Erkennen • Erwachen • Verändern

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Mittwoch, 7. Oktober 2015

Innere Erde Reptiloide - Erlebnisbericht

Thalos von Athos - Unter dem Ordensnamen Thalos von Athos beschreibt Alf Jasinski in seinen Aufzeichnungen Gespräche unter Eingeweihten und Besuche im Inneren der Erde. Christa Jasinski spricht mit Jo Conrad über das Vermächtnis ihres Mannes.Der Inhalt dieses Buches entstammt seinen persönlichen Tagebucheintragungen. Nicht Spekulationen, sondern Erfahrungsberichte sind Grundlage dieses Werkes. 



Leseprobe aus dem Buch: 


Leseprobe Nr. 1: S. 31 – 49
Beginn der Tagebuchaufzeichnungen Frater Thalus von Athos.
Skriptfassung von Alfons E. Jasinski.

Juni 2002
- Garmisch-Partenkirchen

Anordnung meines Hausarztes, mich einige Tage durch die Bergwelt und auf einer Almhütte zu entspannen: Neue Energie tanken.


Die vergangenen 12 Jahre eines emsigen, künstlerischen und mystischen Schaffens, forderten schon seit einiger Zeit ihren Tribut. Sowohl körperlich als auch geistig traten Erschöpfungszustände auf.
Die letzten zwei Jahre waren denn auch mehr eine innerliche wie äußerliche Vorbereitung auf ein zukünftig anderes Leben – aber, welches Leben, war mir damals noch nicht so recht bewusst. So stolperte und torkelte ich mehr durch diese Jahre als dass ich darin eine rechte Zielsetzung erkennen konnte.
Meine „Hausarzt“, der dies im Grunde gar nicht war, weil ich in der Regel keine Ärzte aufsuche, es sei denn, meine eigene Weisheit ist am Ende der „Selbstheilungsmöglichkeiten“, machte mir bei der dritten Konsultation klar, ich müsse dringend abschalten und mich von meiner Chemotherapie erholen. Mein Hautkrebs wurde 2000 festgestellt und in meiner Verblendung ließ ich eine „herkömmliche“ Krebsbehandlung mittels Pharmazie zu. In „der Mitte“ der Chemobehandlungen brach ich die Behandlung ab – mehr dem Tode nahe als dem Leben. Der Körper benötigte beinahe zwei Jahre, um die Giftstoffe wieder auszuschleusen und kam alleine mit der Ausheilung des „Krebs‘“ zurecht. In Folge dieser körperlich-seelischen Beeinträchtigung, traf ich auf meinen „Hausarzt“, der mich etwas anders behandelte. Es war eine „nicht unbedingt legale“ Behandlungs- und Unterstützungsmethode, wobei die Pharmazie keinen Gewinn machen konnte. (Zu diesem Thema später mehr).
An einem sonnigen Junitag nun trat ich meine „Erholungsreise“ in die bayrischen Alpen an. Alleine, ohne meine Gattin, ohne meine Ordensbrüder und mit einem seltsamen Gefühl, etwas Verbotenes, Egoistisches zu tun. Es war ja auch kein Urlaub – es war schlicht und einfach ein „Ausruhen, im Sinne von Faulenzen“ – und das ist etwas, das in Deutschland ungern „gemacht“ und Anderenorts „Wellness“ genannt wird! Die Konditionierung einer fast 50-jährigen Ausbildung zum Bundesbürger begann schon bei der Anreise zu greifen – ich fühlte mich wie ein Verräter an meiner Frau, am Orden und an der gesamten Gesellschaft. Obwohl meine Gattin der letztendliche Grund dieser Reise war – sie verdonnerte mich einfach liebevoll dazu – wusste ich nicht so recht, ob nicht dadurch der Blitz in mich einschlagen könne.
Nachdem ich nun angekommen und auf dem Marsch in Richtung fünf Stunden entfernter Almhütte war, stellte ich fest, wie ausgemergelt mein Körper sich dabei anstellte. Mein gesamter Organismus befand sich noch in der Abwehrhaltung des verbotenen Tuns und ich musste ihm klarmachen, dass er zu parieren hatte. Es entstand ein innerer Dialog, der sich zumeist akustisch nach Außen entließ und sich wohl so mancher Wanderer die größten Sorgen um mich (oder sich?) machte.
