Donnerstag, 6. Oktober 2016

Das neue Bewusstsein

Spirituelle Krisen – wie man sie erkennt und heilsam mit ihnen umgeht

Zu spirituellen Krisen kommt es, wenn die individuelle Fähigkeit eines Menschen überschritten wird, belastende äußere oder innere Reize zu integrieren. Die Symptome einer solchen Krise können wenige Minuten oder auch längere Zeit anhalten. Sie sind schwer von psychotischen Zuständen zu unterscheiden und machen oft sowohl die Betroffenen als auch die Begleiter hilflos. Dipl. med. G. Rober über die Merkmale und Auswirkungen dieser Zustände und den Umgang mit ihnen.

 Der Begriff „Spirituelle Krise“ wurde in den achtziger Jahren von Stanislav Grof (LSD-Forscher und Begründer des holotropen Atmens) und seiner Frau Christina Grof (Lehrerin, Künstlerin, Psychotherapeutin) geprägt. Die Auslöser einer spirituellen Krise können sowohl Yoga, Meditation, Drogen, spezielle Atem- und andere bewusstseinserweiternde Praktiken als auch spontane Erlebnisse wie eine Nahtoderfahrung oder ein plötzliches Erwachen der „Kundalinienergie“ sein. Aber auch „normale“ Lebenskrisen wie der Verlust der Arbeit, des Lebenspartners, der Gesundheit, der Umgang mit Sterbenden und Ähnliches können sich zu einer spirituellen Krise ausweiten.

Die Kennzeichen einer spirituellen Krise sind:

Nicht-einordnen-Können der Geschehnisse in das eigene Weltbild
Tiefe Verunsicherung, die mit großen Ängsten, depressiven Zuständen („die dunkle Nacht der Seele“) oder auch psychotischem Erleben (Verlust der Alltagstauglichkeit) einhergehen kann
Verlust von Vertrauen (in Gott, in das Leben, in eigene Fähigkeiten…)
Gefühl des Getrenntseins (vom Göttlichen, von der Lebensfreude, vom Mitgefühl…)
Verstärkte Auseinandersetzung mit Sinnfragen wie: Wer bin ich? Gibt es Gott? Was ist die Wahrheit? Welchen Sinn hat mein Leben? Was ist der Tod? …
Zu den Ursachen einer jeglichen psychischen, also auch spirituellen Krise gehört die Unfähigkeit unseres Ichs, belastende innere oder äußere Reize zu integrieren, sprich als Erwachsener bewusst zu reflektieren und zu handeln. In der Psychotherapie spricht man in diesem Zusammenhang vom Integrationsfenster. Je mehr Erfahrungen gut integriert sind, desto weiter/größer und stabiler ist das persönliche Integrationsfenster.

Die Voraussetzung für eine gute Integrationsfähigkeit (= großes, stabiles Integrationsfenster) bildet ein stabiles Ich, das in der modernen Psychotherapie durch folgende Qualitäten definiert ist:

-Realistische Wahrnehmung von sich selbst und anderen
-Gute Steuerungsfähigkeit der eigenen Gedanken, Gefühle und Impulse
-Fähigkeit zur Empathie, Ehrlichkeit und Respekt sich selbst und anderen gegenüber
-Fähigkeit, Beziehungen einzugehen,
sie kreativ zu gestalten und zu beschützen, während man/frau autonom bleibt.

Im Zusammenhang mit dem stabilen Ich sprechen wir auch vom „normalen“ Alltagsbewusstsein. Dieses kann jedoch im Prozess der religiösen bzw. spirituellen Entwicklung eine Wandlung erfahren, durch die eine zunehmende Verankerung in einem umfassenderen, „höheren“, transpersonalen Bewusstseinsraum stattfindet. Auf dem Grund und in der Tiefe dieses Raumes bzw. dieses Seinzustandes wird „das wahre Selbst“ bzw. „die individuelle Seele“ erfahren und wahrgenommen.


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