Mittwoch, 7. September 2016

Nach Erdbeben: Italienischer See verliert Wasser

Nach dem verheerenden Erdbeben vor zwei Wochen mit 295 Toten in Zentralitalien beobachten Forscher und Bewohner eines nahe gelegenen Sees Seltsames. Binnen weniger Tage hat sich der Pegel des Lago di Scanno um mehrere Meter gesenkt. Forscher haben eine Erklärung für dieses Phänomen.

L’Aquila. Der kleine Lago di Scanno liegt in den Abruzzen in einem Hochtal des Apennin-Gebirges. Er entstand im frühen Holozän, als ein riesiger Erdrutsch einen Bergbach aufstaute. In den letzten Jahren wurden rund um den See mehrere seltsame Beobachtungen getätigt. So soll es 2004 ein bisher ungeklärtes Fischsterben gegeben haben. 2009 trocknete der See beinahe aus. Und 2014 wurde eine magnetische Anomalie unterhalb des Sees entdeckt.
 2016 reiht sich in die Liste der Ereignisse ein. Binnen weniger Tage senkte sich nach dem Erdbeben von Norcia der Pegel des Sees um drei Meter ab. Das Epizentrum des Erdbebens liegt etwa 100 Kilometer vom See entfernt. Schäden gab es in seinem Umfeld keine. Trotzdem zeigten sich nun die Spätfolgen. Experten, die den See bereits in den vergangenen Jahren untersucht haben, sind davon nicht überrascht. Rund um den See überwiegt Kalkstein und Mergel. Es gibt viele Klüfte im Gestein und einzelne Karsthöhlen. Da der See durch die Reste eines Erdrutsches aufgestaut wird, ist dieses Geröll nicht verfestigt. Es ist wahrscheinlich, dass durch das Erdbeben eine Kluft erweitert wurde, durch die mehr Wasser abfließen kann. Ähnliches geschah im Jahr 2009 nach dem Erdbeben von L’Aquila. Ob das aktuelle Erdbeben auch für die Veränderungen verantwortlich ist, soll in einer neuen geologischen Studie restlos geklärt werden.
Der Lago di Scanno ist sehr anfällig für klimatische Änderungen. Eine längere Dürre führt schnell dazu, dass der Wasserspiegel um mehrere Meter sinkt. Ebenso führt Starkregen schnell zu Überschwemmungen. Durchschnittlich liegt die maximale Tiefe des Sees bei 30 bis 32 Meter, während der durchschnittliche Abfluss auf 350 Litern / Sekunde geschätzt wird.

Quelle:  http://geohorizon.juskis-erdbebennews.de/
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Lago di Scanno

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