Mittwoch, 6. Januar 2016

KenFM-Positionen #3: Demokratie oder Markt - Was kostet uns der Casino-Kapitalismus?



Als 1972 das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ erschien, wurden die Verfasser, allesamt Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology, schnell mit den Begriffen Kommunisten, Anti-Amerikaner, Alarmisten oder später Verschwörungstheoretiker betitelt.
https://www.nachhaltigkeit.info/artik...

Kaum einer der Kritiker, damals wie heute, hatte sich mit den Erkenntnissen der Wissenschaftler beschäftigt, die wenigsten hatten das publizierte Buch wirklich gelesen, geschweige denn verstanden.

Um was ging es im Kern? 
Zeit und Raum sind für den einzelnen Menschen persönlich nur innerhalb der eigenen Lebensspanne erfahrbar. Der Mensch plant vielleicht noch für seine Kinder, für die Kinder seiner Enkelkinder definitiv nicht mehr.

Obwohl der Mensch über enorme intellektuelle Fähigkeiten verfügt, abstrakt denken kann und dank der Mathematik weiß, was exponentielles Wachstum bedeutet, weigert sich die Masse, die gewonnenen Erkenntnisse auf die Gegenwart zu übertragen. Dieser Mechanik folgt die Politik, vor allem in Demokratien, indem sie ausschließlich kurzfristige Ziele anbietet, sprich Ziele propagiert, die in der sich dem Ende entgegen neigenden Legislaturperiode erreicht werden können - oder auch nicht.

Was in heutigen Demokratien wenig bis überhaupt nicht gefragt ist, ist die Wahrheit. Menschen, die sich im Kern mit Wahrheit beschäftigen müssen - Journalisten - leben auch im 21. Jahrhundert gefährlich. Kein neues Phänomen, wenn man sich an den Ausspruch Platons erinnern möchte:
„Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet.“

Zusammenfassend muss man feststellen:
Der Mensch ist und bleibt ein Gewohnheitstier. Was ihm nicht in den Kram passt, obwohl wissenschaftlich belegt und den Gesetzen der Logik folgend, wir schlicht verdrängt. Der „moderne“ Mensch, der Mensch der Industrie-Gesellschaft, wird in naher Zukunft von diesem Planeten verschwinden, wenn er sich weiterhin weigert, auf Nachhaltigkeit umzustellen. Exponentielles Wachstum ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit.

Unser alles beherrschendes Geldsystem wächst exponentiell.
Der Verbrauch von Ressourcen wächst exponentiell.
Die Menschheit wächst exponentiell.

Alle Verwerfungen, die wir in den letzen 40 Jahren immer massiver erleben konnten, sind die Folgen dieses Systems.

Kriege, Flüchtlinge, Ausbeutung, Umweltkatastrophen sowie Unruhen im In-und Ausland sind final zurückzuführen auf exponentielles Wachstum. Dabei spielt die Verpackung unseres Lifestyles keine Rolle. Der Kahn hat mehr als Schlagseite. Er geht unter, und jetzt ist es an uns, der Realität ins Gesicht zu sehen. Wir müssen diese Wirtschafts-Titanic aufgeben. 

Bei POSITIONEN - POLITIK VERSTEHEN geht es im Kern immer um dieses eine Thema. Wie schaffen wir es, die Menschheit dazu zu überreden, ihrem eigenen Überleben zuzustimmen.
Wir beleuchteten in allen bisherigen Ausgaben diese Problematik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Daran halten wir fest.

Die Gäste der dritten Ausgabe von Positionen mit dem Titel: „Demokratie oder Markt - Was kostet uns der Casino-Kapitalismus?“ sind:
- Giorgos Chondros, Umweltpolitischer Sprecher und Mitglied im Zentralkomitee von Syriza
- Dirk C. Fleck, Romancier und Zeitzeuge, Autor von „Feuer am Fuss“ und weiteren Titeln
Owe Schattauer, Musiker, Bauunternehmer und Friedensaktivist, auch bekannt als die „Stimme des Zorns“
Elias Tsolakidis, Politischer Aktivist und Mitbegründer des griechischen Selbstversorger-Projektes „O Topos Mou“

Anders als in den ersten beiden Ausgaben fliegen in dieser Ende 2015 aufgezeichneten Sendung die Fetzen. Das hat auch damit zu tun, dass wir diesmal neben „Politik-Profis“ auch die „Straße“ am Tisch sitzen haben. Echter Fortschritt kann nur gelingen, wenn Führende und Geführte wieder miteinander ins Gespräch kommen und sich ernst nehmen.

Nur im Team, nur wenn wir die Klassengesellschaft überwinden, haben wir als Menschheit eine Chance, das 22. Jahrhundert zu erleben. Wir müssen endlich lernen, als Spezies zu denken.

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