Freitag, 19. August 2016

Die Sucht-Verschwörung: Wie US-Regierung und die Pharmaindustrie eine Epidemie schufen

Dr. Joseph Mercola

Das sollte Ihnen Schauer über den Rücken jagen, insbesondere, wenn Sie oder Ihre Liebsten dieses Medikament einnehmen. Bislang sind über 194 000 Menschen daran gestorben – hauptsächlich aus einer besonders anfälligen Gruppe. Falls Sie jemanden kennen, der zu dieser Gruppe gehört, sollten Sie ihm helfen, eine Alternative zu finden.
  
Zwar haben die meisten Medikamente eine lange Reihe möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen, aber Schmerzmittel gehören – weil sie so schnell abhängig machen – zu den tödlichsten Arzneistoffen überhaupt. In den letzten 10 Jahren stiegen die Verordnungen für Opioidanalgetika um 300 Prozent,1 und die Amerikaner konsumieren 80 Prozent der weltweit verkauften Opioide.2

In Alabama, dem US-Bundesstaat mit der höchsten Opioid-Verschreibungsrate, kommen auf 1000 Einwohner ganze 143 Verordnungen.3 Infolgedessen sterben dort mehr Menschen an einer Überdosis Analgetika als an illegalen Drogen. Allein 2013 starben rund 23 000 Menschen an einer Überdosis verschreibungspflichtiger Medikamente, und Schmerzmittel waren für etwa 16 000 davon verantwortlich.4


Die Pharmaindustrie ist schuld an der Massenabhängigkeit

Viele meinen, dass die Pharmakonzerne, die diese Arzneimittel herstellen und vertreiben, für diesen gefährlichen Trend zur Verantwortung gezogen werden sollten – nicht zuletzt, weil mehrere von ihnen nachweislich über die Vorteile und Risiken ihrer Medikamente gelogen haben. Laut der Verbraucherschutzorganisation Organic Consumers Association (OCA)5 fördert die Pharmaindustrie »die Opioidabhängigkeit epidemischen Ausmaßes« durch mehrere Maßnahmen:
  • Einführung lang wirkender Opioidanalgetika wie OxyContin das vor der Reformulierung im Jahr 2010 geschnupft oder gespritzt wurde. Viele Abhängige sagten, das »High« durch OxyContin sei besser als das durch Heroin.
    Tatsächlich ist Oxycodon (der Wirkstoff von OxyContin) chemisch betrachtet dem Heroin sehr ähnlich und gilt als Einstiegsdroge zur Heroinsucht.
  • Veränderte Richtlinien zur Schmerzmittelverordnung machten Opioide zur ersten Wahl bei Schmerzen im unteren Rücken und anderen Schmerzen, für die vorher keine Opioide verschrieben wurden.
    Selbst die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte da ihre Hände im Spiel, auch wenn sie ihre Werbung für narkotisierende Analgetika auf Krebspatienten beschränkte.6
  • Empfehlung langfristiger Opioideinnahme, obwohl es keine Beweise dafür gibt, dass die dauerhafte Einnahme dieser Medikamente sicher und effektiv ist.
  • Verharmlosende und falsche Informationen über die suchterzeugenden Eigenschaften von Opioiden. OxyContin etwa wurde hauptsächlich durch falsche Behauptungen – und bei Purdue Pharma wusste man von Anfang an, dass sie falsch sind – zum Kassenschlager.
    Das grundlegende Versprechen war, dass die Wirkung des Medikaments ganze 12 Stunden lang anhalte – doppelt so lang wie Generika – und den Patienten »Tag und Nacht milde und nachhaltige Schmerzkontrolle« ermögliche.
    Doch bei vielen hält die Wirkung nicht annähernd so lange an, und sobald sie nachlässt, setzen schmerzhafte Entzugserscheinungen ein, z. B. Schmerzen am ganzen Körper, Übelkeit und Ängste. Diese Symptome und der erneut auftretende Anfangsschmerz führen schnell zum Teufelskreis der Abhängigkeit.7

