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Sonntag, 15. November 2015

Etwas sehr seltsames passiert vor der Küste von Galveston/Texas

Nachdem wir gestern über die 2 Meilen lange Reihe von Tankern voller Rohöl berichtet hatten, die vom Irak in Richtung USA unterwegs sind und mehrere Wochen, nachdem wir berichtet hatten, dass China der Lagerraum für Öl ausgeht, können wir jetzt bestätigen, dass das “im Transit“ befindliche globale Überangebot an Rohöl nun gewaltig ist und anfängt, negative Konsequenzen auf den Ölpreis zu haben. 
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Während die in Houston/Texas auf Halde liegenden Rohöl-Tanker eine fast nie dagewesene Zahl von 39 (mit einer Kapazität von zusammengenommen 28,4 Millionen Barrel) erreicht hat, berichtet die Financial Times, dass die wachsende Flotte von festgemachten Supertankern von China bis zum Golf von Mexiko ein Hinweis darauf sei, dass der Ölpreis-Crash womöglich noch weitergehen wird, da mehr als 100 Millionen Barrel Roh- und Brennöl auf Schiffen auf hoher See gehalten wird. Derweil füllt das bereits ein Jahr andauernde Überangebot alle verfügbaren Lagerstätten an Land.
Die Probleme mit der Lagerung sind tatsächlich derart ernst, dass Händler die Schiffe anweisen langsam zu fahren. Und an dieser Stelle sehen wir sehr seltsame Dinge vor der Küste nahe Galveston/Texas:
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Die Financial Times berichtet: »Die Menge Rohöl auf hoher See ist mindesten doppelt so hoch, wie Anfang des Jahres und entspricht mehr als dem weltweiten Tagesbedarf an Öl. Die Zahl der Schiffe wurde von der Financial Times aus Satelliten-Daten und anhand von Quellen aus der Industrie ermittelt.«
Das gelagerte Überangebot ist beispiellos:
Vor Indonesien, Malaysia und Singapur – Asiens wichtigsten Öl-Umschlagplätzen – werden 35 Millionen Barrel Roh- und Brennöl auf 14 Supertankern gelagert.
»Ein großer Teil der vor Singapur gelagerten Menge ist Brennöl, da hierfür die Prolongationsgebühr höher ist«, sagt Olivier Jakob, Analyst bei Petromatrix. Heizöl wird hauptsächlich in der Schifffahrt und zur Energiegewinnung genutzt.
Vor China, welches dabei ist die USA als weltgrößten Erdöl-Importeur einzuholen, liegen fünf vollbeladene Supertanker – jeder mit einer Kapazität von mehr als 2 Millionen Barrel Öl –, geparkt nahe den Häfen von Qingdao, Dalian und Tianjin.
In Europa sehen sich eine Reihe kleinerer Tanker kurzfristigen Verzögerungen in Rotterdam und in der Nordsee gegenüber, wo der Output nahe eines Zwei-Jahreshochs liegt. Im Mittelmeer wurde seit September ein Supertanker vor Malta geparkt.
Wie Reuters berichtete, liegen an der Golfküste der USA rund 20 Millionen Barrel Öl auf Tankern und warten darauf entladen zu werden. Die Rohöl-Bestände an der US-Golfküste sind auf Rekordniveaus.
Weitere 8 Millionen Barrel Öl werden vor den Vereinigten Arabischen Emiraten festgehalten, während der Iran, der in Erwartung des Endes der Sanktionen seine Exporte rauffahren will, fast 40 Millionen Barrel Treibstoff auf seiner Supertanker-Flotte nahe der Straße von Hormuz liegen hat. Der Großteil davon soll Kondensat sein, eine Art Ultraleichtes Öl.

