Montag, 15. Februar 2016

Wo Glück mehr zählt als Geld: Eine Reise durch das Königreich Bhutan (Video)

Inmitten von schneebedeckten Bergriesen liegt ein kleines Land, das einen eigenwilligen Weg geht: In Bhutans Hauptstadt Thimphu gibt es weder Ampeln noch Zigaretten, dafür uralte Traditionen, die immer noch lebendig sind. Man misst das Bruttoinlandsglück, um sicherzustellen, dass es den Menschen gut geht. Eins steht fest: Bhutan ist anders. Und zeigt den Industriestaaten, wie man es auch machen kann. „Das Bruttoinlandsprodukt interessiert mich nicht.

Mich interessiert das Bruttoinlandsglück“, sagte Jigme Singye Wangchuk in den 80er Jahren. Der König von Bhutan meinte es ernst: Seither werden Lebens- und Bildungsstand, Gesundheit und das Wissen um Mythen und Legenden in seinem Land gemessen. Letztere sind in Bhutan immer noch allgegenwärtig.
Das kleine Land verschließt sich dem Fortschritt zwar nicht, aber entwickelt sich in seinem eigenen Tempo – und nimmt ganz nebenbei althergebrachtes Kulturgut mit. Ein Beispiel dafür ist der Buddhismus, der seit dem 8. Jahrhundert hingebungsvoll praktiziert wird. In den vielen Klöstern können sich auch ausländische Besucher davon überzeugen.


Mitgefühl für Mensch, Tier- und Pflanzenwelt
Eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten des Landes ist das „Tiger-Nest“. Der wuchtige Klosterkomplex mit seinen goldenen und roten Dächern schmiegt sich an steile Felswände und zieht scharenweise Pilger an.
In über 3.000 Metern Höhe überwinden sie schmale Bergpfade, um schließlich an diesem heiligen Kraftort anzukommen und ihre Gebete zu sprechen. Ganz in der Nähe ist eine Höhle, die ein buddhistischer Weiser auf dem Rücken eines Tigers erreicht haben soll. Hier meditieren bhutanesische Mönche drei Jahre lang am Stück.
Die Bhutaner sind friedliebende Menschen. Für sie zählen Mitgefühl, Toleranz und Harmonie – nicht nur im Umgang miteinander, sondern auch mit den Tieren, die viele Einwohner nach wie vor halten.
Sie sperren ihre Kühe und Schweine nicht ein, sondern bauen lieber Zäune um die Pflanzen, um sie vor gefräsigem Nutzvieh zu schützen. Ein Großteil der Obst- und Gemüsesorten, die auf den Feldern wachsen, haben Bio-Qualität. Aber auch die Bäume genießen einen besonderen Schutz: Rund 60 Prozent Bhutans sind Waldgebiet. Das wird auch so bleiben, denn ein Gesetz verbietet die Abholzung der Wälder.

Auf stillen Pfaden durch den Himalaya
Da Umweltschutz in Bhutan groß geschrieben wird, gibt es noch viel unberührte Natur. Deshalb kommen immer mehr Bergsteiger ins Land: Sie wandern auf imposanten Panorama-Routen wie dem „Druk Trek“ durch den Himalaya und passieren dabei duftende Pinienwälder, rosa Rhododendren, abgelegene Klöster, umherziehende Nomaden und glasklare, scheinbar bodenlose Bergseen.
Aber auch im Tourismus liegt das Augenmerk Bhutans nicht auf ökonomischer Entwicklung, sondern auf dem Wohl der Menschen: Damit das verschlafene Bergland nicht von Bettenburgen überschwemmt wird, dürfen nur Gäste einreisen, wenn sie im Voraus ein teures Rundumpaket mit Unterkunft, Essen und Transport buchen (Handbuch für ortsunabhängiges Arbeiten: Kündige Deinen Job und starte Deine Freiheit (Video)).
Im März findet das beliebte Paro-Festival statt
Die meisten Touristen kommen nicht nur wegen der unberührten Bergpässe, sondern auch um die trutzigen Klosterburgen mit ihren bunten Fresken, Statuen und Gemälden zu sehen. Was viele Gäste nicht wissen: Sie sind nicht nur in den Tempeln und Klöstern, sondern auch auf den buddhistischen Festivals willkommen, die regelmäßig im ganzen Land stattfinden.
Im März beispielsweise findet das beliebte Paro-Festival statt, das Einheimische von nah und fern anzieht. Zum Klang von Trompeten und Flöten tanzen Mönche und Laien in gelben und roten Gewändern, sie tragen bunte Masken und verehren längst verstorbene buddhistische Heilige – so, wie es sie es bereits seit Jahrhunderten tun.
In Bhutan glaubt man nach wie vor an gute und böse Geister, an Menschen, die sich in Monster verwandeln – und an die Kraft des Gebets. Bei buddhistischen Festivals nimmt dieser Glaube Gestalt an und wird langsam greifbar. Ein interessantes Erlebnis für Menschen, die mit Fernsehen, dem Periodensystem und Leistungsdenken groß geworden sind.
Video:


Arm, aber glücklich
In Bhutan ist nicht alles eitel Sonnenschein: Ein Fünftel der Bevölkerung ist arm. Dennoch hat Bhutan seine Würde bewahrt, hat sich nicht blindem Gewinnstreben ergeben, sondern das friedliche Zusammenleben der Menschen im Blick behalten.
Das spürt man, wenn man dort ist: Die Menschen sind freundlich zu einander, sie achten auf eine harmonische Atmosphäre und respektieren sich und ihre Umwelt. Ein Urlaub in Bhutan ist immer eine Reise voller Inspiration.

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