Erkennen • Erwachen • Verändern

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Montag, 30. Oktober 2017

Ein Wanderer im Lande der Geister (Leseprobe)

Bevor wir den Feuerring, der dieses Reich umschloß, wieder durchschritten, führte uns der Leiter unserer Truppe auf einen hohen Berg. Hier konnten wir alle Städte, Ebenen und Gebirge des "Landes der Finsternis" überblicken, die ein jeder von uns auf seiner Wanderschaft berührt hatte.



Vom Gipfel des Berges aus vermochten wir das gewaltige Panorama der dunklen Sphären vor unseren Füßen zu betrachten. Dann richtete unser Geist Führer folgende feierliche Worte an uns:

"Dieses Land, auf das wir jetzt herabschauen, ist nur ein verschwindend kleiner Teil der großen Sphäre, welche die Menschen mit "Hölle" zu bezeichnen pflegen. Es gibt auch über uns noch dunkle Sphären, wo eine Seele tief zu sinken vermag in schreckliche Verbrechen und Leiden. Die große Zone dunkler Materie, aus welcher diese niedrigste aller Erdsphären gebildet ist, erstreckt sich viele Millionen Meilen um uns her. Sie birgt in ihrem Bereiche alle jene sündhaften Seelen, die ihr materielles Leben auf der Erde verbracht haben.


Ihr Dasein geht zurück bis in die entferntesten Zeitalter, wo der Planet Erde die ersten selbstbewußten Wesen heranreifen ließ, deren Bestimmung es war, durch Leiden sich zu erlösen, bis sie sich von allen Schlacken ihrer niederen Natur gereinigt haben würden. Die ungeheure Zahl von Seelen ist gleich den Sternen am Himmel und dem Sande am Meer, denn jeder Mensch baut sich seine Wohnung auf den höheren oder tieferen Ebenen selbst. So werden diese großen Sphären bevölkert und es bilden sich ihre mannigfaltigen Wohnorte heran.

Weit über das Fassungsvermögen eines Sterblichen hinaus ist die Mannigfaltigkeit der Myriaden von Orten in den Sphären, da jeder das individuelle Gepräge des Geistes trägt, durch dessen Lebenstätigkeit er entstanden ist. Wie unter den zahllosen Geschöpfen der Erde nicht zwei Gesichter, nicht zwei Seelen sich völlig gleichen, so stimmen auch in der geistigen Welt keine zwei Plätze überein. Jeder Ort, ja selbst jede Sphäre ist die besondere Schöpfung verschiedener Klassen von Geistern. Und da verwandte Seelen sich in der geistigen Welt zueinander hin gezogen fühlen, wird jeder Platz der besonderen Eigenart seiner Bewohner entsprechen.

Wenn ihr daher eine Beschreibung von einer Sphäre gebt, so könnt ihr natürlich nur erzählen, was ihr gesehen habt und könnt nur jene Orte schildern, von denen ihr angezogen wurdet. Ein anderer Geist, der einen anderen Teil derselben Sphäre gesehen hat, wird diese möglicherweise so ganz anders beschreiben, daß die Menschen, die alle Dinge nach ihrem eigenen Maßstab von Wahrscheinlichkeit messen, behaupten werden, daß ihr beide Unrecht haben müßt, da ihr in der Schilderung so weit auseinandergeht. Sie vergessen, daß Rom nicht Mailand, Genua oder Venedig ist, und doch liegen alle diese Städte in Italien.

Alle werden gewisse charakteristische Eigentümlichkeiten, aber auch übereinstimmende nationale Züge haben. Um noch drastischere Beispiele anzuführen: New York und Konstantinopel sind beide Städte auf dem Planeten Erde, doch besteht zwischen ihnen und ihrer Bevölkerung ein so großer Unterschied, daß wir nicht mehr nach gemeinsamen nationalen Eigentümlichkeiten suchen können. Beide sind zwar von der menschlichen Rasse bewohnt, ihrem Äußeren nach, sowie in Gewohnheiten und Sitten aber grundverschieden.

