Freitag, 2. Dezember 2016

Türkei nach Putschversuch: Freimaurer aussortiert!

Präsident Erdoğan sortiert in der Türkei offensichtlich gezielt u.a. auch Freimaurer und Anhänger der „Gülen-Bewegung“ aus – zigtausende Staatsdiener wurden bereits suspendiert.
War der Putschversuch in der Türkei, der am 15. Juli 2016 gestartet wurde, inszeniert oder ein tatsächliches Aufbegehren von echten Regimegegnern, die die Regierung um Erdoğan stürzen wollten? In den Medien sind die Meinungen geteilt.
Von der Diskussion darüber unbeeindruckt, wurden in der Türkei als Reaktion tausende Richter entlassen – insgesamt wurden inzwischen zigtausende Staatsbedienstete suspendiert, bestehend unter anderem aus Anhängern der Gülen-Bewegung und Freimaurern, denen vorgeworfen wird, eine Art „Staat im Staate“ hintergründig aufgebaut zu haben.
Erdoğan hat schon lange den Ruf, Verschwörungstheorien gegenüber aufgeschlossen zu sein. Er schrieb unter anderem im Jahr 1975 ein anti-freimaurerisches Theaterstück mit dem Namen MasKom-Yah. Von Dan Davis


Kaum war der Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei Geschichte und die ersten „Säuberungswellen“ im großen Stil gegen Militärs, Richter und andere Staatsbedienstete rollten nur wenige Stunden später an, da wurde auch dem unkritischsten Beobachter klar, dass hier etwas nicht stimmen kann.
Denn wer nur wenige Stunden nach einen Putschversuch tausende Richter entlässt, der kann dieses Vorgehen nicht mit aufwendigen Untersuchungen nach dem geplanten Staatsstreich erklären. Die Listen müssen schon vorher existiert haben und man nahm danach die Gelegenheit wahr, jetzt selektiv jene Personen auszusortieren, die auf diesen Listen standen.
Seitdem rätseln viele Massenmedien und große Teile der Weltbevölkerung darüber, wer und vor allem warum gerade diese hier aussortiert wurden. Welcher Schlüssel wurde hierbei angewendet?
Wäre dem nicht genug, wird in der Türkei in Zusammenhang mit dem gescheiterten Putschversuch sogar ganz offen von einer „zionistischen Verschwörung“ gesprochen, und somit Wasser auf die Mühlen aller Kritiker des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdoğan gegossen. Wie zuletzt beispielsweise in einer Sendung mit Anne Will, in der Fatih Zingal der „Jerusalem Post“ zuschreibt, sie hätten das Vorhandensein von „zionistischen Parallelstrukturen in der Türkei“ bestätigt.

Video:

Der Putsch sei „eine Demaskierung der Parallelstrukturen“ gewesen und habe bewiesen, dass es zionistische Parallelstrukturen gebe, sowohl im Militär als auch im Justizapparat.
Norbert Röttgen (CDU) gegenüber Zingal im Talk mit Anne Will: „Wer behauptet das?“ und legt nach: „Es werden Behauptungen aufgrund von Verschwörungstheorien genutzt, um Oppositionelle festzusetzen.“
Nicht nur dies, offensichtlich richten sich die Säuberungswellen im Auftrag des türkischen Präsidenten doch signifikant gegen Anhänger der „Gülen-Bewegung“ und gegen Freimaurer in gewichtigen Positionen.
 
