Dienstag, 12. Januar 2016

Schule zu Hause: Geht doch auch so (Videos)

Sie jagen im Wald Tiere, statt Matheklausuren zu schreiben, sie backen Brot, statt Gedichte auswendig zu lernen: Die Fotografin Rachel Papo hat Kinder besucht, die von ihren Eltern zu Hause unterrichtet werden – und dabei ihre Vorurteile verloren. Im Norden des US-Bundesstaates New York hatte es stark geschneit. Es war sehr kalt, und die Dämmerung brach herein. Doch dieses Holzhaus in der Einöde strahlte eine gewisse Sicherheit aus. Aus einem Raum drang Licht nach draußen, drinnen schien ein Vater seiner Tochter etwas zu erklären.
US-Fotografin Rachel Papo hat diese Szene aufgenommen. „Der Kontrast zwischen Kälte und Wärme, zwischen der Dunkelheit und Licht, das hat mir gefallen“, sagt sie. Dieser Moment drücke genau das aus, was sie mit ihrer Fotoserie „Homeschooled“ zeigen möchte: Kinder werden in ihrem Zuhause von ihren Eltern unterrichtet – und nicht in der Schule von Lehrern.
Vor fünf Jahren hat Papo damit begonnen, Eltern zu fotografieren, die ihren Kindern Unterricht geben. Papo war damals mit ihrem Mann von New York in die rund 170 Kilometer entfernte Kleinstadt Woodstock gezogen. Dort lernte sie ein Paar kennen, das seine Tochter nicht in die Schule schicken wollte.
Damals wusste Papo kaum etwas von Hausunterricht – nur, dass in den USA keine Schulpflicht besteht. Und sie hatte Vorurteile: „Ich dachte, dass solche Eltern sicher komisch sind“, sagt Papo. Kritiker des Hausunterrichts argumentieren, die Eltern würden ihre Kinder isolieren und könnten ihnen niemals all das beibringen, was Lehrer könnten.


Wer an Homeschooling denkt, der denkt oft auch an strenge Christen, die Angst haben, dass die Evolutionstheorie ihre Kinder durcheinanderbringen könnte.
Zuerst wollte die Fotografin nur die Tochter ihrer Bekannten porträtieren, schnell merkte sie aber, dass sie dem Thema nicht mit dem Porträt einer Schülerin gerecht werden könnte – zu unterschiedlich sind die Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken wollten, zu vielseitig die Arten des Lernens daheim.
Einige Eltern, die Papo fotografierte, konnten sich nicht vorstellen, ihre Kinder in überfüllten Klassen unterrichten zu lassen. Andere hatten Angst, sie könnten in der Schule gemobbt werden. Wieder andere wollten einfach viel Zeit mit ihren Kindern verbringen.
Fotografin Papo war erstaunt, wie sehr sich die Eltern für die Ausbildung ihres Nachwuchses aufopferten und wie enthusiastisch sie Wissen vermittelten. „Wenn sie sich in einem Fachgebiet nicht auskannten, dann engagierten sie Tutoren oder Privatlehrer. Und damit die Kinder auch unter Altersgenossen sein könnten, schickten sie sie in Lerngruppen und in der Freizeit in Vereine oder Jugendtreffs.“
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Angst, die Kinder könnten Opfer eines Amoklaufs werden
Papo sagt, viele der Eltern seien sehr gut ausgebildet und organisiert gewesen, warmherzig und realistisch. Für ihre Fotoserie hat Rachel Papo die Kinder beim Backen fotografiert, beim Lesen, Malen und Erkunden des Waldes. Die Natur habe bei vielen Eltern eine große Rolle gespielt – aber nur, weil viele Familien auf dem Land lebten.
Viele der Homeschool-Schüler lernten in der Natur nicht nur verschiedene Pflanzen und Tiere kennen, sondern auch das Jagen, sagt Papo. Der Umgang mit Waffen sei Teil ihres Lebens. Kurios sei das, weil viele Eltern auch sagten, sie hätten Angst davor, ihr Kind könnte Opfer eines Amoklaufes in der Schule werden (Aufklärung an Schulen: Sex ist die neue Algebra). Auch dies sei ein Grund, sie zu Hause zu unterrichten.
Vor zweieinhalb Jahren zog die Fotografin nach Deutschland (Bundesverfassungsgericht stellt klar: Kinder gehören dem Staat). In Berlin wollte sie „Homeschooled“ weiter führen, aber sie merkte schnell, dass sie dort niemanden für ihre Serie fotografieren könnte. In Deutschland achtet der Staat darauf, dass die Schulpflicht eingehalten wird. Ansonsten drohen Eltern Bußgelder oder sogar das Gefängnis.
Papo selbst ist in all den Jahren nicht zu einer Befürworterin des Hausunterrichts geworden und will, dass ihre Kinder in die Schule gehen, sobald sie alt genug sind. Papo sagt, sie habe die Schule immer gemocht. Sie kann sich nicht vorstellen, dieser Anforderung gerecht zu werden, so viel Zeit zu investieren. Man müsse für den Hausunterricht einfach zu viel opfern („Unsere Schulen produzieren leidenschaftslose Pflichterfüller“ (Video)).
Video: Ein Leben ohne Schule