Die Geschmeidigkeit meiner Bewegungen waren zu vergleichen mit einem 80-jährigen Asthmatiker, der am Tropf hing und die letzte Ölung zu erwarten hatte. Dies kam mir vollends dann zu Bewusstsein als mich ein fröhlicher, zirka 80-jähriger Franziskanermönch grüßend überholte und meinte: „Sie haben wohl auch schon mal bessere Tage gesehen.” Bevor ich antworten konnte, war er schon an mir vorbei. Ich zeigte ihm Hinterrücks einen „Stinkefinger“, was er wohl gespürt haben muss, denn er sagte, ohne sich zu mir umzudrehen: “Holla – das ist nicht die feine Art.”
Über diese Begebenheit grübelte ich beim Weitergehen nach, machte mir so meine Gedanken, wie der Alte dies nun erraten hatte – vielleicht war er psychologisch sehr geschult und hat das von mir erwartet; von einem vor sich hin brummelndem Mann, dessen gesamte Körperhaltung auf Abwehr stand!?!
Bei einer meiner zahlreichen Pausen sah ich ihn wieder – er saß auf einem kleinen Felsen und hielt eine ausgiebige Brotzeit, die er vor sich auf einer kleinen Decke ausgebreitet hatte. Zuerst wollte ich gar nicht auf ihn stoßen und mich etwas seitlich verdrücken, aber er rief mir schon von weitem zu: „Seien Sie herzlich eingeladen – greifen Sie zu.”
Peinlichkeit stieg heiß in mir hoch, so, als ob dieser alte Franziskaner in mich hineinsehen könne. Ich schüttelte diese Idee energisch ab, überwand mich und ließ mich herab, auf ihn zuzugehen.
Er lächelte und hielt mir seine Rechte entgegen: “Frater Peter“, stellte er sich vor.
Nachdem wir uns einander vorgestellt hatten und ich, noch immer etwas verlegen, Platz nahm, besah ich mir diesen „Menschen der geistlichen Kategorie“. Ein alter Naturbursche, blaue Augen, schlank und groß gewachsen, nervige Hände und einem schier durchdringenden Blick, der jedoch freundlich und wohlwollend wirkte. In seiner Mönchskutte ein ungewöhnliches Bild in der Bergwelt, aber von seiner Ausstrahlung her passend und stimmig.
Während wir zusammen von seiner Brotzeit aßen und jeder sein mitgebrachtes Wasser trank, entwickelte sich bei mir ein langsam einkehrendes Gefühl des Wohltuns und ich legte so nach und nach mein schlechtes Gewissen betreffs meines Tuns ab. Unsere Unterhaltung trug dazu bei, dass ich zu verstehen begann, wie wichtig es für uns Menschen ist, sich mit anderen auszutauschen und den Alltagstrott einfach mal abzulegen, wie einen alten Mantel.
Frater Peter, wie es sich nun herausstellte, war bereits 89 Jahre alt und ein „frei gewählter Bruder der Franziskaner“ – er war zwar Ordensmitglied seit vielen Jahrzehnten, aber nicht den „oberflächlichen Ordensinhalten“ angebunden. Es bewegen sich innerhalb einiger Orden Gruppierungen, die einen eigenen Kern bilden und sich der hermetischen Lehren anzunähern versuchen. „Mystiker“, wie ich – aber keinem Orden fest zugehörig.
So spürten wir wohl voneinander relativ rasch, dass wir ähnliche Erfahrungs- und Forschungsarbeiten leisteten und es ergaben sich natürlich interessante Gespräche. Obwohl ich mir die Christliche Mystik nicht als Dogma vorstelle und bearbeite, beinhält sie dennoch eine tiefe Mystifikation der westlichen Welt, woraus sich alle anderen Lehren und Philosophien verständlicher verifizieren lassen.
