Samstag, 16. Juli 2016

Krisentreffen in Moskau, Militärputsch in der Türkei, Massenproteste und Terror in Frankreich, Kreuzzüge in der Ukraine: Wird die Welt gerade neu aufgeteilt?


 (von Niki Vogt) Gestern war Außenminister Kerry zusammen mit Fuck-the-EU-Victoria Nuland in Moskau. Man wolle sich über die Lage in Syrien unterhalten und gemeinsam an einer Lösung arbeiten. Das Treffen sei „sehr spontan“ und nicht geplant erfolgt sein, und es heißt, Putin habe alle Termine für die nächsten Tage abgesagt. Es sieht alles danach aus, als habe man sich in Moskau getroffen, um Dringendes und Weltpolitisches zu regeln. Wahrscheinlich war beiden Seiten der anstehende Militärputsch in der Türkei bekannt.


Es gibt einen Videozusammenschnitt hierzu, der ein Augenöffner ist.

Am Anfang: Entspannt begrüßte Präsident Putin die beiden Gäste. Kerry schaut eher verbittert und sehr angespannt aus seinem Kragen heraus und läßt die Pressefotos genervt über sich ergehen. Die Pressebilder zeigen Kerry und Nuland, wie sie anschließend Putin und dem russischen Außenminister Lawrow gegenübersitzen. Beide haben die Körperhaltung von getadelten Schülern, die vor dem Direktor sitzen und sich was anhören müssen. Besonders die gesamte Haltung und das Gesicht von Frau Nuland signalisieren, daß sie sich ungeheuer unwohl fühlt. Lawrow zeigt verhalten-eisige Verachtung, Putin gibt den Sachlichen, der sich anhört, was die beiden ihm gegenüber anzubieten haben.
Das sieht nach einer Art Notfallsitzung aus, bei der die Amerikaner sehr nervös wirken.


Schnitt bei Minute 01:15.
Eine Pressesprecherin der Regierung steht den Journalisten Rede und Antwort zu dem Treffen in Moskau. Beobachtet man, wie sie reagiert, stottert, um Formulierungen ringt und ausweicht, erhält man den Eindruck, daß sie nicht wirklich weiß, was da in Moskau vor sich geht, und/oder daß das Weiße Haus keine Informationen herausgeben kann.

Ein Journalist konfrontiert sachlich und unbarmherzig die Pressesprecherin mit Widersprüchen und den Folgen der US-Politik in Syrien. Es ist einfach ein „must see“, wie der Mann vollkommen ruhig die Politik der USA und die Pressesprecherin auseinandernimmt.

Er sagt, daß seit etwa 18 Monaten sei zu beobachten sei, daß die US-amerikanische Politik bezgl. Syrien langsam, aber sicher auf die Russische Linie einschwenke. Die russische Politik sei dabei seit Ausbruch des Konfliktes stets konsistent geblieben. Hätte man nicht viele Leben retten können, wenn die US-Politik weit früher auf die russische Linie eingeschwenkt wäre?

Minute 02:18: Die Pressesprecherin stottert ein bißchen herum und behauptet, daß die Position der US-Regierung konsistent geblieben sei. Dann folgt inhaltsleeres Gerede, was zum Teil schlicht nicht stimmt. Man habe imme darauf gewartet, daß Rußland sich dem Kampf gegen ISIS anschließt, es habe Raum für Diskussionen geben müssen, ISIS sei eine Bedrohung nicht nur für Syrien sondern auch für die Amerikanische Nation … und was das Timing anbetreffe, so könne sie dem, was in Moskau MÖGLICHERWEISE GERADE GESCHIEHT nicht vorgreifen. Eine sehr kryptische Formulierung. Weiß das Weiße Haus nicht, was gerade in Moskau besprochen wird? Oder geht es in Moskau um so große Dinge, daß man keine Ahnung hat, was am Ende herauskommt?

