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Freitag, 20. Oktober 2017

Das Leben in der unsichtbaren Welt (Leseprobe)

Lesedauer: ca. 19 Minuten 18 Sekunden

Die dunklen Sphären

Wir verließen Edwins wunderschönes Haus, durchzogen schnell unsere eigene Sphäre und befanden uns bald wieder an der Grenze zu den unteren Sphären.



Edwin gemahnte uns daran, daß wir, wie schon zuvor, wiederum jenen Kälteschauer verspüren würden, doch daß wir durch eigene Willensanstrengung diesen umgehen könnten.

Er ging in unserer Mitte, indem Ruth und ich sich jeweils an einem seiner Arme hielten. Er drehte sich uns zu, sah uns an und war augenscheinlich zufrieden mit dem, was er sah. Ich schaute auf Ruth und stellte fest, daß ihr Kleid ebenso wie Edwins eine eintönige, sich dem Grau annähernde Farbe angenommen hatte.

Als ich nun auf meine Bekleidung schaute, bemerkte ich an ihr einen ähnlichen Farbwechsel. Dies war ganz sicher ein verblüffendes Ereignis. Doch unser Freund erklärte sogleich, daß diese Eintrübung unserer natürlichen Farben gemäß eines natürlichen Gesetzes vonstatten gehe und nicht etwa bedeute, daß wir nun das, was wir bisher gewonnen hatten, verloren haben würden.

Die praktische Anwendung eines solchen Gesetzes beabsichtige, daß wir zum einen in der uns so unterschiedlich gearteten Umwelt nicht als Andersartige beargwöhnt würden und daß wir zum andern jene dort in der Dunkelheit lebenden Seelen nicht mit unserem Licht blendeten, so daß sie uns nicht sehen könnten.


Wir schritten über einen Streifen unfruchtbaren Landes. Der Boden fühlte sich unter unseren Füßen hart an. Hier gab es nichts Grünes mehr. Der Himmel war eintönig und dumpf. Und die Temperatur hatte drastisch abgenommen. Doch fühlten wir in uns eine Wärme, die dem entgegenwirkte. Vor uns konnten wir nur eine große Nebelbank entdecken, die an Dichte zunahm, je näher wir kamen, bis wir schließlich in sie hineingetaucht waren.

 Diese Nebelschwaden zogen in schweren nassen Streifen an uns vorbei, und sie fühlten sich nahezu an, als ob die Hand des „Sensenmannes" nach uns greife. Plötzlich zeichnete sich in dem Nebel eine Gestalt ab, die auf uns zukam. Sie war die erste Person, die wir bisher getroffen hatten. Diese erkannte Edwin und begrüßte ihn freundlich. Unser Führer stellte uns jenem Mann vor und erläuterte ihm unser Vorhaben.

Jener entgegnete, daß er sich uns gerne anschließen wolle, könne er doch vielleicht von einiger Hilfe sein. Wir akzeptierten nur allzugern sein freundliches Anerbieten. Somit nahmen wir unsere Reise wieder auf, und nach dem wiederaufgenommenen Durchqueren dieser Schwaden bemerkten wir, daß sie sich teilten und immer mehr abnahmen, bis sie schließlich ganz und gar verschwunden waren. Nun konnten wir unsere Umgebung klar erkennen.

Die Landschaft war im höchsten Maße öd. Hier und dort erblickten wir eine Behausung von der armseligsten Art. Wir näherten uns einer von ihnen, um sie eingehender in Augenschein zu nehmen.

Es war ein rechteckiges kleines, niedriges Haus ohne jegliche Verzierung, das ganz und gar nicht einladend aussah. Trotz seines schlichten Aussehens verbreitete es eine düstere Atmosphäre, und es schien uns mehr und mehr zurückzustoßen, je weiter wir uns ihm näherten. Nirgends entdeckten wir irgendein Lebenszeichen, weder an den Fenstern noch irgendwo sonst. Auch gab es keinen Garten. Dieses Haus lag da ganz für sich, einsam und verlassen.

Edwin und unser neuer Freund kannten offenbar dieses Haus samt seinem Bewohner sehr gut, denn an der Haustür angekommen, klopfte Edwin dagegen, und ohne eine Antwort abzuwarten, öffnete er die Tür, trat ein und winkte uns, ihm zu folgen.