Es stellte sich heraus, dass dieser Frater Peter ebenso auf „meiner“ Alm verbleiben würde und wir kamen überein, unsere Gespräche die folgenden Tage zu vertiefen. Die Fünfstundenwanderung zog sich für mich zu einer Siebenstundenquälerei hin, aber im Beisein dieser Franziskaners, schien sich mein Körper seltsamerweise etwas zu stärken. Worte vermögen eine Menge!
Im Verlaufe unseres gemeinsamen Wanderns erzählte ich ihm von meinen körperlichen Gebrechen und auch, wie sehr ich zurzeit „neben mir stehen“ würde. Von meinen Erfahrungen und Erlebnissen mit mysteriösen Dingen, von der Macht des Wortgebrauchs und den esoterischen Hintergründen unseres Weltgefüges, das sich so dermaßen ins Negative verrannt hatte.
„Das Ergebnis einer Jahrtausende alten Manipulation von falsch angewandten Kräften; bewusst verkehrten Wahrheiten einer „Priesterschaft“ zur Verhütung des kosmischen Verständnisses“, brummte Frater Peter einmal nickend, fuhr sich kopfschüttelnd durch seine langen, weißen Haare.
„Man könnte auch sagen, ein schweres Vermächtnis Atlantischer Weisheitslehren, die in die Hose gingen“, fügte er nachdenklich hinzu.
„Sämtliche Religionen und Gesellschaftsschichten basieren darauf und kaum ein Mensch schert sich darum“, entgegnete ich. „Die Niederhaltung einer Menschenmasse lässt sich nur dann bewerkstelligen, wenn man über göttliche Gesetze und einer demütigen Moralisierung die Macht darüber erhält.”
„Es geht nicht nur um die Erlangung der Macht über die Masse, sondern um die Verhinderung der menschlichen Selbsterkenntnis innerhalb der kosmischen Lebensgemeinschaft. Oder glauben Sie an das Märchen, nur die Erde und ihre Menschen darauf sei die einzige Spezies Gottes?“, warf Frater Peter hin.
„Unwahrscheinlich, dass sich das Schöpferprinzip auf nur einen einzigen Planeten ausschüttet und den Rest des Universums nur als nächtliche Lichterpunkte für irdische Betrachtungsweisen erstellt“, dozierte ich. „Außerdem dürfen wir auch nicht übersehen, dass Leben ein Prinzip ist, das sich aus kosmischer Energetik durch den Raum erstreckt und auf alle Materie wirkt; also auch auf andere Planetensysteme. Die Fülle des Lebens müsste im Kosmos vielfältig und vielschichtig sein.“
„Die Bibel weist vielfach auf eine kosmische Lebensvielfalt hin und in anderen alten Schriften, wie Sanskrit, Veden und den Mythologien aller Naturvölker tauchen „Himmelswesen“ und „Götter“ auf, die vom Himmel kommen. Viele davon in Feuer und Getöse und merkwürdig anzuschauen, zum Teil menschlicher Natur und zum Teil nichtmenschlichen „Anschauens“. Es wimmelt von derlei Sagen, Mythen und Heiligen Wesen“, erklärte Frater Peter. „Dennoch herrscht die gängige Ansicht, diese Aussagen seien metaphorischer Sicht und nicht beim Wort zu nehmen.“
Nachdem wir unser Quartiere bezogen hatten, ruhten wir uns etwas aus. Ich ließ den bisherigen Tag Revue passieren und empfand ihn letztendlich als etwas sehr Aufschlussreiches und Beeindruckendes.
Seltsam, wie schnell sich Alltagssorgen und Probleme in ein scheinbares Nichts zurückziehen konnten, wenn man sich erlaubt, die andere Seite des Lebens in sich einkehren zu lassen. Mein ursprünglich schlechtes Gewissen wich einem wohltuendem Gefühl, die folgenden Tage tatsächlich in einer ausgiebigen Erholung verbringen zu dürfen. Vor allem interessierte ich mich für den Franziskaner, der, wie mir schien, mehr über das Leben und seinen Höhen und Tiefen wusste. Etwas Besonderes ging von ihm aus, das mich irgendwie fesselte und mich sehr neugierig werden ließ.