In einem Artikel von 20158 leistete The Week gute Arbeit, indem die Zeitung die PR-Strategie aufdeckte, die bei Purdue entwickelt und von der FDA (US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel) unterstützt wird und bereits zu unglaublich großen menschlichen Tragödien geführt hat. In dem Artikel heißt es: »Mit Depotwirkung wirkte auch die Arroganz der FDA, die bekannt gab, dass ›die verzögerte Aufnahme wie bei OxyContin-Tabletten wohl die Suchtgefährdung eines Wirkstoffs reduziert‹.«

New Hampshire prozessiert wegen irreführendem Marketing

Mehrere Bundesstaaten versuchen in der Tat, die Pharmakonzerne für die Sucht-Epidemie zur Verantwortung zu ziehen.9 In New Hampshire etwa hat das Büro des Generalbundesanwalts Klage gegen Purdue Pharma eingereicht. Die Anklage lautet auf irreführendes Marketing durch falsch dargestellte Risiken und Nutzen der langfristigen Opioideinnahme bei chronischen Schmerzen. Doch während das Klägerteam gerade einmal aus drei Personen besteht, beschäftigt Purdue in dieser Sache ganze 19 Anwälte. Der Concord Monitor berichtet:10
»Ein Jahr, nachdem das Justizministerium Vorladungen gegen fünf große Pharmaunternehmen aussprach, um herauszufinden, wie suchterzeugende Schmerzmittel im Bundesstaat vermarktet werden, haben die Pharmagiganten lediglich Mandate eingereicht …
Der derzeitige Rechtskampf dreht sich darum, ob die Generalstaatsanwaltschaft sich Unterstützung von außen holen darf.
Alle Pharmaunternehmen weigern sich, interne Dokumente auszuhändigen, solange der Generalstaatsanwalt mit dem Anwaltsbüro Cohen Milstein zusammenarbeitet, das bereits ähnliche Prozesse gegen die pharmazeutische Industrie geführt hat.
Anwälte der Pharmakonzerne argumentieren, bei Cohen Milstein sei man voreingenommen, weil das Büro nur bezahlt wird, wenn der Bundesstaat weitere rechtliche Schritte gegen die Pharmaunternehmen unternimmt.
Ein Richter des Kammergerichts im Merrimack County stellte sich kürzlich an die Seite des Bundesstaats, aber die Pharmakonzerne verweigern sich nach wie vor … ›Sie wollen nicht, dass wir etwas erfahren, so viel ist sicher‹, sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt James Boffetti. ›Wir bekommen keine Quelleneinsicht; sie tun alles, um die Unterlagen vor uns zu verbergen.‹«

OxyContin – der 30 Milliarden Dollar schwere »Witwenmacher«

Seit der Zulassung von OxyContin im Jahr 1996 hat Purdue damit über 31 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Die Verkaufszahlen blieben auch dann hoch, als Purdue und drei seiner Führungskräfte 2007 der Irreführung von Regulierungsbehörden, Ärzten und Patienten über die Suchtgefahr und das Missbrauchsrisiko des Medikaments angeklagt und schuldig gesprochen wurden.

Das Unternehmen musste für die Geldstrafe und Gebühren 600 Millionen Dollar berappen. Die drei Führungskräfte, darunter der Purdue-Vorsitzende und einer seiner Anwälte, wurden des unsachgemäßen Marketings schuldig gesprochen und zu Geldbußen in der Höhe von 34,5 Millionen Dollar verurteilt.11Bereits 2003 beauftragte die FDA Purdue, seine gedruckten Werbekampagnen für OxyContin zurückzuziehen, weil sie das Sicherheitsprofil des Medikaments »grob überzeichneten«.12

Trotz solch offensichtlicher Hinweise darauf, dass Opioide falsch dargestellt und vermarktet wurden, unternahm man nur wenig, um ihren Konsum einzuschränken. Seit 1999 sind an einer Überdosis von Opioiden wie OxyContin mehr als 194 000 Menschen gestorben. Im selben Zeitraum stieg die Überdosisrate unter Frauen um ganze 450 Prozent.

Die Abhängigkeit unter jungen Erwachsenen stieg ebenfalls dramatisch an. Laut Dr. Andrew Kolodny, dem Gründer von Physicians for Responsible Opioid Prescribing (PROP), geraten viele in einen Suchtkreislauf, nachdem ihnen wegen einer Sportverletzung oder einer Weisheitszahnextraktion Opioide verschrieben wurden.13 Doch am anfälligsten sind hier die Senioren. Ihnen werden viel häufiger Opioide verschrieben als jüngeren Personen, und untere ihnen sind zudem die höchsten Abhängigkeits- und Todesfälle zu verzeichnen.