Also traten auch wir ein und sahen uns alsbald in der armseligsten aller armseligen Wohnstätten. Es gab nur weniges an Möbelstücken, und diese befanden sich ebenfalls im erbärmlichsten Zustand. Irdische Augen hätten mit dem ersten Blick erkannt, daß hier die Armut regierte, und ein jeder würde sich selbstverständlich dazu angehalten fühlen, welche Hilfe auch immer anzubieten.

Doch für unsere Augen offenbarte sich hier die Armut der Seele denn diese äußere Erbärmlichkeit beruhte auf geist-seelischen Zusammenhängen. Auch wenn wir in unserem Mitgefühl zu helfen alarmiert waren, so war es dennoch von anderer Art, wußten wir doch, daß hier materielle Hilfe nichts bezwecken konnte. Die Kälte schien uns hier im Inneren noch größer als draußen zu sein, doch entströmte sie, wie uns gesagt wurde, aus dem Besitzer dieses Hauses selbst.

Wir begaben uns in einen Hinterraum und entdeckten dort den Hausbewohner auf einem Stuhl. Dieser machte keinen Versuch, sich zu erheben oder uns willkommen zu heißen. Ruth und ich verblieben im Hintergrund, während die anderen beiden vortraten, um mit dem widerborstigen Wirt zu sprechen. Er mochte etwa gerade den Zenit seines Lebens überschritten haben.

Von ihm ging noch etwas aus, das an seine einstige Wohlhabenheit erinnerte. Seine Kleidung, die er trug, war offensichtlich vernachlässigt, doch ob dies auf Gleichgültigkeit oder auf andere Gründe zurückzuführen sei, war ich - im Licht meiner irdischen Erinnerung - unfähig, zu sagen.

Als Edwin uns vorzukommen bat, um uns als neue Besucher vorzustellen, hörten sich die Worte dieses Mannes wie eine Beschimpfung an. Und nach einigen Augenblicken wetterte er uns ziemlich zusammenhangslos an. Doch konnten wir aus allem verstehen, daß er sich als einen solchen darstellte, der unter einem Komplex der Ungerechtigkeit litt. Edwin erklärte ihm kurz und bündig, daß er Unsinn rede, da es in der Geistigen Welt keine Ungerechtigkeit gebe.

Daraus entspann sich ein hitziges Streitgespräch, das heißt, daß nur unser Wirt der hitzige Redner war, denn Edwin benahm sich ruhig und gefaßt, ja, er war in Wahrheit bewundernswert freundlich. Oft warf ersterer Blicke nach Ruth, deren sanftes Gesicht das ganze stinkige Loch zu erleuchten schien. Ich schaute ebenfalls auf Ruth, die mich beim Arm erfaßt hatte. Ich bemerkte, wie dieser eigenartige Mann von ihr beeinflußt wurde, während sie sich nichts anmerken ließ.

Schließlich beruhigte er sich und schien viel zugänglicher geworden zu sein, worauf er und Edwin noch etwas von privaterer Natur miteinander besprachen. Als diese Unterredung beendet war, sagte er zu Edwin, daß er über das Besprochene nachdenken wolle und daß sein Besucher, so er wolle, zurückkehren und sogar seine Freunde wieder mitbringen könne.

Daraufhin erhob er sich vom Stuhl, begleitete uns zur Tür und verabschiedete uns. Und ich bemerkte, daß er drauf und dran war, beinahe leutselig zu werden. Doch er schaffte es nicht. Es kam mir so vor, als ob er davor zurückschreckte, sich uns von einer guten Seite zu zeigen. Er verharrte an der Haustür und beobachtete unser Weggehen, bis wir wohl aus seiner Sicht geraten waren.

Edwin äußerte sich sehr erfreut über unseren Besuch, und daraufhin erzählte er uns einige Einzelheiten über jenen eigenartigen Mann. Jener befand sich, wie Edwin uns nun darlegte, schon seit einer geraumen Weile in der Geistigen Welt, nachdem er auf Erden ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen war, „erfolgreich" in dem Sinne, wie man auf Erden bestimmte Leute zu beurteilen pflegt. Er hatte an nichts anderes als an Geldverdienen gedacht und nutzte alle Tricks dafür aus, sofern er dadurch nicht mit dem Gesetz in Konflikt geraten konnte.