Auf euren Wanderungen zu allen den unglücklichen Wesen, die ihr in dem Sumpf ihrer Sünden kriechend fandet, werdet ihr die unzerstörbaren Keime menschlicher Seelen beobachtet haben. Solange auch die Prüfung einer Seele dauern mag und sie die Stunde ihrer Erlösung durch Verkehrung ihrer Kräfte verzögern kann: allen ist dennoch das ihnen angeborene Recht der Hoffnung zuteil geworden. Für jede Seele wird schließlich die Stunde des Erwachens kommen. Selbst jene, die zu tiefsten Tiefen herabgesunken sind, werden sich erheben und sich wieder zu jener Höhe emporschwingen, von der sie einst ausgegangen waren.

Bitter und schrecklich ist die Schuld, welche die sündige Seele für ihre wilden Ausschweifungen bezahlen muß; aber einmal bezahlt, ist diese beglichen für immer, es gibt keinen unerbittlichen Gläubiger, der zu dem reuigen Verschwender sagen kann: Gehe hin, dein Schicksal ist besiegelt und die Stunde der Erlösung ist verpaßt. O Brüder der Hoffnung!

Kann der Mensch in seiner Kleinheit die Allgüte Gottes je ermessen? Kann der Mensch der Gnade des All-Liebenden eine Grenze setzen und behaupten, sie werde einem gramgebeugten Sünder verweigert, wie groß auch dessen Schuld sei? Gottes Stimme spricht zu uns in jedem Grasblatt, das sich entfaltet, in jedem Lichtstrahl, der uns trifft: "Wie groß ist die Güte und Barmherzigkeit unseres Gottes!" Seine Stimme ertönt durch seine Engel und dienenden Geister allen, die bereuen und um Vergebung flehen. Sie verkündet, daß Gnade und Verzeihung stets voll und ganz allen gewährt wird, die sie ernstlich suchen und getreulich streben, sie zu verdienen.

Selbst jenseits des Grabes, ja noch innerhalb der niedersten Sphären gibt es Barmherzigkeit und Verzeihung, Hoffnung und Liebe für alle. Kein Atom der unsterblichen Seelenessenz, die dem Menschen eingehaucht zu einer bewußten, lebendigen Individualität heran gewachsen ist, geht jemals wieder verloren, noch wird es der gänzlichen Vernichtung, oder ewigen Pein preisgegeben. Diejenigen, welche anderes lehren, irren – ich hätte fast gesagt: sündigen! Sie verschließen damit dem Menschen die Tür der Hoffnung und machen seine irrende Seele um so mehr zweifeln, je hoffnungsloser sie ist.

Denn sie glaubt dann, daß der Tod das Endsiegel der Verdammnis auf ihr Schicksal gedrückt habe. Ich wünsche, daß ihr auf den Erdenplan überall die Wahrheit verkündigt, die ihr auf euren Wanderungen erkannt habt. Seid auch darauf bedacht, daß alle das Gefühl der Hoffnung haben und einsehen, wie notwendig es ist, auf den rechten Weg zu achten, solange es noch Zeit ist. Viel leichter ist es für den Menschen, seine Übeltaten noch auf Erden wieder gutzumachen, als wenn er damit wartet, bis der Tod eine Schranke zwischen ihm und denen gesetzt hat, mit welchen er sich versöhnen möchte.

Alles, was ihr in jenen Höllen gesehen habt, war die Frucht von der Menschen schlechtem Lebenswandel – die Frucht der Werke ihrer eigenen Vergangenheit auf Erden. Nichts war da vorhanden, das einer Schöpfung der wahren Seelennatur entsprochen hätte. So schrecklich euch auch die dunklen Gefängnisse erschienen, so tief erschüttert ihr auch beim Anblick dieser unglücklichen Geister gewesen seid: stets müßt ihr euch erinnern, daß sie sich zu dem, was sie sind, selbst gemacht haben. Gott hat keines Gramms Gewicht der Bürde irgend eines Menschen zugefügt. So muß es Aufgabe eines jeden sein, das wieder gut zu machen, was er zerstört hat, das wieder zu läutern, was er in den Staub getreten hat.