Und im Gegensatz zum letzten Ölpreis-Kollaps während der Finanzkrise, wurde nur die Hälfte des Öls von Händlern auf dem Wasser festgehalten, die auf höhere Einnahmen hoffen, indem sie den Treibstoff bis zur Erholung der Preise zwischenlagern. Ganz im Gegenteil, die himmelhohen Kurse für Supertanker haben sie davon abgehalten, noch mehr Öl in sogenannte “schwimmende Lager“ zu stecken und damit eins der Sicherheitsventile geschlossen, die den Ölpreis davon abhalten könnte, noch weiter zu fallen.
Eine sich weitende Marktstruktur namens Kontango [Gebühr für Prolongation] – wo zukünftige Preise über den Spot-Preisen liegen – könnte schwimmende Lager ermöglichen.
Die Differenz zwischen Brent zur Auslieferung in sechs Monaten und jetzt, stieg vergangene Woche auf $ 4,50, nach $ 1,5 im Mai. Händler gehen davon aus, dass $ 6 erreicht werden müssen, bis eine Lagerung auf hoher See rentabel ist.
JBC Energy, ein Beratungsunternehmen, sagte, in vielen Regionen sei die Landlagerung bald an ihren Kapazitätsgrenzen angekommen und wendet ein, dass die Ölpreise noch weiter fallen müssten, um mehr Öl profitabel auf See zwischenzulagern.
»Die Lagerstätten an Land sind noch nicht ganz voll, aber weltweit auf historisch hohem Niveau gefüllt«, sagte David Wech, Hauptgeschäftsführer von JBC Energy.
»Je näher wir den Kapazitätsgrenzen kommen, desto größer werden der Schluckauf und die Verspätungen im Ölmarkt, was dazu führt, dass mehr Öl auf See verlagert wird.«
Video: Das grosse Spiel um Macht und Öl


Patrick Rodgers, Geschäftsführer von Euronav, einer der weltweit größten Tanker-Firmen, sagte, das Überangebot an Öl sei so massiv, dass Händler die Schiffe auffordern langsam zu fahren, um sie bei der Verwaltung der Lager-Niveaus zu unterstützen.
»Wir werden auf relativ niedriger Geschwindigkeit gehalten. Die Besitzer des Öls haben keine Eile ihre Fracht zu bekommen. Sie verwalten ihre Lager-Kapazitäten, indem sie die Schiffe auf einer gewissen Geschwindigkeit halten.«
Infolgedessen geht etwas sehr ungewöhnliches vor der Küste von Galveston vor, wo mehr als 39 Rohöl-Tanker mit einer Gesamtkapazität von 28,4 Million Barrel nahe Galveston in Warteposition liegen. Galveston ist ein Gebiet, in welchem Tanker vor Anker gehen können, bevor sie ihre Fracht bei Raffinerien in Houston und anderen Fabriken abliefern. Von Bloomberg zusammengestellte Tracking-Daten der Schiffe zeigen 30 Schiffe mit einer Kapazität von 21 Millionen Barrel. Die Schiffe warten derzeit 5 Tage, im Mai waren es noch 3 Tage.
Oel- und Glaubenskriege: Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet
AP beschreibt die Situation mit den Worten: »…ein Stau von Öl-Tankern ist das jüngste Signal für einen unnachgiebigen Versorgungsüberschuss«.
Mehr als 50 kommerzielle Schiffe lagen Ende letzter Woche vor den Häfen in der Region um Houston vor Anker, von denen nach Angaben von Houston Pilots, einer Organisation, die bei der Navigation größerer Schiffe hilft, 41 Tanker waren. Normalerweise finden sich dort der Gruppe nach 30 bis 40 Schiffe, zwei Drittel davon Tanker.
Obwohl der Kanal in den vergangenen Wochen wegen Nebel oder Flut zeitweise geschlossen wurde, verweisen Öl-Händler auf alles, von Kapazitätseinschränkungen, bis zum Mangel an Käufern.
»Es macht den Anschein, dass die Überversorgung im globalen Markt schlimmer wird«, sagte Matt Smith, Direktor für Rohstoff-Forschung bei ClipperData. Diverse Händler sagten, einige Schiffe könnten durchaus ohne Käufer angekommen sein. Sie seien schwer zu finden, da das reichliche Angebot und die Steuern zum Jahresende die Raffinerien dazu bewegen, ihre Bestände herunterzufahren (Krieg ums Erdöl: Dabei ist es doch unerschöpflich und Öl- und Glaubenskriege: Wie das schwarze Gold Politik, Wirtschaft und Religionen vergiftet).
Hier die Momentaufnahme von MarineTraffic (kann hier aktualisiert werden):
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All das erklärt auch dies:
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