Er war in seiner Geschäftspraxis mit anderen rücksichtslos und nahm in den Augen anderer den Status eines unnahbaren Gottes ein. In seinem Haus mußten sich ihm alle und alles unterwerfen.



Er machte großzügige Geldgeschenke für die Wohlfahrt, natürlich mit dem einzigen Gedanken, sich dadurch größte Vorteile und Ansehen zu verschaffen. Auch unterstützte er seine eigene Kirche bereitwilligst mit regelmäßigen Geldgeschenken. Er kam sich wie ein Schmuckstück der Kirche vor und wurde in der Tat von allen Gemeindemitgliedern hoch geschätzt. Auf seine Kosten ließ er das Kirchengebäude erweitern, und eine Kapelle wurde sogar nach ihm, dem Spender, benannt.

Aber bei allem, was Edwin über ihn zu berichten hatte, wurde es ganz offensichtlich, daß er wohl kaum in seinem ganzen Leben eine uneigennützige Tat ausgeführt hatte. Bei allen seinen Handlungen trat das Motiv der Selbstverherrlichung offen zu Tage. Als er aber als „Erfolgreicher" starb, wechselte er in die Geistige Welt hinüber, ohne für sein Seelenheil etwas mitgebracht zu haben.

Und sein Kummer ergab sich aus der „Ungerechtigkeit", daß er, der seinem Dafürhalten nach doch so ein vorbildhaftes Leben geführt hatte, jetzt zu einem solchen Leben in äußerstem Schmutz verdammt sein sollte. Er weigerte sich, einzusehen, daß er sich zu diesem Zustand selbst verdammt hatte und daß man keinen anderen als sich selbst dafür verantwortlich machen konnte. Er schuldigte die Kirche an, daß sie ihn hinters Licht geführt habe, indem sie ihn glauben machte, daß seine Freigiebigkeit hinsichtlich Kirchenspenden ihm nachhaltigst im Jenseits zugute gehalten würde.

Er wollte immer noch nicht einsehen, daß bei allem Handeln das Motiv zählt und daß ein glücklicher Platz im Jenseits nicht mit harter Münze zu erwerben ist. Ein kleiner Dienst an einem sterblichen Mitbürger, willentlich und von Herzen geleistet, errichtet ein größeres Gebäude zur Ehre Gottes, als es große Summen Geldes vermögen, die man in Steine und Zement für den Kirchenbau hineinsteckt, welcher im Grunde nur den Menschen verherrlicht mit ganz besonderer Hervorhebung des Spenders.

Dieser Mann befand sich gegenwärtig in einer Stimmung der Wut, die dadurch noch vergrößert war, da ihm niemals auf Erden ein Wunsch abgeschlagen worden war. Er war auch niemals mit einem solch entwürdigenden Leben wie dem jetzigen konfrontiert worden. Seine Schwierigkeit wuchs dadurch, daß er nicht wußte, wen er eigentlich für dieses Mißgeschick anzuklagen hätte.

Anstatt ihn im Jenseits mit hoher Belohnung zu empfangen, hatte man ihn in diese Tiefen verbannt. Er hatte noch keine wirklichen Freunde getroffen, denn solche, die wie er der gleichen Gesellschaftsschicht zugehörten, schien es hier nicht zu geben, die er in seiner Angelegenheit um Rat befragt haben könnte. Edwin hatte versucht, ihn zur Vernunft zu bringen, aber jener befand sich, wie schon seit langer Zeit, in einem Zustand, in welchem er nicht mit sich vernünftig reden lassen wollte.

Nur wenige Besucher sprachen bei ihm vor, da er sie abstieß, und obgleich Edwin schon viele Male bei ihm eingekehrt war, war das Ergebnis immer das gleiche geblieben, nämlich das hartnäckige Anklammern an den Gedanken der ihm widerfahrenen Ungerechtigkeit.

Bei jenem letzten Besuch Edwins in unserer und in der Gegenwart des Freundes, der sich uns angeschlossen hatte, hatten sich schon verborgene Hinweise einer sich anbahnenden Meinungsänderung abgezeichnet. Diese zeigten sich nicht am Anfang unseres Besuches, doch gegen dessen Ende waren Anzeichen zu sehen, daß jener Mann von seiner starren Haltung sich ein wenig zu lösen begann.