Minute 03:07: Der Journalist läßt sich von dem Geschwurbel nicht beirren und bohrt weiter. „Sie sagen, Ihre Position war konsistent, aber das war sie nicht.“, stellt er klipp und klar fest. „Zuerst hieß es, Assad muß gehn und er muß sofort gehn. Dann hieß es, najaaaa, er kann noch ein Weilchen weitermachen, aber er muß trotzdem gehn. Aber es hängt vom syrischen Volk ab, ob er …“ – jetzt fällt ihm die Pressesprecherin ins Wort:
„Es hängt immer vom Syrischen Volk ab, so … also …“
„Ihre Position hat sich definitv geändert, was den Zeitpunkt betrifft, wann Assad zu gehen hat. Und jetzt wechselt sie dahingehend, daß Sie bereit sind, gemeinsame Operationen mit den Russen zu akzeptieren – etwas, das sie (die Russen) weit über zwei Monaten zuvor schon vorgeschlagen haben. […] das ist vielleicht jetzt noch nicht vereinbart, aber Sie sind jetzt offen für Dinge, für die Sie vor einigen Monaten noch nicht offen waren … an der militärischen Front. Ich verstehe nicht, was falsch daran ist, wenn Kritiker Ihrer Politik klarstellen, daß, wenn Vereinbarungen zu einem Waffenstillstand zu Gesprächen über den Übergang führen können – warum haben Sie das dann nicht früher getan? … Ich meine, Tausende Menschen sind in der Zwischenzeit gestorben.“
„Dies ist uns absolut bewußt. Wissen Sie, wir waren konsistent, wir haben nicht nur gefordert, die andauernden Feindseligkeiten einzustellen … sondern auch Rußland gedrängt, seinen Einfluß auf Assad auszuüben, um das möglich zu machen.“

So geht es noch eine Weile hin und her. Schließlich konfrontiert er die Dame (Minute 05:35) mit der Aussage, man habe mit der Politik in Syrien Rußland zu einer Entscheidung zwingen wollen, das sei alles ein Test für die Russen, und der Test habe angedauert und angedauert: „und es war allen klar, offenbar außer Euch Typen, daß die Russen ihre Wahl getroffen haben, und daß es sinnlos ist, sie immer weiter zu testen, wenn es doch klar ist, daß sie sich nicht beirren lassen.“
Die Dame antwortet darauf erneut mit vollkommen sinnlosen Ausführungen über Rußlands Einfluß auf das (syrische) Regime. Noch einmal betont sie unsinnigerweise, daß die amerikanische Position immer dieselbe geblieben sei.
Offenbar war die Pressesprecherin überhaupt nicht konzentriert, grottenschlecht vorbereitet, hatte kein Briefing und keine Sprachregelung erhalten und versucht nun, sich irgendwie durch diesen Pressetermin zu retten. Es sieht ganz so aus, als sei diese nächtliche Pressekonferenz überstürzt einberufen worden, weil irgendwer dastehen muß und die Fassade wahren. Der Eindruck verfestigt sich noch.

Minute 06:15 – und hier wird es interessant:
Eine Journalistin fragt: „Nur um das klarzustellen: Kommt der Vorschlag (mit Rußland militärisch gemeinsam gegen den IS vorzugehen) vom Außenminister (Kerry), oder ist es ein ressortübergreifender Vorschlag?“
Antwort: „Also, nochmal, ich werde keinen Kommentar zu einzelnen Vorschlägen abgeben …“
Journalistin: „Können Sie sagen, daß diese Reise (von Kerry und Nuland) voll vom Weißen Haus und Präsident Obama gedeckt ist?“
Antwort. „Ich … ääähm … wissen Sie, ich werde das nicht im Namen des Weißen Hauses definieren/klassifizieren, aber ich würde sagen, der Außenminister wird … äääähm … wird vorlegen … ähm … und Diskussionen führen … in Moskau … ääähm … die … – … die Ansichten der Regierung aufzeigen.“

Die Journalistin insistiert. Normalerweise habe doch der Außenminister, wenn er mit solchen Vorschlägen loszieht, die Rückendeckung des Weißen Hauses. Das habe das Weiße Haus aber nicht so gesagt. Und wieder ausweichende Antworten, man wolle nicht vorgreifen, es gebe in der heutigen Nacht Diskussionen, am nächsten Tag auch, und man müsse abwarten, was dabei herumkommt.