Wir trafen uns zum Abendessen in der Almwirtschaft, wo wir an einem kleinen Tisch in der hintersten Ecke Platz fanden. Bewusst wählte ich ein bescheidenes Essen – eine kleine Käseplatte mit Brot und ein dunkles Bier dazu. Wir aßen ohne Gespräch und ein Jeder hing seinen Gedanken nach. Wie ich später von Frater Peter erfuhr, grübelte er darüber nach, wie er mich „mental packen“ könne, ohne mit der Türe ins Haus zu fallen. Ähnliches ging in mir vor, da ich vorhatte, soviel wie nur möglich aus diesem interessanten Menschen heraus zu holen.
Nach dem Abendessen begaben wir uns nach draußen, wo uns eine herrliche Abendstimmung in einem unbeschreiblichen „Alpenlicht“ erwartete.
„Ein Moment, wo man schlicht und ergreifend erkennen kann, woraus wir Menschen die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen ziehen können – ein Erkennen der Schönheit des Garten Eden, wie er in unserer Seele verankert ist“, seufzte er.
Dies konnte ich nicht überbieten! Seine Worte hatten bereits alles gezeichnet, was auch ich empfand.
Langsam nahmen wir unsere Unterhaltung wieder auf. In den Sonnenuntergang hinein flossen ihm meine persönlichsten Inhalte zu und ich empfand dies als etwas vollkommen Stimmiges und am rechten Ort zur rechten Zeit. Mein Bewusstsein nahm überhaupt nicht wahr, mit welcher Leichtigkeit mich dieser Mann zu öffnen beherrschte. Seine Gabe, zuzuhören und damit wortlos Frage und Antwort zu steuern, fiel mir den folgenden Monaten unseres Kontaktes immer wieder auf. Dennoch vermittelte er in seiner stillen und aufmerksamen Art auch Vieles an mich. Es entwickelte sich ein so tiefes Vertrauen zueinander, das sich 10 Monate später, an seinem Sterbebett, erst richtig offenbarte.
Mir schien, dieser Franziskaner beherrschte eine besondere Form von „Atmosphärenaufbereitung“, die einen Menschen dazu veranlasst, seine tiefsten Geheimnisse preiszugeben, ohne dabei einen Verrat an sich selber zu begehen!
„Dieses Alpenpanorama erinnert mich an eine Begegnung im Jahre 1938, im zarten Alter von 25 Jahren, mit Adolf Hitler“, blickte er mich forschend an. Da ich nicht „reagierte“, fuhr er fort. „Ich war in meiner Eigenschaft als SS-Offizier des „äußeren Kreises“ in einer wichtigen Mission nach Obersalzberg gekommen, um Adolf Hitler persönlich eine Mitteilung aus der Forschungsabteilung des Flugkreiselprojekts zu überbringen. Ich kam abends an und das Panorama war überwältigend – wie heute auch. Als ich so auf der großen Terrasse stand und gedankenverloren in das Panorama starrte, sprach mich der Führer von hinten an, so dass ich erschrak. Er lächelte, legte seine Hand auf meine Schulter und sagte, “Jawohl – nichts ist wahrhaftig Edler und Wichtiger, als die Betrachtung des stetigen Schöpfungsaktes“. Damit zog er mich zur Seite an den Gartentisch, wo ich ihm Bericht erstattete.“
„Sie haben ihn persönlich gekannt?“, fragte ich neugierig.
„Ja. Viermal traf ich auf ihn. Er war Privat scheinbar ein völlig anderer Mensch. Zu allen, die zum äußeren und inneren Kreis gehörten, war er freundlich, bescheiden im Auftreten und nicht der Fanatiker, wie ihn die Welt kannte. Allerdings konstant innerhalb eines besonderen Charismas, der bei allen eine Art Verlegenheit und Unterwürfigkeit hervorrief. Ich spürte immer, dass das ein Mensch ist, der weder Freunde noch menschliche Freude hatte; der innerhalb einer teilweisen Neutralität stand, die ihn förmlich umhüllte. Seine Augen waren voller Irrlichter und niemals in der Lage, sein Gegenüber nicht zu fixieren – ich hatte stets das Gefühl, er konnte einem bis auf den Seelengrund blicken und ihn, wenn nötig, wortlos zerreiben“, sinnierte Frater Peter nachdenklich.
