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Samstag, 30. April 2016

Wahrheit unwahrscheinlich: Die BBC präsentiert eine Dokumentation über den Absturz von Flug MH17

Gerhard Wisnewski

Ja, wurde sie denn nun abgeschossen oder nicht? Und wenn ja  von wem? Wer holte am 17. Juli 2014 den Malaysian-Airlines-Flug MH17 vom Himmel? Ausgerechnet der britische Propagandasender BBC will den Fall nun aufklären. Für den 3. Mai 2016 hat die BBC eine Dokumentation über den Fall angekündigt, die angeblich eine erstaunliche Wende in der bisherigen westlichen Darstellung bringen soll: Nun soll möglicherweise doch ein ukrainischer Kampfjet die Passagiermaschine abgeschossen haben. Oder ist das alles etwa nur ein Missverständnis?

Wurde der Malaysian Airlines Flug MH17 am 17. Juli 2014 nun von ukrainischen Kampfjets abgeschossen oder von russischen Separatisten ‒ was glauben Sie? Wetten werden noch entgegengenommen, Herrschaften. Aber nur bis zum 3. Mai. Dann heißt es nämlich »rien ne va plus« ‒ nichts geht mehr.



Denn dann wird der britische Sender BBC den Vorhang der Geschichte lüften und uns auf den heiligen Gral blicken lassen ‒ nämlich auf das, was wirklich mit MH17 geschah.

Jedenfalls könnte man das glauben, wenn man die Vorabmeldungen zu der BBC DokumentationWho Shot Down MH17? liest: »Die renommierte BBC will eine Doku ausstrahlen, in der ›schockierende neue Vorwürfe‹ zum Abschuss der malaysischen Maschine MH17 gezeigt werden sollen. Dabei geht es darum, dass ein ukrainischer Kampfjet und nicht eine BUK verantwortlich war« (Contra Magazin, online, 25.4.2016).

Kein Abschuss durch einen Tiefflieger

Donnerwetter! Also doch keine russische BUK-Rakete, obwohl das bisher doch als der Weisheit letzter Schluss galt? Sondern eine Rakete eines ukrainischen Kampfjets? Ist das also ein Dolchstoß für die westliche Propaganda? Oder nur ein Missverständnis? Die BBC selbst weiß nämlich gar nicht, wie sie zu der Ehre kommt, die offizielle Version vom Abschuss durch eine russische Boden-Luft-Rakete angeblich infrage gestellt zu haben. In Wirklichkeit widerlege der Film nämlich den Abschuss durch einen ukrainischen Kampfjet, stellte die BBC klar (laut Telegraph online, 25.4.2016).

»Irreführende Medienberichte« hätten zu einer falschen Wahrnehmung der Dokumentation geführt. In Wirklichkeit hätten Experten bestätigt, ein Abschuss durch ukrainische Kampfjets sei unwahrscheinlich, weil diese nicht in solchen Höhen (ca. 11 000 Meter) fliegen könnten. Tatsächlichbringt es die immer wieder »verdächtige« SU-25, die Flug MH17 gefolgt sein soll, nur auf eine Dienstgipfelhöhe von rund 7000 Metern, mit voller Bewaffnung sogar nur auf 5000 Meter. Demnach wäre die Ukraine also nicht beschuldigt, sondern entlastet.

Ein Reparaturbetrieb der Propaganda

Alles andere wäre auch eine Überraschung gewesen. Denn die BBC-Dokumentation über den angeblichen Abschuss von Flug MH17 erscheint in der BBC-Reihe Conspiracy Files (zu Deutsch etwa: »Die Akte Verschwörung«), einem propagandistischen Reparaturbetrieb für löchrige offizielle Versionen. Laut Selbstbeschreibung geht es in der Reihe nicht um die Aufklärung von aktuellen Ereignissen, sondern um die Analyse von »Verschwörungstheorien«: BeiConspiracy Files handele es sich um ein Programm »zur Untersuchung von Verschwörungstheorien über zeitgeschichtliche Ereignisse«, so die BBC-Webseite.

So nahm sich die BBC im Rahmen dieser Reihe auch schon die wackelige Geschichte des 11. September 2001 vor. Allerdings nicht, um endlich die Wahrheit herauszufinden. Vielmehr listete man einige Ungereimtheiten und Zweifel auf, nur um anschließend zu fragen, »was Verschwörungstheorien so hartnäckig und mächtig macht«. Gegenstand der Untersuchung war letztlich also nicht das Ereignis selbst, sondern die angeblichen »Verschwörungstheorien« darüber (wobei die offizielle Version übrigens die schlechteste Verschwörungstheorie von allen ist).

Immer dieselbe Masche ...

Die Masche ist immer dieselbe: Mit der Hoffnung auf neue und objektive Antworten werden die Zuschauer zunächst in die Sendung gelockt, nur um ihnen am Ende klarzumachen, dass»Verschwörungstheorien« lächerlich und reiner Blödsinn sind.