Mit anderen Worten:
Entweder das Weiße Haus steht nicht hinter dieser Reise und weiß nicht, was zum Teufel Kerry und Nuland da in Moskau treiben.
Sehr unwahrscheinlich.
Oder es steht derartig viel auf dem Spiel, daß der Außenminister und Nuland mit „Carte Blanche“ Hals über Kopf nach Moskau gestürzt sind um zu retten, was zu retten ist, und die USA müssen froh sein, wenn überhaupt eine wie-auch-immer-Einigung zustande kommt. Da will man sich nicht blamieren und irgendetwas verlautbaren, was man nachher wieder einsammeln muß.

Minute 07:47 Schnitt: Im Weißen Haus, der Sprecher des Weißen Hauses begrüßt fröhlich die Anwesenden, stellt fest, es gebe keine besonderen Mitteilungen, die er von seiner Seite aus machen wolle und bittet direkt zu den Fragen überzugehen.
Der Außenminister ist zu einer Krisensizung nach Moskau geflogen und es gibt keine besonderen Mitteilungen?

Natürlich kommt sofort die Frage, Die USA biete den Russen ja jetzt einen militärischen Deal an, zusammen gegen den IS und Al Qaeda vorzugehen. Ob der Sprecher des Weißen Hauses dazu etwas sagen könne.
Antwort: Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führten die USA keine militöärischen Operationen zusammen mit Rußland durch und koordinierten auch keine. Es gebe Spekulationen darüber, aber es sei nicht klar, ob das auch passiere … und da müsse noch dies und das geschehen, um eine politische Übereinkunft zu erreichen. Man habe immer einen militärischen Beitrag von Rußland willkommen geheißen, solange der sich auf ISIL und Al Qaedas Anwesenheit in Syrien fokussiert. Unglücklicherweise habe man gesehen, daß Rußland zuviel Aufmerksamkeit darauf gerichtet habe, ihre Militärmacht zur Stützung des Assad-Regimes einzusetzen. Man finde sich jetzt in der Situation, daß Rußland an einer Kreuzung stehe. Rußland müsse sich nun entscheiden, ob es die Aktionen unternehmen wird, die sich die USA von ihnen erhoffen. und die Konsequenzen für Rußland seien ziemlich schwerwiegend.

Während der Sprecher das sagt, pausiert er immer wieder, schaut nach unten, als lausche er. Es sieht absolut danach aus, daß ihm per Ohrhörer vorgesagt wird, was er zu verkünden hat.

Auch hier: Da ist offensichtlich nichts vorher abgesprochen, das ist ebenfalls ein eiligst einberufener, unvorbereiteter Pressetermin.

Da ist was ganz Großes im Busch!

Aspekt 1) Es geht um die Aufteilung des nahen Ostens und der gerade stattfindende türkische Militärputsch ist der Anfang. Hat sich Erdogan gegen den Willen der USA wieder mit Putin vertragen? Sollte er einen Krieg gegen Putin anzetteln und war dann doch nicht so dumm? Aber würde Kerry das überhaupt mit Putin diskutieren? Oder hat Putin diesen Putsch angezettelt, um den wankelmütigen Wadenbeißer da wegzuhaben und Ruhe an der syrischen Front? Und was bedeutet dieser Putsch für die Pläne der NATO?

Aspekt 2) Beide, USA und Rußland, wußten todsicher von den türkischen Putschplänen/haben vielleicht ihre Finger drin und wollen über die zukünftige Geopolitik in dem Raum beraten. Wird der Nahe Osten neu aufgeteilt?

