Erkennen • Erwachen • Verändern

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Freitag, 10. Februar 2017

„Ich habe zum Großteil Schwarzgelder betreut“ – Finanz-Insider packt aus (Video)

Ein Ex-Privat-Bankier stellt sich bei uns vor und enthüllt die Verstrickungen von Wirtschaft, Finanzmarkt und Politik. Inzwischen ist er aus der schattenhaften Welt der Finanzcasinos ausgestiegen. „Ich will nicht mehr Knecht sein“, sagt er nun.

Im ersten Teil beschreibt er den Club zum Rennweg und den Entrepreneur’s Roundtable, in denen sich die Eliten aus Wirtschaft, Finanzen, Kunst, Kultur und Politik die Klinke in die Hand geben. Ebenfalls lohnt es sich, Lobby-Organisationen wie den Swiss Finance Council genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Interessenvertreter der Banken nehmen diese Akteure aktiv Einfluss auf Gesetze zu Bankenregulierung und Steuern.

Darüber hinaus gibt uns der Autor von „Bankster“ Einschätzungen zum neuen US-Präsidenten Donald Trump und zum SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Unter dem Pseudonym Hanno Vollenweider veröffentlicht der Whistleblower seine persönlichen Erfahrungen, um damit Bürger zu sensibilisieren und einen Blick hinter die Fassade vom Finanzsystem und privaten Organisationen zu ermöglichen.
Ein junger Mann, Anfang 20, frisch von der Uni und voller Energie und Willen, geht nach Zürich mit nur einem Ziel: Banker zu werden und das große Geld zu verdienen.
Was er anfangs jedoch nicht ahnt: Schon von Beginn an haben ihn seine Chefs und Mentoren für etwas Höheres vorgesehen und so führen sie ihn Stück für Stück in die internationalen Kreise der Bankster ein („Bankster“ – ein Privatbanker packt aus: Jan van Helsing interviewt Hanno Vollenweider).
„Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“
Bertolt Brecht (deutscher Lyriker, 1898-1956)
Auch wenn es das Wort suggeriert, „Bankster“ ist nicht nur das Synonym für kriminelle Bankangestellte, vielmehr ist es ein Wort, das Mitglieder einer mitten unter uns existierenden Parallelgesellschaft der Geldvermehrungsindustrie beschreibt. Banker, Berater, Rechtsanwälte, Unternehmer, sogar Journalisten und Glaubensvertreter – sie alle können Bankster sein, und viele von ihnen sind es, ohne dass wir es wissen. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich war ein Bankster.
Bereits im Alter von 25 Jahren wurde ich Mitinhaber einer kleinen, aber sehr geschäftigen Vermögens- und Unternehmensberatung an einer der Top-Adressen in Zürich. Unsere Hauptgeschäftsfelder: Steuersparkonstrukte, Schwarzgeld und Geldwäsche. Unsere Kunden: Deutsche, Österreicher, Niederländer, Griechen – eigentlich die ganze Welt.
Eine knappe Milliarde Euro hat meine Firma für unsere Kunden, vorbei am Fiskus, in sichere Häfen verfrachtet. Ich war einer der Großen auf der dunklen Seite der Finanzwirtschaft, und Sie hätten wahrscheinlich nie von mir gehört, wenn Sie dieses Buch nicht gerade lesen würden. Wahrscheinlich hätten Sie das meiste, was in diesem Buch enthüllt wird, ebenso nie erfahren.
Folgen Sie mir auf einem Streifzug durch meine Geschichte. Es ist die Geschichte zwielichtiger Vermögensverwalter, gieriger Multis, korrupter Politiker, betrügerischer Berater und verantwortungsloser Unternehmer und ihrer Tricks und Kniffe der legalen und illegalen Geldvermehrung – aber auch die Geschichte von den Resten der verschollen geglaubten DDR-West-Mark-Millionen, über Nazi-Goldbarren bis hin zu einer gigantischen Steuervermeidungsindustrie, die Europa jedes Jahr bis zu 1.000 Milliarden Euro unterschlägt.
 