„Es gibt da so gewisse Gerüchte, dass das Dritte Reich im Grunde nicht auf Hitler gewachsen ist und er lediglich hineinmanövriert wurde, weil bestimmte Kreise ihn ihm einen möglichen Avatar errechnet hatte. Ist Ihnen darüber etwas bekannt“, forschte ich ihn aus.
„Ja. Der Nationalsozialismus ist keine Erfindung Hitlers, sondern Programm eines viel früheren Konzepts anderer Kreise, die es sich in den Kopf gesetzt haben, das Weltreich zu schaffen. In Anlehnung an das biblische Reich Gottes auf Erden, das ja prophezeit wurde und wird, wurde ein Plan erstellt, der Verwirklichung nachzuhelfen.
Da der Mensch schon die größte und wichtigste Schöpfung Gottes sei, so habe sein Geschöpf auch die Pflicht und das Recht, IHM dabei Hilfe zu leisten. Und natürlich wären dazu nur die „Hüter der wahren Wahrheit“ in der Lage – und waren sie nicht Erleuchtete, Eingeweihte unterschiedlichster Geheimorden, Logen und Illuminaten, deren Ursprung göttlicher Natur ist!?“
Er sah mich lächelnd an. Sein Blick schien zu fragen, ob ich widersprechen wolle.
„Mir sind so einige Faktoren bekannt, da ich mich schon länger mit derlei Dingen beschäftige. Auch kenne ich einige Publikationen, die auf die okkult-esoterische Seite des Dritten Reiches hinweisen – einige erklären dies sogar äußerst plausibel und einleuchtend. Wenngleich sich mir beizeiten die Frage stellt, warum unsere deutsche Nazivergangenheit fast ausschließlich mit Größenwahn und dem Bösen schlechthin erklärt wird. Einige Historiker stellen sich sogar auf den Standpunkt, Hitler und seine braunen Schlägertruppen haben den Nationalsozialismus zum Tragen gebracht – was ja wohl ziemlich dürftig ist anhand von noch immer vorhandener Unterlagen und Zeitzeugen“, forderte ich ihn zum Weitersprechen auf.
„Sie haben sicherlich Recht – oberflächlich betrachtet und mit sehr wenig Fantasie, dazu noch eine gehörige Portion Ignoranz, gepaart mit Dummheit und geschwängert mit Massenverblödung, kann man schon annehmen, Hitler und Konsorten seien nur pervertierte Schlächter gewesen. Man muss die damalige Zeit, den ersten Weltkrieg und noch weitere fünfzig Jahre zurück mit einbeziehen, um überhaupt einen sachlichen Hintergrund zu skizzieren. Das 19. Jahrhundert war geschwängert mit einem weltumgreifenden Spiritismus, Mystifikationen, auftauchenden Weisheitslehren, wie die Theosophie der Blavatsky, Geheimlogen und Gutbürgertum kleinster Gesellschaften sowie Intellektuellenklubs. Die neue Welt, Amerika, und das alte Europa standen sich gegenüber als zwei Gruppen unterschiedlichster Weltanschauungen; Asien und der Orient wurden erforscht und deren Philosophien eroberten die europäischen Gelehrten und in Russland vollzogen sich massivste Veränderungen auf dem industriellen Sektor. Es war allgemein eine Zeit des Umbruchs, wie damalige Schriften und Chroniken belegen. Besonders die immer mehr auftauchenden Geheimzirkel, Logen und Finanzjongleure begannen stetig mehr an Einfluss zu gewinnen. Die europäische Bevölkerung war durch ständiges Kriegsgetümmel und Gutsherrentum ausgeblutet und es war ein leichtes Spiel für gewisse Jongleure, eine neue Philosophie zu installieren.