»Die Akte Verschwörung ist eine britische TV-Dokumentationsreihe auf BBC 2, die verschiedene moderne Verschwörungstheorien untersucht«, heißt es auch in der englischsprachigenWikipedia:

»In zwei Serien à sechs Filmen wurden bisher die Theorien über den 11. September, die Bombe an Bord von PanAm Flug 103, das Sprengstoffattentat von Oklakoma City, die Bombenattentate vom 7. Juli 2005 in London und die Todesfälle von David Kelly und Prinzessin Diana untersucht.«

Der verantwortliche BBC-Produzent Mike Rudin hat in Bürgerrechtlerkreisen denn auch einen schlechten Ruf. Andrew Johnson, Autor des Buches 9/11 ‒ Finding the Truth (zu Deutsch etwa: »11.9. ‒ Auf der Spur der Wahrheit«), warf dem BBC-Mann Rudin vor, »falsche Informationen zu streuen«: »Sie haben Menschen wie mich, die die Wahrheit verbreiten wollen, als eine Art ›Verschwörungstheoretiker‹ dargestellt«, schrieb er ihm in einer E-Mail. »Sie haben einen Sprecher mit einer klangvollen Stimme eingesetzt, damit die Leute, die sich nicht um die Fakten kümmern, Ihre Desinformationshäppchen schlucken.«

Wie Abschüsse simuliert werden können

Anders, als die Werbung für den BBC-Film über den angeblichen Absturz von Flug MH17 glauben machen will, wird hier den Vorabberichten zufolge gar nicht ergebnisoffen ermittelt. Vielmehr geht die Sendung demnach von einer äußerst beschränkten Fragestellung aus. Es geht offenbar vor allem darum, wer für den angeblichen Abschuss verantwortlich sein soll. Die Frage, ob derPassagierjet überhaupt abgeschossen wurde, wird demzufolge gar nicht erst gestellt. Jedenfalls findet sich nichts davon in den Vorabberichten.

Dabei ist ein Abschuss keineswegs sicher. Wenn beide Seiten (Russen bzw. »russische Separatisten« und Ukrainer) den Abschuss vehement bestreiten, besteht ja schließlich auch die zumindest theoretische Möglichkeit, dass beide die Wahrheit sagen. Der amerikanische GeneralstabsplanOperation Northwoods hat gezeigt, dass Flugzeugtrümmer bisweilen auch auf ganz anderem Wege an einen »Absturzort« gelangen können: Detailliert wird in dem Szenario des US-Generalstabs »geschildert, wie ein Vorfall inszeniert werden könnte, der weltweit den Eindruck vermittelt, ein kubanisches Flugzeug habe eine zivile amerikanische Chartermaschine abgeschossen« (Telepolis, 12.11.2003).

Also im Grunde genommen genau das, was wir im Fall von MH17 vor uns haben ‒ nur dass der Feind im Jahr 2014 nicht Kuba, sondern Russland hieß. In dem Northwoods-Plan ging es darum, ein unbemanntes Flugzeug über Kuba zu sprengen und das Ganze als Abschuss durch die Kubaner darzustellen. In einem anderen Szenario des Northwoods-Drehbuchs sollte der Abschuss eines amerikanischen Kampfjets simuliert werden ‒ durch die Ausbringung von Flugzeugtrümmern.

Im Fall von MH17 könnten die Wrackteile und Leichen denn auch aus einem Transportflugzeug abgeworfen worden sein. In einem Interview sagte der Autor und Geheimdienstexperte James Bamford, der das Northwoods-Papier ausgegraben hatte, er denke, »dass die Vereinigten Staaten wieder einen Vorwand für einen Krieg inszenieren können. [...] Die Regierung hat mit Sicherheit die Möglichkeiten dazu, aber ich weiß nicht, ob sie es tatsächlich tun oder nicht« (Telepolis, ebenda).

Untersuchungsauftrag deutlich erweitern

Kurz: Um den Fall MH17 wirklich zu untersuchen, müsste man den Untersuchungsauftrag schon deutlich erweitern. Wie der Absturzuntersuchungsbericht des niederländischen Dutch Safety Board zeigte, krankte die gesamte Untersuchung bereits daran, dass der angebliche Absturzort in der Ostukraine nicht abgeriegelt werden konnte. Bevor sie geborgen wurden, lagen die Wrackteilemonatelang in einem umkämpften Gebiet herum, wo es Geschosse nur so hagelte. Im Grunde weiß also kein Mensch, woher die Geschossteile, die im Wrack und in den Leichen angeblich gefunden wurden, wirklich stammten: Tatsächlich von einem Raketeneinschlag in der Luft?

Oder von späterem Beschuss am Boden? Oder wurden sie der Untersuchung erst nachträglich durch Manipulation zugeführt? Wie gesagt, waren Wrack und Leichen Tage, Wochen und Monate für wechselseitige Parteien verfügbar. Insbesondere für den Westen und die Ukraine. Im Untersuchungsteam stand Russland den USA, Großbritannien, Australien, der Ukraine und den Niederlanden gegenüber. Der Untersuchungsbericht konnte nicht einmal Zweifel ausräumen, ob die Leichen überhaupt von diesem Absturz stammten ‒ oder aber alt waren, wie mehrere Augenzeugen vom Absturzort behauptet hatten. Die Ermittler versäumten es nämlich, den Todeszeitpunkt der Passagiere zu ermitteln. Jedenfalls steht nichts davon in ihrem Bericht. Normalerweise ist das aber eine Standarduntersuchung bei jeder Obduktion.

Darf man also wirklich gespannt sein, was der britische Staatssender BBC der Weltöffentlichkeit am 3. Mai 2016 letztlich auftischen wird? Wohl kaum. Dass es sich dabei um die letzte Wahrheit handeln wird, ist aufgrund der geschilderten Tatsachen eher unwahrscheinlich. Vielmehr werden wir wohl nur den Reparaturbetrieb der Propaganda bei der Arbeit sehen ...


Quelle: KoppOnline

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