Opiate sind starke Immunsuppressiva

Im Juli interviewte ich Dr. Thomas Cowan, Hausarzt und Gründungsmitglied der Weston A. Price Foundation (WAPF), über die Anwendung von niedrig dosiertem Naltrexon (LDN, von englisch Low-Dose Naltrexone) bei Autoimmunkrankheiten. Naltrexon ist ein Opioidantagonist, der Anfang der 1960er-Jahre für die Behandlung von Opioidabhängigkeit entwickelt wurde. Es hemmt die Wirkung des Narkotikums, indem es sich an Opioidrezeptoren im Körper bindet.

Bei einer Überdosis Heroin werden ca. 30 bis 50 Milligramm Naltrexon verabreicht, um die tödliche Atemdepression zu verhindern. Doch wenn man es in sehr NIEDRIGER Dosierung – ein Zehntel oder noch weniger der Dosis bei Opioidsucht – verwendet, kurbelt LDN das Immunsystem an.

Cowan gab mir in dem Interview interessante und größtenteils zuvor unbekannte Informationen über Opioide. Beispielsweise hat sich herausgestellt, dass Opioide sehr starke Immunsuppressiva sind und somit die Gesundheit tatsächlich zerstören können – wenn man sie einnimmt, kann es einem sogar schlechter gehen als zuvor.

Eine berühmte Studie unter europäischen Prostituierten zeigte, dass der größte Risikofaktor für HIV und AIDS nicht der Geschlechtsverkehr oder der Kontakt mit dem HI-Virus, sondern der Opioidkonsum war. Man glaubt, dass die Überstimulierung der Opioidrezeptoren, etwa durch Opioidmedikamente, zu ernsthaften Immunstörungen führt.

Laut Cowan ist das schon zu erkennen, sobald Patienten mit chronischen Schmerzen mit der Opiateinnahme beginnen: Ihre Gesundheit verschlechtert sich rapide, weil ihr Immunsystem beeinträchtigt wird. Neben der Suchtgefahr ist dies ein weiterer wichtiger Aspekt, den es vor der Einnahme narkotischer Schmerzmittel zu bedenken gilt.

Purdue Pharma wusste, dass OxyContin in den Händen von Kriminellen und Süchtigen landete

Die Los Angeles Times machte vor Kurzem ein vernichtende Enthüllung: Sie bewies, dass man bei Purdue Pharma darüber Bescheid wusste, dass ihr Medikament OxyContin von »pill mills« (illegalen Arztpraxen) und organisierten Drogenringen verkauft wurde,14 aber nichts dagegen unternahm. In dem Artikel heißt es:15
»Über 10 Jahre lang sammelte Purdue zahlreiche Hinweise auf einen illegalen Handel mit OxyContin, leitete diese jedoch in vielen Fällen nicht an die Behörden weiter und unternahm nichts, um den Umlauf der Pillen zu stoppen. Ein ehemaliger führender Purdue-Mitarbeiter, der den kriminellen Handel mit Pharmazeutika verfolgte, bestätigte, dass das Unternehmen, selbst wenn es Beweise für die Zusammenarbeit von Apotheken und Drogenhändlern hatte, die Lieferung an ebendiese Läden nicht einstellte.
Purdue wusste aus Verordnungsberichten, Apothekenbestellungen, Protokollen von Handelsvertretern und, in einigen Fällen, aus eigenen Kontrollmaßnahmen von zahlreichen verdächtigen Ärzten und Apothekern. Dies geht aus Gerichts- und Polizeiberichten hervor.«

Purdue behauptet, man habe »jederzeit dem Gesetz entsprochen«.16 Doch dem Bundesgesetz nach sind Pharmaunternehmen verpflichtet, verdächtige Medikamentenbestellungen der Drug Enforcement Administration (DEA, Drogenvollzugsbehörde) zu melden. Zudem müssen sie Bestellungen zurückweisen, falls sie den Verdacht haben, dass die Arzneimittel auf dem Schwarzmarkt gehandelt werden. Purdue tat weder das eine noch das andere.