Im Jahr 2013 lobte Erdoğan Necip Fazil Kisakürek in seiner Rede zum Gedenken an dessen Todestag auf einer parlamentarischen Fraktionssitzung der AKP (Adalet ve Kalkınma Partisi), in welcher er feststellte, dass dieser einer der wichtigsten Denker sei, die das Land im 20. Jahrhundert hervorgebracht habe. Er wäre ein Vorbild. Die türkische regierungskritische Tageszeitung „Yurt“ kommentierte dazu, die Rede von Erdoğan wäre beschämend gewesen, denn Kisakürek hätte mit seinem Buch Yahudilik-Masonluk-Dönmelik antisemitische und anti-freimaurerische Thesen verbreitet.
Das von Präsident Recep Tayyip Erdoğan geschriebene zuvor erwähnte anti-freimaurerische Theaterstück „Mas-Kom-Yah“ wurde von diesem unter Vorlage des Buches Kızıl Pençe („rote Kralle“) verfasst. Der Name Mas-Kom-Yah bildet sich aus der Abkürzung für Freimaurer, Kommunist und Jude.
Soldaten ist es in der Türkei übrigens auch gesetzlich verboten, während ihrer aktiven Dienstzeit Mitglied in einer Freimaurerloge zu werden. „Europe News“ schreibt, die Gülenisten werden oft mit den Jesuiten verglichen (Wie der Vatikan und die Jesuiten die Welt beherrschen und ins Unglück stürzen (Videos)), mit denen sie hervorragende Kontakte pflegen, so wie auch mit den protestantischen Missionaren, Opus Dei und sogar mit den Freimaurern. Die Seite politaia.org führt dazu weiter aus: „Die türkische Armee und ihre Offiziere sind mit der Freimaurerei und ihren zionistischen Zielen eins.“ (Papst Franziskus‘ Dreifaltigkeit: CIA, die Freimaurerloge P2 und Opus Dei)
Laut „Hurriyet Daily News“ berichteten türkische Medien über geheime Nachrichten, die Gülen-Anhänger mit Dollar-Scheinen verbreiten würden. Die Zeitung „Daily Zaman“ behauptete, dass hierbei auch Freimaurer-Symbole und Zeichen der Illuminaten wie „das Allsehende Auge“ eine Rolle gespielt haben sollen, wie auch N-TV inzwischen berichtete. Diese Zeichen befinden sich auch auf der Ein-Dollar-Note der USA.
Was man auch immer von den aktuellen Vorgängen in der Türkei halten mag: Für unsere westlich geprägten Ideologien durch Mainstream- und Massenmedien hinterlassen die Anwendung solcher Schlüssel in den laufenden Säuberungsaktionen in der Türkei, bei denen inzwischen zigtausende Staatsbedienstete suspendiert wurden und über die Wiedereinführung der Todesstrafe gegen die Putschisten diskutiert wird, womöglich einen schalen Nachgeschmack. Sehen unsere westlichen Lehrbücher doch alles andere als eine Verschwörung durch freimaurerische oder gar zionistische Mächte hinter vielen Ereignissen der Weltgeschichte.
Solche Behauptungen waren bislang offiziell lediglich Stoff für „Verschwörungstheoretiker“. Präsident Erdoğan wird oft dafür kritisiert, weil er sogenannten „Verschwörungstheorien“ zugeneigt ist. Der Putschversuch in der Türkei im Juli 2016, bei dem F-16 Kampfjets im Tiefflug über Großstädte flogen und Panzer auf der Straße waren, scheint jedoch deutlich zu machen, dass mehr an diesen dran ist, als man denkt.
Und ganz so überraschend kam der Putschversuch übrigens auch nicht. Bereits im April 2016 erschien im Online-Magazin „zeitschrift-luxemburg.de“ ein Beitrag von Axel Gehring mit dem Titel „Die Türkei vor einem Putsch?“.
Darin schreibt dieser: „In den letzten Wochen haben Gerüchte über die Möglichkeit eines Militärputsches in der Türkei eine gewisse Resonanz unter türkischen wie internationalen Beobachtern/Beobachterinnen gefunden. Ausgangspunkt dieser Spekulationen war der Artikel ‚Could there be a coup in Turkey’? von Michael Rubin, Angehöriger des neokonservativen American Enterprise Institute…“
 