“ Er nickte dazu und rieb sich die Augen. „Eine neue Ordnung musste her, darüber war sich selbst die ausgebeutete Arbeiterschaft bewusst. Schon alleine der Gedanke, die Zukunft könne nur noch besser werden, bot den Boden für Pseudoerlöser und Wortjongleure, die sich anschickten, auf einen kommenden europäischen Erlöser hinzuweisen. So wurden Prophetien hingebogen und Weisheitslehren aus dem Zusammenhang gerissen, um einen ersten, groben Zukunftsplan zu erstellen. Gewiefte Geister erkannten bald, dass ihr „Rohplan“ noch ausgefeilt werden müsse, um tatsächlich zum Greifen zu kommen. So mancher „Planer“ erkannte verblüfft, dass seine in die Welt gesetzten Stilblüten tatsächlich Früchte zu tragen begannen. Diese „Erkenntnisse“ bewirkten bei einigen Planern eine seltsame Veränderung – sie begannen selbst an ihre Befähigung eines „Vormessias“ zu glauben und gründeten Geheimgesellschaften, deren einziges Ziel es war, den „wahren Messias“ zu finden. Denn, es war ja an der Zeit, wie sie errechneten, dass die Wiederkunft Christi nicht mehr Ferne sei. Man muss sich einmal vorstellen, wie es sein muss, an sich selber festzustellen, man sei ein Auserwählter der Vorsehung – welcher auch immer – und man besitzt das Charisma der Wortgewaltigkeit; man bekommt Anhänger und Förderer, die einem dies alles bestätigen und stellt fest, alle um einen herum und ganze Völkerschaften machen das, was man sagt. Selbst das Dümmste machen sie, weil sie ganz einfach an einen glauben!“
„Auf die heutige Zeit übertragen“, warf ich ein, “ließe sich dies wohl nicht mehr so einfach bewerkstelligen.”
Frater Peter sah mich merkwürdig ernst an. Er zündete sich eine seiner grässlich stinkenden Zigarren an und paffte eine Reihe misslungener Rauchringe in die beginnende Dunkelheit.
„Wissen Sie, mein junger Freund“, brummte er kopfwiegend, „in der heutigen Zeit, wie Sie sich ausdrücken, finden sich meiner Ansicht nach noch viel mehr Gläubige als damals. Mit dem Unterschied, dass sie Beweise verlangen und auf etliche Wunder bestehen. Nichts, aber auch gar nichts hat sich in den Köpfen der Menschen verändert – außer, dass sie höhere Schulintelligenz und etwas mehr Egozentrik ihr Eigen nennen. Ein charismatischer Mensch, der die Massenseele zu fassen weiß, würde wieder eine neue Religion herbeiführen können. Mit dem Unterschied, dass sie sich ausgefeilter und psychologisch raffinierter tarnen würde. Wer sagt Ihnen denn, dass sich wirklich seit den letzten 150 Jahren etwas Wesentliches verändert hat?“
„Nun, mir ist schon bewusst, in einer Zeit mannigfaltiger Manipulation und Tatsachenverdrehungen zu leben. Aber heute sind die damaligen Geheimgesellschaften nicht mehr existent. Was sich heute innerhalb der Weisheitsschulen, Rosenkreuzer und Mystikerorden abspielt, ist öffentlich einsehbar und dient nur der Selbstfindung und seelischer Rückbesinnung. Es mag einige Gesellschaften geben, die die Weltwirtschaft und Politik bestimmen und aus dem Hintergrund wirken – allerdings haben die wohl kaum Einfluss in metaphysische Belange“, entgegnete ich.
„So, so – da spricht ein Kenner der Szene aber nicht des Szenarios“, lachte er unverblümt heraus. „Ja, was glauben Sie denn, wer denn nun zulässt, dass es solche Orden und Weisheitsschulen überhaupt geben darf? Vielleicht der Vatikan? Oder menschenliebende Weltpolitiker sowie Großkapitalisten? Möglicherweise besitzen diese Weisheitsorden und Mystiker ja auch soviel Energie und starke Kraftfelder, um das böse Übel daraus fern zu halten? Sicherlich – es hat alles seinen Sinn und Zweck und diese Mystikergesellschaften gehören zu dem großen Spiel im kosmischen Reigen. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen, nach unserem Kurzurlaub, so einige Details mehr aufbereiten, damit Sie sich ein besseres Bild um alle Zusammenhänge machen können“, lockte er mich.