Edwin schrieb diesen letzten Umstand in gleicher Weise der beruhigenden Gegenwart Ruths zu wie auch seinem eindringlichen Gespräch. Er war auch zuversichtlich, daß, sollten wir auf dem Rückweg nochmals bei jenem Mann einkehren, wir ihn in einem ganz und gar veränderten Gemütszustand vorfinden würden. Er würde natürlich nicht schon so schnell zugeben wollen, daß der Fehler nur bei ihm zu suchen sei, doch würde die Zeit Wunder wirken.

Ruth war natürlich erfreut, so schnell schon mitgewirkt haben zu können, obwohl sie jedes Lob von sich wies, da sie doch, wie sie meinte, nichts anderes getan habe, als bloß dabeistehende Beobachterin gewesen zu sein. Edwin jedoch erklärte ihr, die jede äußerlich geleistete Teilnahme abstritt, daß sie ein aufrichtiges Mitgefühl und Mitleid mit diesem Unglücklichen empfunden habe, was jenem - denn seine häufigen Blicke wiesen darauf hin - auch nicht entgangen sei.

Er hatte also jenes Mitempfinden gefühlt, wiewohl er auch den eigentlichen Grund dafür nicht durchschaute. Und Ruth bat mich nun, sie darin mit Worten zu unterstützen, daß ihr geringer Beitrag wirklich nicht viel zu dessen Besserung bewirkt haben könnte, hätte Edwin nicht lange und unermüdlich auf jenen eingeredet.

Dies war unsere erste Begegnung mit einem der Unglücklichen der unteren Sphären, und ich habe sie deswegen ein wenig ausführlicher geschildert. In mancher Hinsicht handelte es sich hier noch um einen unkomplizierten Fall, wenn ich ihn mit solchen vergleiche, mit denen wir später noch zu tun haben sollten. Indem ich also jenen Fall ausführlicher schilderte, beabsichtigte ich doch zugleich, dem Leser eine Einführung in unsere zukünftige Arbeit zu geben.

Doch gegenwärtig wurde von uns nichts anderes erwartet, als daß wir die dunklen Bereiche als Beobachter erkundeten.



Wir vier setzten unseren Weg fort. Wir konnten keinen Pfad erkennen, und der Untergrund wurde entschieden steiniger. Das Licht verflüchtigte sich immer schneller vom Himmelszelt, das sich schwer und schwarz über uns abzeichnete. Nichts und niemand begegnete uns. Wir sahen keine Seele, kein Haus, noch irgendein Anzeichen von Leben. Der ganze Umkreis schien farblos und verlassen, so daß wir glaubten, in einer anderen Welt zu wandern.

Nur ganz verschwommen konnten wir nach einer geraumen Weile vor uns etwas ausmachen, das irgendwelchen Behausungen ähnlich sehen mochte. Dorthin lenkten wir nun also unsere Schritte.

Die Landschaft bestand nun aus nichts anderem als aus Felsen. Hier und dort entdeckten wir sitzende Menschen, die ihre Köpfe nach unten hängen ließen. Sie schienen beinahe erstarrt zu sein, doch in Wahrheit steckten sie mit ihren Gedanken tief in Trübsinn und Verzweiflung. Sie nahmen überhaupt keine Kenntnis von uns, als wir an ihnen vorbeikamen, und alsbald erreichten wir jene Behausungen, die wir aus der Ferne erkannt hatten.

Als wir diese Behausungen von nahem sahen, stellte es sich heraus, daß es sich um nichts weiter als um elende Hütten handelte. Sie waren erschütternd anzusehen, aber es war noch unendlich erschütternder, wenn man bedachte, daß diese die Früchte menschlichen Lebens auf Erden waren. Wir betraten keine dieser Baracken, obwohl es draußen widerwärtig genug war. Außerdem war es fürs erste nicht sinnvoll, hineinzugehen. Stattdessen erklärte uns Edwin einiges.