Aspekt 3) Ein Militärregime in der Türkei legt alle EU-Beitritts- und Verhandlungspläne auf Eis. In der Türkei (NATO-Mitglied) ist der Kriegszustand ausgerufen worden. Das türkische Militär steht in der Tradition Atatürks und hält nichts von islamistischen Extremisten und Terroristen. Es ist wahrscheinlich, daß die Militärregierung der Türkei sich nach Rußland orientieren wird. Rußland wird im Gegenzug alle Sanktionen aussetzen. Ohne Rußland hat die Türkei schlechte Karten. Die Sanktionen des Westens gegen Rußland waren sehr schädlich für die Türkei. Außerdem ist in der Türkei sehr wohl bekannt, daß Erdogan und seine Familie den IS und diverse andere radikal-islamistische Kampftruppen finanziert und unterstützt hat – in Absprache mit den USA. Weiterhin haben die Türken auch Schwierigkeiten mit dem immensen Zustrom an Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak und von der US-Politik in der Region die Nase ziemlich voll. Die Eiszeit zwischen Rußland und der Türkei führte auch zum Ausbleiben der russischen Touristen, und die Europäer blieben schon wegen der Terroranschläge aus. Die Türkei braucht aber die Touristen und hat viel in diesen Geschäftszweig investiert.

Aspekt 4) In der NATO zeigen sich erste Friktionen: Griechenland hat die Armee in erhöhte Alarmbereitschaft gesetzt. Wem nützen Spannungen innerhalb der NATO?

Aspekt 5) Wir erinnern uns: Ende April gab es eine Zusammenkunft der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche, der Russisch-Orthodoxen Kirche und Putin. Bis dahin war Feinschaft zwischen den beiden Kirchen. Die Ukrainisch-Orthodoxe ist eine Neuerfindung der Kiewer Putschregierung auf Geheiß der Amerikaner. Denn bis dahin gab es NUR die Russisch-Orthodoxe Kirche in der Ukraine, die loyal zu Rußland war. Das war nicht im Sine des „Westens“, denn die Ukrainer sind fromm und die Kirche mächtig. Seit der Zusammenkunft mit Putin vertragen sich die beiden Kirchen aber wunderbarerweise wieder.
Betrachtet man jetzt die drei gemeinsamen Kreuzzüge auf Kiew zu, muß man feststellen, daß eine Anzahl von ca 250.000 Menschen zu verköstigen, für alle Zelte hinzustellen, Waschgelegenheiten, Wasser, Nahrung, Getränke, Decken, Sanitäter, Heizmöglichkeiten usw. mit langem Vorlauf finanziert und organisiert werden muß. Das ist eine Herkulesaufgabe, die einen großen Organisationsstab erfordert. Der Auszug des Pilgerzuges aus dem Heiligen Himmelfahrtskloster in Potschajiw wurde hochprofessionell aus einem Kamerahubschrauber gefilmt. Solche Aufnahmen in solchen Spezialhelikoptern sind weder billig noch einfach mal eben zu organisieren.
Wer ist willens und in der Lage, das zu leisten?
Und wer hat lebhaftes Interesse daran?
Sollte es den drei Kreuzzügen gelingen mit 300.000 bis 500.000 Pilgern in Kiew einzuziehen und kommt da noch eine Million Kiewer dazu, dann kann die Regierung nur noch schleunigst fliehen und Amerika hat in der Ukraine fertig. Das Volk wird mit den Freiwilligenbataillonen und den westlichen Vasallen aufräumen.
Schachmatt für die EU und die USA.
Man muß kein Raketenwissenschaftler sein um zu begreifen, daß der alte Fuchs Putin die Amerikaner in der Ukraine gerade schachmatt setzt.

Wenn meine Einschätzung so stimmt, kann ich gut nachvollziehen, warum Kerry hektisch nach Moskau geflogen ist und dort mit Carte Blanche verhandelt und das weiße Haus sich mit Erklärungen schwertut.

1 Kommentar:

Ernstjoachim Müller hat gesagt…

Wenn das was du unter Aspekt 5 schreibst sich erfüllt
und das ukrainische Volk die Faschisten überwältigt und rausschmeißt ist das ein grosser SIEG für dieses noch Freiheit suchende und vom Westen gequälte Land
Und nicht nur ein SIEG für die Ukraine
Auch ein SIEG für alle die die Freiheit die persönliche Freiheit wollen
Gott schütze und segne dieses nach Freiheit sterbende und in Freiheit lebende Volk