„Aufbereiten klingt so nach konstruieren“, warf ich ablehnend ein.
„Keineswegs! Das klingt viel mehr nach Befriedigung einer Neugierde, die Ihnen förmlich aus dem Gesicht springt“, grinste er und streckte seine Glieder. „Ich werde mich in die Falle hauen. Morgen möchte ich um 05 Uhr losgehen, um die blaue Stunde in mich aufzunehmen. Kennen Sie die Blaue Stunde?“
„Nur im Zusammenhang mit einem vorabendlichen Trinkgelage“, entgegnete ich schmunzelnd.
„Die blaue Stunde bedeutet, dass die Sonne kurz vor ihrem horizontalen Aufgang in der blauspektralen Energie schwingt; die Atmosphäre vollbringt dieses Phänomen, die jedoch mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar ist. Es gibt Publikationen darüber und wissenschaftliche Abhandlungen – sollten Sie sich gelegentlich auch mal zu Gemüte führen.
Wir verabredeten uns also für 04 Uhr 30, um gegen 05 Uhr in die blaue Stunde zu marschieren!
*
An ein Einschlafen war für mich nicht zu denken; meine Gedanken schienen sich um alle möglichen und unmöglichen Dinge zu drehen. Vor allem kreisten meine Gedanken um jenen Zimmernachbarn, dessen Schnarchen bezeugte, um welche Zeit ein vernünftiger Mensch auszuruhen hat. Konnte ich ihm sagen, ein Eingeweihter eines Geheimordens zu sein?
Seltsamerweise dachte ich über mein vergangenes Leben nach und wie es sich nun heute Nacht vor mich hinstellte. Demnächst werde ich 50 Jahre alt und ich gedachte, noch mindestens 30 Jahre meinem Erdendasein zu frönen. Sollten sich jedoch die folgenden Jahrzehnte so gestalten, wie bisher? Wie gestaltete sich eigentlich mein Leben so im Gesamtzusammenhang?
Je mehr ich darüber grübelte, desto unzusammenhängender grinste mich die Fratze meines Lebens an. Mir schien, die Person „Mein Leben“ wies so einige Lücken, Löcher und Ausfransungen auf, dass man sie für eine schäbige Vogelscheuche halten könnte. Gut genug, um frechen Raben zur Belustigung zu dienen!
Ein heftiges Klopfen an der Zimmertüre riss mich aus meinen Überlegungen, wobei ich feststellen konnte, dass ich davon einen Großteil wohl geträumt haben muss.
„Raus aus den Federn – oder mögen Sie nicht!?“, rief von außen Frater Peters Stimme.
Ich grunzte eine schwache Zusicherung, in einigen Minuten auf dem Damm zu sein und wälzte mich aus dem Bett. Eine vollkommene Idiotie, mich gestern Abend auf so einen Schwachsinn einzulassen, bemitleidete ich mich selber und zelebrierte eine kurze Katzenwäsche.
In der Gaststube wartete Frater Peter bereits auf mich.
„Proviant habe ich gestern vor dem Zubettgehen noch geordert. Die Wirtin hat sie uns hier bereitgestellt“, deutete er umsichtig auf zwei größere Esspakete nebst zwei Flachen Apfelsaft. Je eine Flasche Bier zauberte er kurz aus seiner Umhängetasche und blinzelte schelmisch. „Für einen guten Schluck in Gottes Richtung allemal wichtig.“
Es hellte sich bereits zaghaft auf, aber es war auch ziemlich frisch und dunstig. Wieder nannte ich mich einen Idioten – im Bett wäre es jetzt so herrlich kuschelig!
„Es dauert nicht mehr lange und Sie werden sich wundern, wie schnell es sich hier aufklaren wird. Ein bisschen flott Gehen und wir gelangen noch rechtzeitig an eine Stelle, wo wir uns auf den Sonnenaufgang einstellen können. Es ist nämlich wichtig, sich darauf einzustimmen, um die Energien stärkend und belebend für sich aufnehmen zu können“, plapperte er angeregt und legte einen flotten Schritt vor.
