Samstag, 8. Oktober 2016

Ein Medikamentenskandal erschüttert Frankreich.

Missbildungen durch Depakine – 50.000 Kinder könnten betroffen sein – Hat die Französische Regierung absichtlich eine Studie über medikamentbedingte Missbildungen verheimlicht?

 
Es erinnert an den Contergan-Skandal von 1961. Ein Medikamentenskandal erschüttert Frankreich! Das Anti-Epilepsie-Medikament „Depakine“ führt, wenn es in der Schwangerschaft eingenommen wird, bei jedem zehnten Kind zu Fehlbildungen. 40 Prozent erleiden körperliche und geistige Entwicklungsstörungen und trotzdem wurden diese Tabletten zwischen 2007 und 2014 rund 10 000 Schwangeren verschrieben, wie eine neue Studie der Krankenkasse und der Agentur für Medikamentensicherheit enthüllte. Die Tabletten wurden, obwohl diese Nebenwirkungen seit den 1990er-Jahren bekannt sind, verschrieben. Im Beipack-Zettel standen die Nebenwirkungen nicht.

Laut Le Canard Enchaine weekly hat der Gesundheitsminister in Frankreich eine Studie zurückgehalten, in der aufgedeckt wurde, dass ein Präparat im Zeitraum 2007 bis 2014 mehr als 10 000 Schwangeren verschrieben wurde, obwohl die potenziellen Risiken für die ungeborenen Kinder bekannt waren. Depakine ist ein Medikament, das häufig zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Es kam in den 1960er-Jahren auf den Markt. Das Mittel ist aber umstritten. 
Die Krankenkassen in Deutschland teilten mit, dass die französische Regierung die Opfer eines umstrittenen Epilepsie-Medikaments entschädigen. «Das ist ein erster Sieg», sagte die Opfer-Vertreterin Marine Martin nach der Vorstellung einer Studie am  24. August 2016 über die Gefahren des Medikaments Dépakine für Schwangere. Bis Ende 2016 soll das Parlament über eine Entschädigung entscheiden. Unklar blieb allerdings, für wie viele Kinder das Medikament tatsächlich gesundheitliche Folgen hatte. In der Studie wurde festgestellt, dass die Frauen etwa 8700 Kinder zur Welt brachten. Das Medikament wird in Frankreich seit 1967 verkauft. Es kann bei Neugeborenen zu Geburtsschäden, zu einem erhöhten Risiko für Autismus und zu geistiger oder körperlicher Behinderung führen. Verwendet wird das Mittel neben Epilepsie auch gegen bipolare Störungen.
Am 26 September 2016 berichtet lest-eclair.fr  über einige Fälle, so ist Matteo, der Sohn von Axelle,  eines der kleinen Opfer von Depakine. Im Alter von 9, kann Axelles Sohn immer noch nicht lesen und schreiben. Axelle war 20, als sie schwanger wurde. Am Anfang hatte der Sohn keinerlei Anzeichen einer Erkrankungen gehabt, doch mit zunehmendem Alter des Kindes traten diese Erscheinungen auf. Erst 2014 entdeckte Axelle, dass die Krankheit ihres Sohnes durch die Einnahme von dem Medikament Depakine herrührte.Tatsächlich, denn seit vielen Jahren gibt es mehrere alarmierende Studien der medizinischen Gemeinschaft, die auf die Gefahr von Valproat (das aktive Molekül Depakine) für die Entwicklung des Fötus hinweisen.
Mehr als 12 000 Kinder in Frankreich könnten unter den Folgen durch Depakine leiden, so die Epidemiologe Catherine Hill. Ihre Schätzungen ergaben sich von den  Umsätzen des Arzneimittels und der Anzahl der behandelten Schwangeren. Nach Apesac, die seit 2011 vor den Gefahren von Valproinsäure warnen, könnte diese Zahl  auf „50 000 Kinder“  steigen, die tot oder behindert sind. Im Februar gab die Generalinspektion für soziale Angelegenheiten (IGAS) einen Bericht, heraus, in dem Sanofi und die Drogenagentur ANSM kritisiert wurden, keine ausreichende Informationen zu den bekannten Risiken für Patienten zur Verfügung gestellt zu haben. Ende August 2016 bestätigte das Ministerium für Gesundheit, dass mehr als 14 000 schwangeren Frauen zwischen 2007 und 2014 betroffen sind, und kündigte  für die Opfer eine Entschädigungsregelung an.
Die Mutter von Matteo kämpft zusammen mit anderen Familien darum, als Opfer anerkannt zu werden.
Dieses Leid haben bereits die Opfer aus dem Contergan-Skandal hinter sich. Es war und ist einer der aufsehenerregendsten Arzneimittelskandale, der uns seit über 50 Jahren immer noch betroffen macht. Doch obwohl die überlebenden Contergan-Geschädigten inzwischen den fünfzigsten Geburtstag hinter sich haben, ist bis heute nicht abschließend geklärt, wie genau der Contergan-Wirkstoff Thalidomid die Embryonalentwicklung gestört hat. Eines ist aber Fakt: Die Mütter haben während der Schwangerschaft das Beruhigungsmittel Contergan eingenommen. Mit schrecklichen Folgen für ihre Kinder. Fazit nach 50 Jahren: Die Pharma kämpft noch immer um jeden Cent, den sie nicht bezahlen muss, egal wie fatal ihre Fehlleistungen waren und sind.
Und wer nun dachte, man hätte aus dem Conterganskandal gelernt hat, wurde in unserem Beitrag  Contergan-Skandal geht weiter – Brasiliens neue Contergan-Kinder eines Besseren belehrt. Eine wissenschaftliche Studie, beauftragt von der BBC, zeigt auf, dass das Medikament Thalidomid immer noch Geburtsschäden im heutigen Brasilien verursacht. Es hat bei Menschen, die an Lepra erkrankt waren, einige ihrer Symptome gelindert. Einige Frauen, die es einnahmen, wussten nichts von den Risiken, die sie damit während der Schwangerschaft eingingen. Allein im Zeitraum 2005-2010 wurden 5,8 Millionen Thalidomid-Pillen in ganz Brasilien verteilt.
Die Macht der Pharmaindustrie, darüber haben wir bereits mehrfach berichtet. Und auch hier geht es wieder um einen großen Pharma-Konzern. Patientenvertreter werfen dem Staat und dem Hersteller „Sanofi“ vor, die Risiken des Medikaments bewusst verschwiegen zu haben. Sie fordern Entschädigungszahlungen für die Opfer. Der Pharmakonzern reagierte noch nicht auf den Skandal, aus dem Gesundheitsministerium heißt es, dass Betreuungseinheiten für die Opfer bereit gestellt werden.

Quelle:  https://netzfrauen.org/

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