Dann werden diese verkommenen Gestalten samt ihrer schrecklichen Umgebung mit glücklicheren Verhältnissen, reineren Körpern und friedlicheren Behausungen vertauscht werden. Wenn endlich im Laufe der Zeit das Gute auf Erden alles Böse überwunden haben wird, werden diese traurigen Gegenden und Plätze hinweggefegt werden, wie der Meeresschaum durch die Wellen der ansteigenden Flut. Klare Wasser des Lebens werden sich über diese Orte ergießen und sie reinigen, bis jene schwarzen Berge, die schwere Atmosphäre und die schmutzigen Wohnplätze im läuternden Feuer der Reue aufgehen.

Nichts ist für immer verloren, nichts kann für ewig vernichtet werden. Jene Atome, die euer Körper heute anzieht, werden morgen wieder abgestoßen und gehen weiter, um andere Formen zu bilden. Die Ausströmungen der geistigen Natur des Menschen bilden jetzt in den Erdsphären Formen. Wenn aber später kein genügend grober Magnetismus mehr vorhanden sein wird, um jene groben Partikelchen zusammenzuhalten, aus denen die niederen Erdsphären bestehen, dann werden diese Atome von der Gefolgschaft der materiellen und geistigen Erde entbunden.

Sie schweben dann frei im Plasma, bis sie zu einem anderen Planeten hingezogen werden, dessen Sphären ihren Eigenschaften verwandt sind und dessen geistige Bewohner sich auf einer gleichartig-dichten Ebene befinden. So bildeten eben diese Berge und dieses Land hier in der Vergangenheit die niederen Sphären anderer Planeten, die jetzt schon zu hochentwickelt sind, um sie noch anzuziehen. Wenn unsere Erde aufgehört hat sie festzuhalten, werden sie abgestoßen, um die Sphären eines anderen Planeten zu bilden.

So sind auch unsere höheren Sphären aus höheren plasmatischen Feldstärken, aber immer noch stofflicher Materie gebildet, die den Sphären vorgeschrittenerer Planeten entstammt. Ihre Atome werden einst auch unsere Erde verlassen, um von einem Nachfolger wiederum aufgesogen zu werden. Nichts geht verloren, nichts ist wirklich neu. Die Dinge sind nur neue Kombinationen von dem, was bereits bestand und seinem Wesen nach ewig ist. Welch letzte Höhe der Entwicklung wir erreichen werden? Niemand kann es wissen, da es für unsere Erkenntnis und unseren Fortschritt keine Grenzen gibt. Wir müssen selbst die andauerndsten Prüfungen des Erdenlebens in diesen dunklen Sphären als Stufen betrachten, auf denen wir schließlich zum Throne der Himmel hinansteigen.

Was wir sehen und begreifen können, ist die allzeit gegenwärtige Wahrheit, daß die Hoffnung ewig und ein Fortschritt stets möglich ist, selbst für die niedrigsten und verkommensten Seelen. Diese große Wahrheit sollt ihr allen Menschen predigen, wenn ihr zu den Erdsphären und eurer Arbeit daselbst zurückkehrt. Und wie man auch geholfen hat, so legen euch wiederum Dankbarkeit und Liebe die Verpflichtung auf, anderen Beistand zu leisten.

Leseprobe aus dem Buch EIN WANDERER IM LANDE DER GEISTER


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Einzig eigene Erkenntnis und danach das eigene Denken und Handeln ausrichten bestimmt die Frequenz der Seele und damit die Ebene in der sie zwischen den Leben in einem verdichteten Körper beheimatet ist.

DAS ist die göttliche Gnade, das ausnahmslos Jeder selbst bestimmen kann wo seine Seele zuhause sein wird.