Mittwoch, 6. Juli 2016

Die Aufdeckung von Lügen der Pharmaindustrie

SKANDAL: Die Pharmaindustrie muss wegen Lügen über Krebsmedikamente und wegen Korruption 70 Millionen Dollar Strafe zahlen




In einem Fall, der das Ausmaß der Korruption, Abgebrühtheit und Habgier der Big-Pharma-Krebsindustrie deutlich illustriert, wurden zwei Pharmakonzerne zur Zahlung von fast 70 Millionen US-Dollar verurteilt. Damit soll ein föderaler Rechtsstreit beigelegt werden, in dem die Unternehmen beschuldigt wurden, über die Wirksamkeit eines Krebsmittels zu lügen.

 Die beiden Konzerne, Genentech und OSI Pharmaceuticals, stimmten zu, 67 Millionen Dollar zu zahlen, um weitere Prozesse über ihre irreführende Werbung für Tarceva – ein Medikament gegen das nicht-kleinzellige Bronchialkarzinom – zu vermeiden. Zitat aus der Los Angeles Times:
»In der Anklageschrift hieß es, dass Genentech und sein Marketingpartner OSI Pharmaceuticals von 2006 bis 2011 behaupteten, mit Tarceva könnten alle Patienten mit nicht-kleinzelligem Bronchialkarzinom behandelt werden, obwohl Studien erwiesen hatten, dass es nur bei jenen half, die nie geraucht oder eine bestimmte Genmutation namens EGFR hatten. Dieser Epidermal-Growth-Factor-Rezeptor ist ein Protein in der Zellmembran des Körpers.«
Brian Shields, ein ehemaliger Genentech-Mitarbeiter, strengte 2011 den Prozess als Whistleblower an, nachdem seine Arbeitgeber sich geweigert hatten, seine Bedenken hinsichtlich der Vermarktung des unwirksamen Medikaments anzuerkennen. Shields sagte, seine Vorgesetzten hätten auf die Äußerung seiner Bedenken mit Vergeltungen und dem Vorwurf, er sei »kein Teamplayer«, reagiert.

Lügen und Schmiergelder

Einzelheiten des Verfahrens enthüllen die skrupellosen und rechtswidrigen Marketingtechniken der Pharmakonzerne, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon zum vorzeitigen Tod von Patienten geführt haben, die mit der unwirksamen Arznei behandelt wurden.
»Die Klage besagt, dass die Unternehmen ihren Handelsvertretern Werbematerial mitgaben, das Ärzte davon abbrachte, ihre Patienten auf EGFR zu testen.
Die Konzerne warben zudem für Tarceva, indem sie Ärzten rechtswidrige Bestechungsgelder zahlten, die als Honorare für Vorträge oder Tätigkeiten in Genentechs Beratergremium getarnt wurden.
Überall im Land wurden laut der Klageschrift Vertreter ›angewiesen, die Ärzte großzügig zu bezahlen‹, und ›ihr Budget für fürstliche Einladungen war nicht limitiert‹.
Genentech organisierte auch Mittag- und Abendessen für Lungenkrebspatienten, bei denen bezahlte ›Patientenbotschafter‹ darüber sprachen, wie Tarceva in Fällen angewandt werden könnte, für die es von den Regulierungsbehörden gar nicht zugelassen war.«

»Hier geht es um Menschenleben«

Gemäß dem False Claims Act erhält die US-Bundesregierung aus dem Vergleich 62,6 Millionen Dollar, State-Medicaid-Programme bekommen 4,4 Millionen, und Shields teilt sich mit seinen Anwälten die zehn Millionen Schadensersatzzahlung. »Hier geht es um Menschenleben«, sagte der Whistleblower Shields, der früher bei der Army Hubschrauberpilot war. »Hoffentlich wirkt dies nachhaltig und verbessert die Krebsbehandlung.«

Aus einer Stellungnahme des Justizministeriums:
»Pharmazeutische Unternehmen haben die Verantwortung, den Patienten und Ärzten über ihre Medikamente richtige Informationen zu liefern. Das Justizministerium wird diese Unternehmen, die die Öffentlichkeit über die Wirksamkeit der Produkte in die Irre führen, zur Rechenschaft ziehen.«
Unglücklicherweise hat das Ignorieren dieser »Verantwortung« gegenüber Patienten und Medizinindustrie bei Pharmakonzernen Tradition – es gab schon zahlreiche Anklagen gegen Arzneimittelhersteller wegen betrügerischen Marketings, gefälschter Studien und Korruption.

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