Einige der Bewohner, so sagte er, lebten hier oder in dieser Gegend, gemessen an irdischer Zeit, Jahr für Jahr. Sie selbst hätten keinen Zeitbegriff, und ihr jetziges Dasein sei in eine unabsehbare Dauer von Dunkelheit gehüllt, die durch niemanden als durch ihre eigene Schuld herbeigeführt wurde. Gar viele gute Seelen seien in diese finsteren Sphären eingedrungen und hätten versucht, für jene eine Rettung aus der Dunkelheit zu bewirken.

Einige seien erfolgreich gewesen, andere aber nicht. Der Erfolg hinge nicht so sehr von dem Retter als vielmehr von dem zu Rettenden ab. Wenn letzterer keinen Lichtschimmer in seinem Geist aufweise, keinen Wunsch, auf dem geistigen Weg einen Schritt voranzutun, dann könne nichts, buchstäblich nichts getan werden. Der Drang nach „Licht" müsse aus der gefallenen Seele selbst kommen.

Und wie tief seien einige gefallen ! Man dürfe niemals annehmen, daß jene, die nach irdischem Urteil geistig versagten, tief gefallen seien. Viele von ihnen hätten überhaupt nicht versagt, sondern seien in Wirklichkeit wertvolle Seelen, deren gerechter Lohn sie auf unserer Seite erwarte. Andererseits gebe es solche, deren Leben - aus spiritueller Perspektive betrachtet - verwerflich zu nennen sei, während an ihrem äußeren Wandel nichts beanstandet werden könne.

So halte man manche Priester schon allein deswegen, weil sie im kirchlichen Gewand steckten, zu Unrecht für der Vergeistigung sich zugekehrte Seelen. Doch Scheinheilige könnten Gott nicht zum Narren halten, indem sie auf Erden die Heiligen spielten, während ihr Gebaren nichts als eine hohle Farce an Heiligkeit und Gottergebenheit gewesen sei. Hier stünden sie nun enthüllt als das, was sie wirklich seien. Aber Gott, den sie so lange lächerlich gemacht hätten, strafe nicht. Sie bestraften sich selbst.



Die Menschen, die in diesen elenden Hütten, an denen wir vorbeikamen, lebten, waren nicht unbedingt jene, die auf Erden in den Augen der irdischen Menschen ein Verbrechen begangen hatten. Es befanden sich ebenfalls dort viele Menschen, die, ohne Schaden getan zu haben, niemals, niemals auch nur einem einzigen Sterblichen auf Erden irgend etwas Gutes angetan hatten, Menschen also, die völlig für sich selbst gelebt hatten, ohne einen Gedanken für andere gehegt zu haben. Solche Seelen beteuern immer wieder, daß sie keinem einen Schaden zugefügt hätten.

Aber sie hatten sich selbst geschadet. So wie die Bewohner der höheren Sphären sich für all die Schönheiten ihrer Sphären selbst qualifizierten, so bewirkten die Bewohner dieser niedrigen Sphären die widerwärtigen Lebensbedingungen ihrer Geistigen Welt ebenfalls selbst. In den niedrigsten Sphären gab es kein Licht, keine Wärme, keine Vegetation, keine Schönheit.

Aber es gibt Hoffnung, Hoffnung darauf, daß jede Seele selbst dort sich weiterentwickeln wird. Es steht in der Macht jeder Seele, sich weiterzuentwickeln, und nichts außer ihr selbst steht ihr dabei im Weg. Es mag für sie Abertausende von Jahren dauern, bis sie sich auch nur einen Zentimeter spirituell erweitert, aber es ist ein Zentimeter in der richtigen Richtung.

Mir kam zwangsläufig der Gedanke an die Lehre von der ewigen Verdammnis, die bei den dogmatischen Kirchen so beliebt ist, und an das ewige Feuer der sogenannten Hölle. Wenn man diesen Ort, an dem wir jetzt waren, Hölle nennen konnte - und zweifellos würden es die Theologen tun -, so gab es mit Sicherheit nichts, was auf Feuer, Hitze oder dergleichen hindeutete.

Im Gegenteil ! Wir fanden dort nur eine kalte modrige Atmosphäre vor. In der Geistigen Welt bedeutet Vergeistigung (Spiritualität) Wärme. Mangel an Spiritualität bedeutet Kälte.