Fazit: Bildung ohne Schulbesuch wird weltweit immer beliebter. Die Ergebnisse sind wesentlich besser als bei Schulbesuchern, auf allen Gebieten, vor allem für die Gesundheit der jungen Menschen. Der obere Artikel bedient leider das Cliche von abgelegen Wohnorten. Fakt ist, immer mehr junge Menschen in Städten nutzen Distanz-Learning. Auch wenn sie direkt neben einer Schule wohnen, und diese noch so renommiert ist. Sie suchen sich was Sie brauchen über das Internet und lernen was sie wollen, direkt mit den Menschen, die dies auch wirklich im realen Leben tun.
Besser leben ohne Schule
Die Schule ist traditionell der Ort des Lernens. Doch so mancher ist auch ohne Schule im Leben erfolgreich geworden. Sind Schulen der einzige Weg, um sich eine gute Ausbildung zu verschaffen? Sicherlich nicht, wie wir Ihnen bei „Learning World“ mit Erfolgsstorys aus Deutschland, Frankreich und den USA zeigen.
Ein Amerikaner in Berlin
Dale J. Stephens ist 20 Jahre alt, kommt aus den USA und hat sich den Prenzlauer Berg in Berlin als Wohnort ausgesucht. Seine Eltern erlaubten ihm, nach der Grundschule das „selbst-gesteuerte Lernen“ („Unschooling“) zu probieren. Während seine Altersgenossen die Schulbank drückten, stellte sich Dale seinen eigenen Lehrplan zusammen. Dazu gehörte: Leben in Frankreich, eine Firma eröffnen, bei einer politischen Kampagne mitarbeiten und eine Bücherei mitaufbauen. Ein Abschlusszeugnis braucht Dale nicht. Er überzeugt mit seinem Lebensweg und seiner Erfahrung.
Mehr über Dale J. Stephens unter:
„dalejstephens.com“:http://dalejstephens.com/new/
Video: Besser leben ohne Schule


Leidenschaft ist die beste Motivation
André Stern ist in der Musikwelt kein Unbekannter, doch die wenigsten wissen, dass er nie zur Schule ging. Wenn André Stern auf Fragebögen sein Bildungsniveau ankreuzen soll, kann es schon mal schwierig werden, wenn es da nur die Wahl zwischen verschiedenen Schulen und „Analphabet“ gibt, doch darüber lacht er.
Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: „…und ich war nie in der Schule“. Vor allem in Deutschland verkauft sich das Buch besonders gut. Kein Wunder, hier besteht allgemeine Schulpflicht.
Sein Vater, Arno Stern, ist heute 88 Jahre alt. Er hat die „Malerhütte“ in Paris gegründet. Arno Stern hat sich ein Leben lang dafür eingesetzt, dass Kinder und Jugendliche ohne Handschellen und außerhalb der Schulen lernen dürfen, die für viele zu Gefängnissen geworden sind.
Mehr über die Sterns unter:
„andrestern.com“:http://andrestern.com/fr/ecrits.html
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Das Leben ist die beste Schule
Für die Emerson-Kinder in den USA sind die Sommerferien endlos. Sie gehen nämlich nicht in die Schule. Und auch nach Hause kommt kein Lehrer. Die Eltern interessieren sich nicht für Lehrpläne und sie wollen ihren Kindern auch nicht das beibringen, was in den üblichen Fächern an Schulen unterrichtet wird.
Mutter Sharon Emerson meint: „Kinder lernen das Gehen von selbst und nicht weil wir es ihnen beibringen. So ist es auch bei allem anderen. Kinder wollen lernen und sich weiterentwickeln.“
Vater John Arthur Emerson erklärt seinen Ansatz so: „Alle werden in einen Kasten, die Schule, geworfen. Dann gilt: Mit sechs Jahren muss das Kind dies oder jenes gelernt haben, sonst hat es versagt. Diese Herangehensweise passt mir überhaupt nicht. Meine Frau und ich finden, dass es auch anders geht.“

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