Die Legalisierung von Opioiden durch den US-Senat sorgt damit für einen weiteren Boom der Pharmakonzerne

Es ist geradezu frustrierend, dass Maßnahmen der Regierung die »Bestie« Big Pharma auch noch »füttern«. Die Befürchtungen um die gestiegenen Suchtzahlen haben zwar zur Verabschiedung des »Comprehensive Addiction and Recovery Act« geführt, den der Senat im Mai genehmigt hat, doch das Gesetz geht nicht wirklich die Wurzel des Übels an.17,18

Statt Pharmakonzerne zu bestrafen, die durch irreführende oder lügende Marketingkampagnen die Abhängigkeit fördern, konzentriert sich das Gesetz auf die Behandlung der Suchtkranken und das Angebot von Medikamenten gegen die Abhängigkeit. So ist es beispielsweise Ärzten und medizinischem Personal nun gestattet, Buprenorphin zu verordnen, das bislang kaum erhältlich war.

Weil Buprenorphin19 zwar eine Art von Opioid ist, aber zum Teil auch ein Opioidantagonist, verursacht es weniger wahrscheinlich ein »High«-Gefühl und führt dadurch weniger wahrscheinlich zur Abhängigkeit. Und zugleich ist es ein Analgetikum.

Eine sichere und effektive Schmerzbehandlung ist ganz sicher nötig, aber man könnte argumentieren, dass die Ersetzung einer Suchtdroge durch eine andere keine wirkliche Lösung ist. Statt den Missbrauch und exzessiven Konsum narkotischer Analgetika einzudämmen, belohnt das Gesetz die Pharmakonzerne mit mehr Bestellungen weiterer – wenngleich anderer – Pillen!

Dieselbe Industrie, die das Suchtproblem geschaffen hat, wird nun für ihre Abgebrühtheit belohnt, weil der Plan der Regierung, die Suchtepidemie anzugehen, wiederum nur den Geldbeutel der Pharmakonzerne füllt. Pharmaunternehmen haben absichtlich Leute süchtig gemacht, und jetzt liefern sie wiederum Medikamente gegen diese Sucht – und bezahlen muss der Steuerzahler. Im US-Budget von 2017 sind über 1 Milliarde Dollar für die »2 Jahre laufende obligatorische Förderung der besseren Verfügbarkeit von Arzneimitteln bei Medikamentenabhängigkeit und Heroinkonsum« vorgesehen.20 Warum wird die Pharmaindustrie nicht wenigstens zum Teil für diese enorme finanzielle Belastung in die Pflicht genommen?

Stattdessen scheffeln sie mehr Geld als je zuvor. Ein Beispiel: Aufgrund der gestiegenen Nachfrage hat sich der Preis des Überdosis-Mittels Naloxon (Narcan) von 20 auf 40 Dollar pro Dosis verdoppelt.21 Und warum wird nicht mehr unternommen, um zuallererst den Missbrauch und zu hohen Konsum von narkotischen Analgetika zu verhindern – insbesondere nachdem eindeutig bewiesen ist, dass sie eine Einstiegsdroge zur Heroinsucht sind?

Der US-Bundesstaat West Virginia will Suboxone-Kliniken gesetzlich kontrollieren

In West Virginia hat Gouverneur Earl Ray Tomblin ein Gesetz angekündigt, das die staatliche Kontrolle von Suchtkliniken, die mit Suboxone (ein Kombinationspräparat von Buprenorphin mit Naloxon) arbeiten, vorsieht. Naloxon gilt als »Abschreckungsmittel gegen Missbrauch«, da es schmerzhaftere Entzugserscheinungen verursacht.

Nach dem Tomblin-Gesetz wären Suboxone-Kliniken verpflichtet, eine Beratung anzubieten und bei allen Patienten Drogentests durchzuführen, um sicherzugehen, dass das Medikament richtig eingesetzt wird. Obwohl es als Anti-Sucht-Mittel verwendet wird, kann und wird Suboxone sowie reines Buprenorphin (unter dem Markennamen Subutex) missbräuchlich konsumiert. Die Charleston Gazette-Mail berichtet:22
»Der Gesetzentwurf (SB 454) hat den Zweck, gegen Suboxone-Kliniken vorzugehen, die Drogen gegen Bargeld herausgeben. Kliniken sind demnach verpflichtet, zunächst mit der Krankenversicherung eines Patienten abzurechnen, ehe sie diesem selbst eine Rechnung stellen. So können Kliniken keine Kunden mehr bedienen, die ihre Arzneimittel missbrauchen oder verkaufen wollen.«