Die ganze phantastische Lehre vom Höllenfeuer - ein Feuer, das brennt, aber nie verzehrt - ist eine der allerdümmsten und unwissendsten Lehren, die je von gleichermaßen dummen und unwissenden Geistlichen ersonnen wurden. Keiner weiß, wer dies tatsächlich wirklich erfand, aber von der Kirche wird es als Lehre immer noch strikt aufrecht erhalten.

Selbst die geringste Bekanntschaft mit dem Leben in der Geistigen Welt enthüllt sofort die äußerste Unmöglichkeit dieser Lehre, weil sie gegen die Gesetze geistigen Lebens verstößt. Mehr an gegenüberstellenden Fakten will ich an dieser Stelle nicht anführen. Hingegen möchte ich kurz aufzeigen, welch eine zum Himmel schreiende Gotteslästerung hinter solchen theologischen Höllenvorstellungen steckt.



Als Edwin, Ruth und ich auf Erden waren, verlangte man von uns, zu glauben, daß Gott, der Vater des Universums, Menschen bestraft, tatsächlich bestraft!, indem er einige von ihnen dazu verurteilt, für alle Ewigkeit in den Flammen der Hölle zu brennen. Kann man sich eine gröbere Verunglimpfung Gottes vorstellen ? Zu solcher aber bekennt sich die christliche Kirche. Die Kirchen welcher Konfession auch immer haben ein monströses Konzept vom Ewigen Vater des Himmels erstehen lassen. Zum einen verwandelten sie Ihn in einen Riesen an Bestechlichkeit.

Bestochen und somit zur Vergebung veranlaßt werden konnte Er bei einfachen Vergehen durch oberflächliches Beichten, bei großen Sünden, aber vor allem durch große Geldsummen, die für die Erbauung von Kirchen und Kapellen zu Seiner Ehre bestimmt waren. Wichtig dabei war, daß man in kriecherischer Weise so tat, als ob man in Seelenzerknirschung Ihn um Vergebung bitte, Ihn beleidigt zu haben, wobei auch betont werden mußte, wie sehr man Ihn fürchte.

Gott sollte man also fürchten, Er, der doch ganz und gar Liebe ist ! Zum anderen war der Gott der Kirchen jemand, der ohne die geringsten Bedenken arme Menschenseelen einer Ewigkeit der schlimmsten Marter, jenem Verbrennen in unauslöschlichem Feuer, überantwortete.

Man lehrte uns oberflächlich, um Gottes Barmherzigkeit zu bitten. Der Gott der Kirche ist ein Wesen mit ungewöhnlichen Launen. Er muß ständig versöhnlich gestimmt werden. Es ist keinesfalls gewiß, daß, so wir Ihn um Gnade gebeten haben, Er uns diese auch gewähren wird. Er muß gefürchtet werden, weil Er sich in jedem Augenblick an uns rächen kann. Wir wissen nicht, wann Er strafen wird. Er ist rachsüchtig und unversöhnlich.

Er hat angeblich solche Banalitäten angeordnet, die in Kirchenlehrsätzen und Dogmen festgehalten werden, deren Inhalt jedoch nicht auf einen großen, sondern einen sehr kleinen Geist schließen lassen.

Er hat das Tor zur Erlösung so eng geschaffen, daß wenige, sehr wenige Seelen je in der Lage sein werden, hindurchzugehen. Er ist es, so sagen sie, der auf Erden Seine große Organisation, die Kirche nämlich, geschaffen habe, die allein über die höheren Wahrheiten informiert sei. Dabei verhält es sich doch so, daß eben jene Kirchen praktisch nichts über das Leben in der Geistigen Welt wissen, dennoch es aber wagen, den im Fleische wohnenden Seelen die „ewigen" Gesetze zu diktieren und zu behaupten, ihnen seien die Gedanken des Großen Vaters des Universums offenbar.

Ja, sie wagen es sogar, Seinen Namen zu schmähen, indem sie Ihm Eigenschaften unterschieben, die Ihm unmöglich zu eigen sein können. Was wissen solch dumme und kleine Geister von dem großen und allmächtigen Vater der Liebe ? Wohlgemerkt: der „Liebe" ! Ist diese Liebe etwa mit jenem soeben aufgezählten Höllengreuel zu vereinen ? Entspricht diese Liebe nicht viel eher jenem Himmel, in welchem wir drei leben ?

