Donnerstag, 20. Oktober 2016

Der Weg zum Selbst



Bewusstsein & PSI-Phänomene: Neues aus der Hirnforschung – Mut zur inneren Leere! (von Jörg Zittlau)

Werden Sie schon nach wenigen Minuten nervös, wenn Ihr Smartphone keinen Strom mehr hat oder der WLAN-Empfang ausgefallen ist? Wir alle fürchten uns vor der inneren Leere. Andererseits jedoch sehnen, verzehren wir uns auch nach ihr. Weil sie Tore zu neuen Erlebniswelten öffnet und sogar heilsam sein kann. Doch dazu müssen wir uns ihr hingeben, ohne Wenn und Aber.

Von Jörg Zittlau

Eigentlich war nicht schwer, was den Probanden an der University of Wisconsin abverlangt wurde. Sie sollten einfach nur in einem geschlossenen Raum sitzen, und am Ende würde man ihnen die Teilnahmegebühr auszahlen. Auf dem Tisch stand ein Gerät, mit dem sie sich selbst einen ungefährlichen, aber unangenehmen Stromschlag verpassen konnten. „Doch warum sollte man das tun, wenn schon das bloße Absitzen der Zeit Geld bekommen würde?“, fragte sich Studienleiter Timothy Wilson. Und er hielt dies zunächst nur für eine rhetorische Frage.

Tatsächlich aber verabreichten sich zwei Drittel der Männer gleich mehrere Elektroschocks, ihr Durchschnittswert lag bei etwas mehr sieben Schlägen pro Viertelstunde Beschäftigungslosigkeit. „Darunter waren keine Masochisten“, so Wilson, „denn die hatten wir durch ein Vor-Experiment ausgeschlossen.“ Bei den Frauen war die Quote etwas niedriger, aber immer noch unerwartet hoch.

Die Probanden wählten also lieber Elektroschockes anstelle von Nichts-Tun und Erlebnislosigkeit. Und damit stehen sie nicht allein. Denn wer hält es noch aus, wenn der Fernseher, das Radio oder das Internet ausfällt, wenn keine Ablenkung und niemand da ist für die Konversation? In einer Umfrage an jungen Männern und Frauen gaben zwei Drittel zu, dass sie auf einer einsamen Insel eher auf Sex verzichten könnten als auf ihr Smartphone. In anderen Umfragen zeigte sich, dass viele Menschen vor Langweile ähnlich viel Angst verspüren wie vor einem Krebsgeschwür. Nach dem Muster: Besser todkrank, als leer.

Wie entschieden unsere Erlebnisgesellschaft die Leere meidet, zeigt sich auch darin, dass in Deutschland etwa 30 Prozent der über 65jährigen eine Patientenverfügung unterschrieben haben. Sie haben also festgelegt, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen abzuschalten sind, sofern der Patient nur noch regungslos im Bett liegt. Die Angst vor diesem Zustand der absoluten Untätigkeit ist so groß, dass man lieber tot sein will.

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