So wäre es kein Zufall gewesen, dass die AKP in ihrer Selbstdarstellung gegenüber dem westlichen Ausland ganz bewusst keine islamistische, sondern eine antijakobinische Sprache verwendete. Als solche holte sie umfangreich Anleihen aus Edmund Burkes Kritik an der von Freimaurern mit initiierten Französischen Revolution, die als Gründungsmoment des modernen westlichen Konservatismus gilt, und wurde diskursiv anschlussfähig an die Selbstauffassungen westlicher Konservativer.
„Die französische Revolution von 1789 ist nur ein Werk der Freimaurerei gewesen; denn alle hervorragenden Männer jener Zeit waren Freimaurer. Nachher hat der Freimaurerbund daselbst gleichfalls die Revolution der Jahre 1830 und 1848 geleitet.“ (Quelle: „Freimaurer-Zeitung“, Leipzig, 24.12.1864)
„Die französische Revolution steht vollständig unter der Herrschaft der Loge… Seit MacMahon sind alle Präsidenten der Republik der Loge nicht bloß eingegliedert, sondern tätige Agitatoren, die in den Logen eine mehr oder minder bevollmächtigte Stelle eingenommen haben… Ebenso gehören alle jene Männer, die in den Ministerien oder in wichtigen Staatsämtern eine Rolle spielen, der Freimaurerei an. Im Allgemeinen bekommt in der französischen Republik niemand ein wichtiges Amt, wenn er nicht von der Loge empfohlen wird.“ (Jesuiten, Freimaurer und Illuminaten: Eine (un)heilige Allianz zur Etablierung der Neuen Weltordnung (Video))
(Quelle: Freimaurer Ernst Freymann (Dr. Paul Köthner) in „Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei“, Berlin, 1917, S. 7)
Prophetisch schreibt Gehring zudem in seinem Kommentar im April 2016, es wäre durchaus möglich, dass der von Rubin ersehnte Militärputsch im Dienste anderer Ziele stünde, als jene, von denen er träumt. Noch wahrscheinlicher wäre, dass der Putsch durch eine schwache innere Kohärenz der Streitkräfte von Beginn an mit Problemen zu kämpfen hätte und sich eine türkische Regierung erstmals in der Geschichte des Landes dem unter Rückgriff auf eigene loyale Kräfte innerhalb und außerhalb der Streitkräfte versuchen würde, den Putsch militärisch zu brechen.
Aussagen vor den Ereignissen vom Juli 2016 wie „Amerika würde im Falle eines Putsches an der Seite der Putschisten stehen“ schüren weitere Spekulationen. Fethullah Gülen, nach dem die „Gülen-Bewegung“ benannt wurde, befindet sich derzeit im selbst gewählten Exil in den USA. Der türkische Präsident Erdoğan vermutet hinter ihm einen der Drahtzieher des gescheiterten Militärputsches und verlangt dessen Auslieferung.
Sollte die Tatsache, dass sich unter den suspendierten und inhaftierten Personen auch signifikant viele Freimaurer befinden, kein Zufall sein, dann könnten die nächsten Monate auch in dieser Hinsicht spannend werden.
Der türkische Richter Aydın Sefa Akay, der im UN-Kriegsverbrechertribunal tätig ist und im September 2016 als Teil einer angeblichen Regierungsverschwörung nach einem gescheiterten Putsch in der Türkei am 15. Juli verhaftet wurde, obwohl er offiziell diplomatische Immunität besitzt, bestritt eine Verbindung zur Gülen-Bewegung und beschrieb sich selbst als Freimaurer. Und es gibt viele weitere Beispiele, die andeuten könnten, dass es bei dem Vorgehen gegen die Gülen-Bewegung auch gezielt Freimaurer aus ihren Ämtern enthoben worden sind.
  
Viele islamische Bewegungen in der Türkei werfen der Freimaurerei vor, sie wolle eine Art geheime Weltherrschaft aufbauen, sodass sie in der Bevölkerung kein großes Ansehen genießt. Ihre Mitglieder gehören aber zu den wohlhabenden und einflussreichen Schichten des Landes.
Bereits im Jahr 2004 kam es in Istanbul zu einem Anschlag auf eine Freimaurerloge, bei dem zwei Menschen starben und sechs Personen verletzt wurden. Nach den Ermittlungen der Polizei zündeten damals die Angreifer selbst gefertigte Bomben, die sie am Körper trugen.
Mehr zu den Hintergründen der Freimaurerei sowie deren Agitationen im Hintergrund des Weltgeschehens finden Sie in meinem Buch „Nationale Sicherheit“.

Quelle:  http://www.pravda-tv.de/

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