Jenem Himmel voller Schönheit, einem Himmel von mehr Schönheit, als es sich der irdische Mensch je vorzustellen vermag, einem Himmel, von welchem ich euch nur einen kleinen Teil beschrieben habe, einem Himmel, in welchem alle Herzen von Frieden, gegenseitigem Wohlwollen und Liebe regiert werden. Solche Eigenschaften sind es, an die sich die unsrigen halten und die vor allem den Vater im Himmel in Seiner Liebe zu aller Menschheit erkennen lassen.



Wie verhält es sich aber mit den niedrigeren Sphären, den dunklen Orten, die wir jetzt besuchten ? Eben die Tatsache, daß wir sie wirklich aufsuchten, hat mich dazu veranlaßt, in dieser Weise zu sprechen. Während ich in dieser Dunkelheit stand, war ich mir einer großen Wirklichkeit des ewigen Himmels bewußt, daß nämlich die hohen Sphären des Himmels für jede sterbliche Seele, die auf Erden geboren worden ist oder noch geboren werden soll, offenstehen.

Die Entwicklungsmöglichkeiten sind unbegrenzt, und sie sind das Recht jeder Seele. Gott verurteilt niemanden. Der Mensch verurteilt sich selbst, aber die Selbstverurteilung bleibt nicht für ewig, denn es ist jeder Seele selbst anheimgegeben, wie schnell sie sich geistig entwickeln möchte. Jedes geistige Wesen haßt allein die niedrigen Sphären um des Elends willen, das dort herrscht.

Und aus diesem Grunde gibt es große Organisationen, die jeder einzelnen Seele, die in den finsteren Bereichen lebt, helfen, sich aus ihnen ins Licht zu erheben. Und diese Aufgabe wird durch zahllose Zeitalter hindurch fortgesetzt werden, bis jede einzelne Seele aus diesen schrecklichen Orten herausgeholt wurde und bis schließlich alles so sein wird, wie es der Vater des Universums geplant hat.

Leseprobe aus dem Buch Das Leben in der Unsichtbaren Welt

Bildquellen alle aus dem Film Astral City, oder dem Buch Unser Heim (Nosso Lar) von Chico Xavier die dieselbe Thematik beschreiben. "Das Leben nach dem Irdischen Tod". Da ich selbst 2007 eine Nahtodeserfahrung haben durfte, beschäftige ich mich sehr Intensiv rund um dieses Thema.

Dies ist der Grund warum mir jetzt schon sehr viele Seelen leid tun, die der Meinung sind, dass ihre Irdische Taten keine Konsequenzen haben. Eigentlich ist es eine ganz einfache Rechnung.

Sollte es so etwas wie ein Karma geben und ich ein Leben der Liebe und Harmonie führe, dann ist alles in Ordnung. Sollte es kein Karmisches Gesetz geben und ich ein rein materialistisches Leben führe, womöglich verantwortlich bin für mehr oder weniger Irdisches Leid, dann habe ich Glück gehabt.

Sollte es aber ein Höhergestelltes Wesen geben und ich verantwortlich bin für irdisches Leid, oder auch den Tod, eines oder mehrere Menschen. Dann habe ich definitiv sehr schlechte Karten. Jeder Mensch kann sich jeden Tag selbst entscheiden welches Leben er führen will.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

unbedingt lesen diese 2 Bücher von Rudi Berner: Auf ein Wort
und Bewusstsein und Logik

stehen auch Gratis im Netz zum herunterladen

(wollte der Autor selber so)

Ernstjoachim Müller hat gesagt…

Dienst an/am anderen!!
Wer das beherzigt hat schon einen (grossen) Schritt in die richtige Richtung vollbracht
Es macht mir Spass und Vergnügen anderen zu helfen
Die Dankbarkeit derer ist Mir mehr Wert als Geld und Luxus
Materieller Reichtum bedeutet Mir nichts gar nichts
Geistiger spiritueller Reichtum das ist wonach ich strebe
Für diese von meiner Mutter Mir gegebenen Einsicht bin Ich sehr sehr dankbar
Reichtum fängt im Herzen an und endet im Herzen