Das klingt schön und gut, es wirft aber eine Frage auf. Suboxone ist das einzige Buprenorphin-Medikament auf West Virginias Liste der von den Versicherungen »bevorzugten« Arzneimittel – das regelt ein Vertrag mit dem Suboxone-Hersteller Reckitt Benckiser. Ähnliche Medikamente wie Zubsolv und Bunavail sind in niedriger Dosierung erhältlich, wodurch das Missbrauchsrisiko geringer wäre – aber sie dürfen Kunden der West Virginia Medicaid erst dann verschrieben werden, wenn die Behandlung mit Suboxone fehlschlägt.

Warum hat West Virginia einen derartigen Monopol-Vertrag mit Reckitt Benckiser? Im Dezember 2013 wurden die Büros der Firma in Richmond (Virginia) von Beamten des Internal Revenue Service (IRS) und des Office of Inspector General (OIG) durchsucht. Laut einem Bericht aus dieser Zeit23 kam der Durchsuchungsbefehl vom Büro des Staatsanwalts des Distrikts Western Virginia.

Reckitt Benckiser steht zudem durch Prozesse wegen Verstößen gegen das Kartellrecht24,25 in der Kritik: Pharmagroßhändler und Versicherungsunternehmen hatten behauptet, dass »Reckitt Pläne schmiedet, um einen gesunden Wettbewerb zu verhindern«. Außerdem ermittelt die Federal Trade Commission (FTC) gegen das Unternehmen.26,27 Wieder zeigt sich: Während eine Behandlung von Suchtkranken durchaus nötig ist, werden erneut die Wirtschaftskriminellen aus der Pharmaindustrie durch diese Art der Gesetzgebung belohnt, und die Regierung schafft auch noch ein Monopol für die Suchtbehandlung mit einer weiteren abhängig machenden Droge.28

Drogenabhängigkeit – eine absichtlich geschaffene »Krankheit«

Immer mehr Politiker betrachten und diskutieren inzwischen Opioidsucht als Krankheit,29 aber keiner spricht den Haken an der Sache bzw. das Grundproblem an: dass nämlich diese »Krankheit« absichtlich von der Pharmaindustrie der Regierung geschaffen wurde. Und dass sie mit den Medikamenten gegen diese Abhängigkeit noch mehr Geld verdienen können.

Inzwischen gilt preiswertes medizinisches Marihuana als »Schedule-I«-Rauschmittel und steht damit auf einer Stufe mit Heroin, LSD und Ecstasy. Das widerspricht dem gesunden Menschenverstand und jedweder Logik. Schedule-I-Rauschgifte haben ein »hohes Missbrauchspotenzial« und »keinerlei anerkannten medizinischen Nutzen«.

Es gibt jedoch unzählige Beweise dafür, dass Marihuana sehr wohl von medizinischem Wert ist. So wirkt es offenbar bei chronischen Schmerzen. Eine neue Studie bewies, dass die Schmerzen von Patienten, die mit Cannabis behandelt wurden, um mindestens 30 Prozent geringer wurden als bei Probanden, denen ein Placebo verabreicht wurde.30

In einer anderen Studie konnte nachgewiesen werden, dass die Marihuanatherapie zu »dramatischen physischen und psychischen Besserungen« bei zu Hause gepflegten Patienten führte und zugleich den Bedarf an anderen Medikamenten reduzierte.31

