Mittwoch, 16. Dezember 2015

Chef kürzt sein Gehalt, um seine Mitarbeiter besser zu bezahlen

Offenbar gibt es doch noch Anstand auf dieser Welt. Dan Price, Chef einer US-amerikanischen Kreditkartenfirma, wird auf einen großen Teil seines Millionengehalts verzichten, um jedem seiner Mitarbeiter mindestens 70.000 Dollar im Jahr zu bezahlen.
Als Grund gab Price an, dass ihn ein Artikel über das seelische Wohlbefinden von Angestellten dazu inspiriert hätte, die weniger als 70.000 Dollar im Jahr verdienen.
Die Mitarbeiter in Dan Price Kreditkartenunternehmen Gravity Payments flippten aus.
Als das Klatschen und Brüllen nachließ und ein Moment der Stille einsetzte, fragte Dan Price seine Angestellten: “Flippt noch jemand aus? Denn ich flippe irgendwie gerade selber aus.”
Das mit den zukünftig mindestens 70.000 Dollar pro Jahr soll auch für die am wenigsten verdienenden Sachbearbeiter, Verkäufer und Kundenberater gelten.
Das Durchschnittseinkommen in dem Unternehmen lag bisher bei 48.000 Dollar, für 30 Arbeitnehmer bedeutet der neue Mindestlohn sogar eine Verdopplung ihres Einkommens.
Der Geldsegen hat seine Ursache aber nicht im großen Erfolg der Firma. Stattdessen verteilt Dan Price im Laufe der nächste drei Jahre um.
Der Chef kürzt sein eigenes Einkommen von fast einer Million Dollar auf 70.000 Dollar und setzt zudem bis zu 80 Prozent des erwarteten Gewinns ein, um die Erhöhung möglich zu machen, berichtet die New York Times.
Wohlbefinden
Der Grund, auf so viel Geld zu verzichten, war ein Artikel über Glück, den Price gelesen hatte.
Die Autoren beschrieben darin, dass für Menschen, die weniger verdienen als 70.000 Dollar, mehr Geld einen großen Unterschied macht.
Das Wohlbefinden soll mit dem Einkommen deutlich steigen – allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt, denn ab 75.000 Dollar mache das höhere Einkommen keinen Unterschied mehr.
Zwar brächte mehr Geld auch mehr Annehmlichkeiten, doch das Wohlbefinden ließe sich nicht mehr steigern.
Dieses soziale Experiment scheint eng mit der Persönlichkeit des Chefs zusammenzuhängen.
Price gründete das Unternehmen Gravity Payments im Jahr 2004 aus einem Studentenwohnheim der Seattle Pacific University heraus, als er selbst erst 19 Jahre alt war.
Sein Bruder musste ihm mit dem Startgeld aushelfen. Im vergangenen Jahr wickelte die Firma Transaktionen im Wert von 6,5 Milliarden Dollar für mehr als 12.000 Unternehmen ab.
Die Idee entstand, als Price mit einer Band in einem Café auftrat und der Betreiber Ärger mit der Kreditkartenabrechnung hatte.
Das Unternehmen, bei dem er Kunde war, verlangte seiner Ansicht nach zu hohe Gebühren.
Price sah sich das Geschäft an und stellte fest, dass er es günstiger, effizienter und mit besserem Kundenservice bieten konnte.
Das Verhältnis ist lächerlich
Für Price ist die Einführung des Mindestgehalts keine politische Aktion, doch trifft er einen Nerv mit der ungewöhnlichen Maßnahme, denn in den USA (wie auch in Deutschland) herrscht eine gewaltige Kluft zwischen den Gehältern von normalen Arbeitern und den Einkommen von Vorstandsvorsitzenden.
Diese verdienen teils rund 300 Mal mehr als ihre Untergebenen. Das fand Price absurd. “Das Verhältnis ist lächerlich”, sagt der Unternehmer, der selbst bescheiden lebt, einen zwölf Jahre alten Audi fährt.
Auch die Geldsorgen von Bekannten sind Price ein Dorn im Auge. Freunde erzählten ihm, wie schwierig es zurechtzukommen sei, wenn man nur etwas mehr als den Mindestlohn von 7,25 Dollar bekäme.
“Sie rechneten mir vor, wie man auf 40.000 Dollar pro Jahr kommt“, sagt Price. “Ich höre das jede Woche”, fügt er hinzu. “Das nagt innerlich an mir”.
Haus kaufen und Ausbildung bezahlen
Also wollte er etwas ändern, ohne jedoch die Preise für seine Kunden zu erhöhen oder den Service zu verschlechtern.
Seine Angestellten können ihr Glück kaum fassen. Die 24-jährige Hayley Vogt hatte Sorgen wegen ihrer gestiegenen Miete und einer Krankenhausrechnung.
“Ich bin gerade komplett umgehauen”, sagt sie. Während jeder in Seattle nur über einen Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde redet, sei es toll, einen Arbeitgeber zu haben, der tatsächlich etwas tut und nicht nur redet.
Auch der 29 Jahre alte Phillip Akhavan, der zuvor 43.000 Dollar verdiente, ist begeistert. “Meine Kinnlade fiel gerade runter”, sagt er. “Das ist eine große Veränderung für alle um mich herum.”
Dan Price hofft für seine Angestellten, dass sie sich so den amerikanischen Traum erfüllen, ein Haus und die Ausbildung ihrer Kinder bezahlen können.
Sein eigenes Gehalt will er erst wieder anheben, wenn die Firma wieder so viel verdient, wie vor der Gehaltserhöhung für alle.
Umverteilung von oben nach unten. Das ist genau richtig und führt zu Motivation durch Gerechtigkeit. Es wäre toll, wenn das Beispiel von Dan Price Schule macht.

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