Leseprobe aus dem Buch: Robin Hood GmbH & Co. KG
Viel Zeit, um in Selbstmitleid zu versinken, blieb mir nicht. Ich wusste, man würde in den nächsten Tagen das Gespräch mit meinen ehemaligen Kunden suchen und ihnen, sofern nötig, vorschlagen, die Bank zu wechseln oder sich selbst anzuzeigen. Ich rief also erst einmal die Kunden an, zu denen ich einen besonders guten Draht hatte und bat sie, vorerst die Füße still zu halten und auf Zeit zu spielen, ich würde mich um eine Lösung des Problems so schnell, wie es mir möglich war, bemühen
und würde dann wieder direkt auf sie zukommen.
Die Angelegenheit war sehr heikel, da es mir, solange ich noch in der Kündigungsfrist war, eigentlich strikt verboten war, meine Kunden zu kontaktieren. Es musste ein Plan her. Zu einer anderen Bank zu gehen, war mehr oder weniger sinnlos. Die meisten Privatbanken sprangen derzeit auf denselben Zug des Weißgeld-Blablas auf, oder sie waren anderweitig ausgerichtet bzw. aufgestellt. Was mir übrig blieb, war, mich selbstständig zu machen oder von einem Büro eines externen Vermögensverwalters
(EVV) anstellen zu lassen.
Ich suchte also nach einem moralisch flexiblen Geschäftspartner mit einer „Arschloch“- oder „Bad Boy“-Manier, wie ich sie selbst aufwies, und es fiel mir eigentlich nur einer ein, der bei solch einem Spiel in Frage käme – ein Mann, den ich bei einer meiner Networking-Touren durch die Zürcher Kneipenwelt schon vor einiger Zeit kennengelernt hatte; ein Genießer, ein Typ, der Zigarren so sehr liebte wie ich und der selten einen Abend ohne eine selbige verbrachte.
Mein alter Kumpel Francesco, meist nur kurz Franky genannt, sollte der Mann der Stunde werden. Er war einer dieser EVVs, ein zugelassener Treuhänder (ähnlich einem Steuerberater in Deutschland) und im wahrsten Sinne des Wortes ein solider Kerl von ca. 180 kg, geboren und aufgewachsen im italienischen Teil der Schweiz, dem Tessin. Schon sein Vater und sein Großvater waren Treuhänder und Vermögensverwalter gewesen, alle mit ein wenig Geschäfteleien nebenbei. So soll sein Großvater in den
1930ern für die italienischen Faschisten Gold zu Geld gemacht haben, aber so etwas erzählte er einem erst, wenn er dicht genug war.
Sein Vater hingegen war ein gemachter Mann, verwaltete Gelder für ehemalige Bundesräte und beriet diese in geschäftlichen und steuerlichen Angelegenheiten. In kaum einer Familie waren sich die Männer so ähnlich, und alle waren sie fett, denn sie liebten das feine Essen, und dies in rauen Mengen.
So lag es nahe, Franky auf einen Snack in die City einzuladen. Wir trafen uns an einem Nachmittag in der Onyx-Bar, der Bar des Hyatt-Hotels in Zürich – damals einer der wenigen Orte in der Stadt, an denen man noch rauchen durfte –, bestellten uns einen dieser genialen hausgemachten Burger, tranken ein Gläschen und ließen uns als Krönung eine feine Montecristo No. 2 bringen, die Lieblingszigarre Che Guevaras. Über Franky kann man sagen, was man will. Sicherlich war er ein Typ, der kein Maß kannte, allerdings war er intelligent, hatte eine sichere und schnelle Auffassungsgabe und war voll vertrauenswürdig.
Außerdem hatte er Ahnung vom Geschäft und ein sehr gutes Netzwerk in kleinere und mittelgroße Banken. Für ihn als Treuhänder war es kein Problem, beliebig viele Treuhandkonten, sogenannte „Anderkonten“, bei diversen Banken einzurichten. Auf diese Anderkonten können Treuhänder das Vermögen der Kunden einzahlen, die sie betreuen, ohne der Bank angeben zu müssen, von welchen Kunden dies stammt oder woher diese ihr Geld haben. Letzteres hat auch den großen Vorteil, dass der Name des Kunden nicht auf irgendeiner dämlichen Steuer-CD auftauchen kann.
Als einer von rund 2.000 eingetragenen externen Vermögensverwaltern in der Schweiz war Franky zwar auch den dort
geltenden Gesetzen unterworfen, wurde aber nicht wie jede Bank beziehungsweise jedes Geldhaus mit Banklizenz von der Schweizer Finanzmarktaufsicht (FINMA) kontrolliert. Er unterlag als Mitglied einer Vereinigung für EVVs der Selbstregulierung. Er durfte sich also selbstständig auf die Finger schauen, was, wenn man korrupt ist, natürlich glänzend funktioniert.
 
Wir waren uns eigentlich sehr schnell einig. Auch über die Konditionen, die wir uns selbst geben wollten, herrschte bereits halbwegs Klarheit. Das Geschäft würde über die Firma seines Vaters abgewickelt, von dem er ein Zweigstellenbüro im Zürcher Kreis 4 leitete. Das war nicht unbedingt der Kreis, in dem man sich als Vermögensverwalter niederlassen sollte, da ein großer Teil davon das Rotlichtmilieu einschloss, aber das war ja nun vorerst egal.
Für die Gelder, die ich ihm zum Verwalten vermittelte, sollte ich einen dementsprechenden „Kickback“ bekommen, jährlich berechnet. Da wir im Laufe der Zeit mit den meisten Banken zusammenarbeiteten – später sogar mit meinem ehemaligen Arbeitgeber, ohne dass dieser es wusste –, konnten wir unseren Kunden jedes erdenkliche Produkt anbieten.
Wir nannten unser kleines Projekt Robin Hood GmbH & Co. KG, was eigentlich unsinnig war, da es die Co. KG in der Schweiz gar
nicht als Rechtsform für eine Firma gab, als interne Projektbezeichnung hatte es jedoch etwas Humoristisches…
Weiter im Text und Leseprobe als PDF.
Literatur:


Videos:

1 Kommentar:

Ernstjoachim Müller hat gesagt…

Wer an der Quelle sitzt bedient sich zuerst
Das war immer schon so
Das wird sich erst ändern wenn die Zeit sich ändert
Und diese Zeit ist nicht mehr weit