Medizinisches Marihuana senkt den Medikamentenkonsum und -missbrauch

Wieder eine andere Studie fand heraus, dass medizinisches Marihuana den Konsum anderer Medikamente reduziert. Wurde es vielleicht deshalb neu eingestuft? Es gibt einfach keine anderen überzeugenden Gründe, warum süchtig machende Narkotika wie OxyContin legal sind, während Marihuana – das selbst in sehr hohen Mengen wohl niemanden umbringen kann – illegal ist. In dem Video spricht Dr. W. David Bradford, dessen Studie im Juli im Fachjournal Health Affairs erschien.32 Die Washington Post schrieb darüber:33
»Forscher der University of Georgia durchsuchten den Datenbestand über alle verschreibungspflichtigen Medikamente, die von der staatlichen Krankenversicherung Medicare Part D zwischen 2010 und 2013 bezahlt wurden. Sie fanden heraus, dass in den 17 Bundesstaaten, in denen 2013 ein Gesetz über medizinisches Marihuana erlassen wurde, danach die Verordnungen von Schmerzmitteln und anderen Medikamenten stark abnahmen – verglichen mit den Bundesstaaten ohne entsprechende Gesetze.
Dieser Rückgang war signifikant: In Bundesstaaten mit Marihuana-Gesetz verschrieb ein Arzt durchschnittlich 265 weniger Antidepressiva-Dosen im Jahr, 486 weniger Arzneimitteldosen gegen Krampfanfälle, 541 weniger Medikamentendosen gegen Übelkeit und 562 weniger Dosen von Mitteln gegen Ängste. Der deutlichste Rückgang war jedoch bei Schmerzmitteln zu verzeichnen: 1826 weniger Dosen im Jahr.«

Laut Bradford könnte Medicare Jahr für Jahr 468 Millionen Dollar sparen, wenn Marihuana in allen US-Bundesstaaten legalisiert würde.34,35 2013 konnten in den 17 Staaten mit Marihuana-Gesetz bereits 165 Millionen eingespart werden. Ein Diskussionspapier des National Bureau of Economic Research (NBER) von 2015 kommt zu einem ähnlichen Ergebnis:36

»Wenn Marihuana in den Bundesstaaten mit einem entsprechenden Gesetz als Ersatz für starke und suchterzeugende Schmerzmittel eingesetzt wird, könnte ein möglicher, bislang vernachlässigter positiver Effekt medizinischen Marihuanas in der Reduktion von Schäden durch Opioid-Schmerzmittel sein, die viel eher süchtig machen und potenziell tödlich sind.«

Das NBER stellte nicht nur fest, dass die Verfügbarkeit von staatlich kontrolliertem medizinischem Marihuana zu deutlich weniger Todesfällen durch Medikamenten-Überdosis führt, sondern auch zu 15 bis 35 Prozent weniger Missbrauchsfällen. Marihuana – das keinesfalls die tödliche Droge ist, als die es häufig beschrieben wird – könnte also tatsächlich Tausende von Menschenleben RETTEN, die ansonsten von Schmerzmittelabhängigkeit und ihren fatalen Folgen zerstört würden.

Es ist ein rechtes Zerrbild, dass der US-Senat sich weigert, seinen Opioidbericht zu veröffentlichen,37 und gleichzeitig mehr als bereitwillig das Geld der Steuerzahler den Pharmakonzernen hinterherzuwerfen – sowohl für suchterzeugende Analgetika ALS AUCH für Medikamente gegen diese Sucht.

Sind Sie oder ein Angehöriger von Schmerzmitteln abhängig?

Das Marketing für Opioide verspricht häufig, das Medikament mache »nur in sehr seltenen Fällen« abhängig. Die Symptome nach dem Absetzen der Arznei werden als »harmlos« beschrieben und seien kein Zeichen für Abhängigkeit. Das stimmt einfach nicht. Laut Kolodny »ist es nicht wahr, dass Patienten diese Medikamente leicht absetzen können«. Panik ist eine der psychologischen Nebenwirkungen beim Absetzen dieser Arzneimittel, und sie kann leicht zu einer psychischen wie physischen Abhängigkeit führen.

Es ist wichtig, die Zeichen für eine Abhängigkeit zu erkennen und nach Hilfe zu suchen. Wenn Sie länger als 2 Monate ein Opioid einnehmen oder es immer häufiger oder immer mehr davon brauchen, sind sie wahrscheinlich schon davon abhängig und sollten sich Hilfe holen – aber nicht beim Arzt, der Ihnen das Medikament verordnet hat.

Angesichts der gesundheitlichen Risiken, die mit Opioid-Schmerzmitteln einhergehen, rate ich Ihnen dringend, zuerst andere Optionen auszuprobieren. Eine lange Liste alternativer Schmerzmittel biete ich in meinem Artikel »Starb Prince an Schmerzmittelabhängigkeit?«.
 
Verweise
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