Samstag, 16. April 2016

Willy Wimmers Botschaft in St. Petersburg: Russische Werte und Putins Übersetzung

Redaktion

Ein Video mit dem CDU-Mann Willy Wimmer schlägt im Internet ziemliche Wellen. Es wurde am Wochenende mehrere zehntausend Mal aufgerufen. »Wer ist denn der berühmte Deutsche, der Putin als Dolmetscher beschäftigt?«, wird immer wieder gefragt. Der Russia Insider machte daraus sogar eine Schlagzeile. Der »berühmte« Deutsche und Kopp-Autor Wimmer war von 1985 bis 1992 verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU und Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Er weilte vorige Woche als Gast bei einem Medienforum in St. Petersburg, an dessen Rande Wladimir Putin in einem »Townhall Meeting« Fragen von Bürgern und Experten entgegennahm.

Ein lokaler Journalist hatte laut RT.com ein Statement von Wimmer am Vortag falsch verstanden. Wimmer stellte das inmitten der russischen Gäste klar und erklärte der Runde um Putin, Russland stehe von außen betrachtet für die Werte der Nation, der Familie und des Glaubens.



Putin lauschte aufmerksam und übersetzte Wimmers Ausführungen spontan,obwohl der Deutsche einen erfahrenen Dolmetscher zur Seite hatte. Putin und Wimmer kennen sich spätestens seit einem anderen St.-Petersburg-Forum, in dessen Verlauf Wimmer an Putins Tisch sitzen durfte.

Der russische Präsident war in den 1980er-Jahren als KGB-Mann in Dresden stationiert und verfeinerte bei dieser Gelegenheit sein Deutsch, das er schon als Student gelernt hatte.

Zwei Wochen nach den Terroranschlägen von New York im September 2001 hielt der russische Präsident, der damals erst 20 Monate im Amt war, im Bundestag eine Rede, bei der er ins Deutsche wechselte.

Wimmer, der 33 Jahre lang für die CDU dem Deutschen Bundestag angehörte und inzwischen einer der vehementesten Kritiker von Angela Merkel ist, gilt in St. Petersburg schon als Stammgast. Derserbischen Tageszeitung Vesti schilderte er am Wochenende seine auf YouTube berühmt gewordene Begegnung mit Putin so:
»Vom 4. bis 7. April 2016 fand in St. Petersburg eine Medienkonferenz statt, zu der etwa 500 Journalisten lokaler und regionaler Medien aus ganz Russland anwesend waren. Veranstalter war eine Organisation unter Führung des in Russland hochangesehenen Filmregisseurs Goworuchin. Zu dieser Gruppierung zählt auch die Regierungspartei. Die Konferenz findet seit einigen Jahren statt. Da ein Programmpunkt sich mit der Frage ›Russische Massenmedien und der Informationskrieg‹ beschäftigte, war ich eingeladen worden, mich an einer Diskussion zu diesem Thema zu beteiligen. Ich persönlich halte nichts von dem Begriff ›Informationskrieg‹, weil das die Übernahme eines dümmlichen amerikanischen Sprachgebrauchs ist. Im Verlaufe der Diskussion kam es zu der Frage, um welche Werte es eigentlich geht. Dabei war ich verwundert über die Reaktion russischer Gesprächspartner, die sich mit der Antwort auf diese Frage aus meiner Sicht sehr schwer getan haben. Ich habe als Ausländer und als Gast meine Beobachtungen zu Russland wiedergegeben.«
In der großen Fragerunde mit Putin war es Wimmer wichtig, wie er sagte, »dass aus politischen Gründen exakt das wiedergegeben werden sollte, was ich gesagt hatte zu der Frage nach den russischen Werten, wenn man Russland von außen betrachtet. Ich habe also um das Wort gebeten, und der russische Präsident hat mir dieses Wort umgehend erteilt. In einer derart wichtigen Frage darf nicht der geringste Zungenschlag falsch sein, und deshalb habe ich die Wortmeldung eines überaus sympathischen Journalisten aus Baschkiristan zum Anlass genommen, das zu wiederholen, was ich am Tage zuvor tatsächlich gesagt hatte«.

Willy Wimmer wurde von Vesti auch gefragt, wie er die Konferenz in St. Petersburg diesmal erlebt hat:
»Das war schon eine sehr besondere Konferenz. Wenn man je wissen will, wie Demokratie in der Schweiz abläuft, kann man sich diese Journalistenkonferenz als Modell ansehen. Beobachter hatten mir gesagt, dass die Mehrzahl der Journalisten durchaus sehr regierungskritisch eingestellt war. Dennoch war die Stimmung ungewöhnlich sachorientiert und freundlich, aber seriös. Übrigens mustergültig über all die Tage von einem jungen Team durchgeführt. Ich habe ja nun auch Erfahrung damit, wie westliche Politiker sich der Presse stellen. So lässt sich hier aber niemand über Stunden von den anwesenden Journalisten ›grillen‹, wie das alle Spitzenvertreter aus dem politisch-administrativen Bereich dort über sich freundlich haben ergehen lassen.«
Von Vesti wurde Wimmer auch auf die deutsche Außenpolitik gegenüber dem Balkan und Serbien angesprochen:
»Mir wäre es am liebsten, wenn sich der deutsche Generalbundesanwalt zum Hüter der deutschen Verfassung aufschwingen würde. In der steht nämlich, dass von deutschem Boden aus kein Angriffskrieg mehr ausgehen darf und soll. Was war denn der Angriff auf Belgrad anderes als ein Angriffskrieg? Dafür wird man in Deutschland mit lebenslänglichem Gefängnis bestraft. Haben Sie davon etwas gesehen oder gehört? Standen oder stehen etwa die westlichen Staatschefs in Den Haag vor Gericht, wo sie alle hingehören, die diesen ordinären Angriffskrieg gegen ein Gründungsmitglied der UN aus amerikanischem Interesse gegen Russland vom Zaun gebrochen haben? Da wird mir heute noch schlecht, wenn ich daran denke.«


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