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Samstag, 14. Mai 2016

Geheimgesellschaft Skull and Bones: Werden nun Top-Secret-Dokumente enthüllt?

Andreas von Rétyi

Unzweifelhaft gehört sie zu den ganz besonders verschwiegenen und sagenumwobenen Organisationen des amerikanischen Establishments – die elitäre Gesellschaft von Skull & Bones. Jetzt allerdings versuchen Aktivisten, geheime Dokumente über den »Orden« ans Licht zu bringen.
Eine Gruppe von Aktivisten will endlich mehr über Skull & Bones erfahren. Sie haben deshalb eine offizielle Anfrage unter dem US-Gesetz zur Informationsfreiheit initiiert, dem Freedom of Information Act (FOIA). Ziel ist vor allem die George-W.-Bush-Präsidentenbibliothek in Dallas.



Hier lagern zahlreiche Schriftstücke, die auch mit Skull & Bones in Verbindung stehen. Die Aufzeichnungen des Weißen Hauses werden von den National Archives verwaltet, die ihrerseits eine entsprechende Anfrage bestätigen, aber nicht preisgeben, wer die Aktion gestartet hat.

Aus anderen Quellen geht allerdings ein Name hervor: Robert Gaylon Ross Sr. Dieser US-Autor ist vor allem für seine Arbeit Who's Who in the Elite bekannt, ein immer wieder aktualisiertes Kompendium, das zahlreiche Persönlichkeiten der Machteliten mit den verschiedensten Gruppen und Organisationen in Verbindung bringt.

Hier finden sich Listen zu Bilderbergern, dem Council on Foreign Relations, den Mitgliedern der Trilateralen Kommission sowie von Skull & Bones. Mehrfachmitgliedschaften fallen natürlich besonders auf. Robert Gaylon Ross hat bereits mehrere Bücher über die Machteliten veröffentlicht. Da liegt es nahe, dass er nun versucht, endlich auch mehr über Skull & Bones in Erfahrung zu bringen.

Dieser Geheimbund wurde im Jahr 1832 vom Opiummagnaten William Huntington Russell gegründet, dem sich bald auch Alfonso Taft als Gründungsmitglied anschloss, der Vater desspäteren US-Präsidenten William Howard Taft.

Offiziell seit 1856 als The Russell Trust registriert, bildet Skull & Bones die älteste Geheimgesellschaft von Yale. Für die einen lediglich ein spukiges Treff der letzten Yale-Jahrgänge, für die anderen ein gefährlicher Geheimbund.

Tatsache ist: Aufgenommen werden nur direkt von den Patriarchen des Bundes ausgewählte Studenten, die als Neophyten eine bizarre und entsprechend prägende Einweihung erleben, um ihr bisheriges Leben abzustreifen und in die Elite aufzusteigen. Oberstes Gebot: Loyalität, was auch absolute Verschwiegenheit bedeutet.

Aus diesen Reihen heraus werden hochrangige Stellen besetzt. Mitglieder des »Ordens« von Skull & Bones besetzen eindeutig die Elite des Landes, und zwar ohne größere Rücksicht auf die zuvor im Studium erbrachten Leistungen. Wesentlich ist die Herkunft aus dem alten Ostküsten-Establishment oder jüngeren, aber superreichen Aufsteigerfamilien.

So gehen aus deren Reihen Senatoren, Wirtschaftsbosse, CIA-Leute, Präsidentenberater oder sogar US-Präsidenten hervor. Berühmt ist das Bush-Trio Prescott Sheldon Bush (1917), George Herbert Walker Bush (1948) und George Walker Bush (1968) – in Klammern jeweils das Jahr der Aufnahme als »Bonesman«. US-Außenminister John Kerry (1966) natürlich nicht zu vergessen ...

Schon bald wollten die Nicht-Mitglieder unter den Yale-Studenten wissen, was hinter den Mauern des Schweigens wirklich geschieht. Der unheimliche Treffpunkt der »Knochenleute«, die seit den1990er-Jahren trotz einiger Opposition in den eigenen Reihen auch Frauen in ihre Runde aufnehmen, findet sich direkt auf dem Yale-Campus, in der 64 High Street.

Dort errichtete der Russell Trust ein beinahe fensterloses Gebäude. Es wurde als »The Tomb« berühmt. Sein Äußeres gleicht tatsächlich einer Grabstätte, was natürlich blanke Absicht ist.

Das rund 50 Jahre später noch wesentlich ausgebaute Tomb birgt haufenweise makabre Devotionalien – Totenschädel, Skelette und Mumien sowie verschiedenste Elemente der Todessymbolik, die hier omnipräsent ist. Schließlich ist das Individuum vergänglich, der Orden aber, dem es sich im Zuge des Einweihungsrituals verschreibt, gilt als beständig wie der Fels in der Brandung.


Am 29. September 1879 unternahm eine neugierige kleine Studentengruppe ein ganz besonderes Wagnis und bereitete einen Einbruch in das Tomb vor. Der Coup gelang, die Eindringlinge schlichen sich durch das düstere Gebäude, um natürlich vor allem geheime Informationen zu suchen und die Absichten der Bonesmen zu enthüllen. Doch das gelang ihnen trotz aller Mühen nicht. SchriftlicheAufzeichnungen ließen sich nicht finden, zumindest drang nie etwas darüber an die Öffentlichkeit.

Gut hundert Jahre später wurden dem britisch-amerikanischen Ökonomen Antony Sutton etliche Dokumente zugespielt, der seine daraufhin gestarteten intensiven Nachforschungen allerdings mit einem gewaltigen Karriereknick bezahlen musste.

Mittlerweile liegen zwar etliche bemerkenswerte Informationen über Skull & Bones vor, doch bleiben weit größere Lücken offen. Diese Lücken will nun offenbar die FOIA-Anfrage füllen – oder sie zumindest etwas verkleinern.

Tatsächlich sieht es derzeit so aus, dass im Juli 2016 mehr als 1000 Seiten an Briefen, Memos, Redeentwürfen und zahlreichen anderen Unterlagen freigegeben werden, sofern nicht Ex-Präsident Bush oder auch Barack Obama noch ein Veto einlegen und den kompletten Vorgang stoppen. Das zumindest sagen die National Archives zur Sache.

Die Inhalte der fraglichen Papiere dürften vielfach relativ harmlos ausfallen. Nach Angabe des Archivs geht es dabei unter anderem um Briefe, wie sie Organisationen und Einzelpersonen, sogarauch Kinder, an den Präsidenten sowie an Persönlichkeiten aus seinem politischen oder persönlichen Umfeld geschrieben haben.

Unterschiedlichste allgemeine Korrespondenz also, auch Routine-Memos und anderes Material. Die Frage bleibt dabei letztlich, wie weit hier echte Geheimnisse von Skull & Bones zu erwarten sind.

Man darf diesbezüglich wohl sehr skeptisch sein. Wahre Geheimnisse werden ohnehin nie in Umlauf gebracht, auch der FOIA kennt hier klare und sehr eng bemessene Grenzen. Die Begründung einer Geheimhaltung im hohen Interesse der nationalen Sicherheit gehört natürlich zum absoluten Standard. Und die Philosophie, wie auch die Zielsetzungen von Skull & Bones, werden wohl kaum je in schriftlicher Form zirkulieren. Doch die Aktion dürfte Skull & Bones auf jeden Fall wieder ein wenig ins Rampenlicht rücken. Das kann so schlecht nicht sein.

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