoftware.

Die scheinbar edle Zurückhaltung von Facebook, den Nutzer entscheiden zu lassen, ob er dieses Feature überhaupt will, „Facebook lässt Nutzer selbst über Gesichtserkennung entscheiden“, ist nicht edel. Die neue Datenschutzverordnung, die ab Mai gilt, schreibt die bewusste Aktivierung solcher Features durch den Nutzer selbst zwingend vor. Laut der neuen Gesetzesregelung müssen solche Soziale Medien den Schutz der Privatsphäre als Grundeinstellung verpflichtend einhalten. Ansonsten drohen hohe Geldstrafen.

Dabei stellt sich aber die Frage, was ab Mai mit der bisher schon ungefragt aktiven Facebook-Gesichtserkennung passiert. Die User, die das neue Erkennungsfeature eingeschaltet haben, bekommen zwar eine Nachricht darüber, dass sie auf anderen Profilen mit einem Bild vertreten sind. Alle anderen, die das Feature nicht aktiviert haben, erfahren zwar nichts davon, aber Facebook liest ihre Fotos – nach jetzigem Stand – nach wie vor aus und verarbeitet sie. Die Nutzer wissen überhaupt nicht, was Facebook mit all den preisgegebenen Informationen, Texten und Bildern macht. Das werden wir mit Sicherheit nicht freiwillig von Facebook erfahren.

Man mag mit den Schultern zucken, dass es doch nicht weiter schlimm sei, wenn man doch sowieso auf Facebook vertreten ist, dass Facebook und andere wissen, mit wem man befreundet ist und ob man letzten Freitag eine tolle Party gefeiert hat, oder ob beim Schwimmen am Baggersee das Bikini-Oberteil ein wenig verrutscht ist. Das ist, bei allem Respekt, naiv.

Die Erkennungsprogramme identifizieren auch andere Personen, die mit auf dem Bild sind und auch, wenn man mit denen nicht befreundet ist, bringen sie die Personen in Zusammenhang. Facebook unterzieht seine Kunden einer gnadenlosen Zensur durch seltsame Stiftungen wie die Antonio Amadeu-Stiftung unter Führung verdienter Geheimdienstkader wie Frau Annetta Kahane und der Staatsanwalt guckt schon durch’s Fenster. Solche Institutionen im Verbund mit Verfassungsschutz oder anderen geheimdienstlichen Institutionen können auf diese Weise mithilfe von Facebook sehr schnell umfangreiche Dossiers anlegen, wer was wann wo gepostet hat, welche unbotmäßigen Meinungen derjenige vertritt und wen er kennt.

Kontaktiert man die mitfotografierten Leute im Umfeld einer „Zielperson“, deutet ihnen unmissverständlich an, mit wem sie da mehr als einmal zusammen geknipst wurden und dass diese Nähe beruflich und sozial nicht besonders förderlich sein könnte, es sei denn, man ist kooperativ und gibt nähere Auskünfte und Informationen über die Zielperson … dann haben wir schnell ein neues Deutschland der „Inoffiziellen Mitarbeiter“.

Der nächste Schritt, Vorteile für Denunzianten auszuloben, ist dann auch nicht mehr weit. Mancher wird dann erschrocken feststellen, dass er selber seine eigene Beweisakte, seinen Steckbrief und seine Kontakteliste erstellt hat und überdies auch viele Freunde und Mitstreiter verraten.

Der US-Geheimdienst CIA und die Steuerbehörde benutzen Facebook und andere, soziale Medien schon seit langem, um die eigenen Bürger auszuspionieren.

Die linksradikale Seite www.bitxbit.es adressiert genau diese Gefahr in klaren Worten:

Es tut uns leid, wenn wir euch das jetzt mal so direkt sagen müssen, aber wir haben uns schon lange genug den Mund fusselig geredet. Mit der Benutzung von Facebook gefährdet ihr euch, die Zusammenhänge in denen ihr aktiv seit und alle anderen AktivistInnen die mit euch oder euren Gruppen in Kontakt treten. Es ist schon klar, wenn ihr euch selbst exponieren wollt, könnt ihr das machen und gefährdet in direkter Folge nur euch selbst. [ … ] Aber die Leute die mit euch Kontakt haben (also euer soziales Netzwerk) haben im Fall von Facebook keine Möglichkeit sich zu wehren, sie können keinen Widerspruch dagegen einlegen, dass Infos durch euch über sie bekannt werden.

Das Ziel von Facebook ist es, soviele Daten über euch und eure sozialen Zusammenhänge zu sammeln wie es nur möglich ist. Dies passiert auf verschiedenste Art und Weise und Facebook ist federführend in der Entwicklung von Technologien zur Überwachung von UserInnen und der Zusammenführung und Auswertung von verschiedenen Datenquellen. Und es ist euch als UserInnen nicht möglich, euch gegen die Datensammelwut zu wehren. Weiters stellt Facebook auch Profile über Personen zusammen, die nicht auf Facebook sind. Facebook tut dies jedoch nicht aus Bosheit oder als Spitzeldienst, sondern weil die damit entstehenden Profile die Geschäftsgrundlage von Facebook sind.

Dennoch arbeitet Facebook mit den Behörden eng zusammen. Um das mal ein für alle Mal klarzustellen: „NutzerInnen von Facebook stimmen mit der Annahme der Datenschutzbestimmungen von Facebook automatisch der Nutzung und Verwendung aller Personendaten von mit Facebook kooperierenden Partnern zu. Hierzu gehören […] auch deutsche und ausländische Polizeibehörden sowie die CIA und staatliche Stellen der USA über den Zugang als Miteigentümer des Netzwerkes.“ (Quelle: Wikipedia)

Quelle:  https://dieunbestechlichen.com/

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