In mir tauchten Zweifel auf, ob ich diese Marschgeschwindigkeit lange werde durchhalten können. Zudem rasselten meine Zigaretten-Raucherlungen, mein Herz raste und mein Ego war teilweise dermaßen pikiert, dass ich einmal laut sagte, es solle doch endlich mal sein vorlautes Maul halten. Von da an schien es langsam besser zu gehen – man muss sich gelegentlich einfach mal die Meinung sagen!
Nach einer halben Stunde machten wir in einer kleinen Senke Rast.
„Hier in dieser Senke, können wir den Sonnenaufgang besonders energetisch betrachten und aufnehmen. Obwohl die Sonne im Flachland oder auf den Berggipfeln bereits aufgegangen ist, wirft sie hier noch immer die blaue Schwingung ab“, dozierte er mit seiner angenehmen Stimme. „Funktioniert Ihr Ego nach der Standpauke oder schmollt es noch“, fragte er listig nach.
„Es funktioniert schmollend“, gab ich grinsend zurück. Der Alte bemerkte aber auch alles!
Der Sonnenaufgang in unserer Senke gestaltete sich dramatisch –aber ich erkannte weder die sogenannte blaue Stunde noch spürte ich eine sonderlich erhöhte Energie, die ich hätte aufsaugen können. Alleine, die Lichtbrechungen und das langsame Hellerwerden, faszinierten mich. Seit vielen Jahren sah ich keinen Sonnenaufgang mehr – man verpasst so viele angenehme Dinge im Leben, zum Preis hektischer Urlaubsreisen zu irgendwelchen Touristenhochburgen.
Ich fühlte mich wohl. War in diesem Moment mit mir und der Welt im Reinen. Auch dachte ich an meine Frau, die Zuhause sicherlich noch schlief und dieses herrliche Geschehnis gar nicht erahnen konnte. Kein schlechtes Gewissen – nur gute Gedanken, die ich ihr schickte.
Nach und nach bemerkte ich eine wohltuende Stimmung in mir und ich sagte mir, dass vielleicht genau dieses die aufzunehmende Energie der „blauen Sonne“ sein könne.
Als hätte Frater Peter meine Gedanken erraten, durchbrach seine Stimme die Stille.
„Eine Wohltat sondergleichen – nicht wahr! Sie kostet nichts, ist Allgemeingut und mit keinem noch so ausgewieften Verstand zu versteuern – zumindest noch nicht“, brummte er wie eine zufrieden Katze nach ihrem Mäusemahl.

Gegen 06 Uhr wanderten wir schweigend weiter. Bis heute weiß ich von den folgenden 3 Stunden nichts mehr – oder nur bruchstückhafte Eindrücke von der Bergnatur. Ich glaube, während dieser ganzen Zeit sprachen wir nichts; oder nur Banales, wie, um sich zu vergewissern, dass man noch DA ist.
Gegen 09 Uhr machten wir eine erste Rast, verspeisten etwas von unserem Proviant und beobachteten die ersten Wanderer des Tages. Dies gab mir ein Gefühl der Überlegenheit; zu wissen, dass ich bereits Stunden vor ihnen wanderte und vollgetankt mit Energie bin, die ihnen fehlt. Es war einerseits ein erhebendes, andererseits ein egoistisches Gefühl – aber dies störte mich im Moment nicht.
Wiederum schien er meine Gedanken erraten zu haben.
„Schon ein tolles Gefühl, zu wissen, man hat die Batterien voll, während andere auf halber Kraftreserve laufen – hm!?“
„Ja! Zumal ich mich tatsächlich voller Kraft fühle, wie schon Jahre nicht mehr. Mir erscheint im Moment alles sehr mysteriös, um nicht zu sagen, spirituell angereichert“, entgegnete ich verwundert über meine gute körperliche Verfassung.
„So ist es auch, mein lieber Wandergenosse. Im Grunde jedoch weniger mysteriös zu definieren; es ist das Wissen, man hat im Moment keine Verantwortung als nur für sich selbst und lässt sich etwas angedeihen, das in Grunde alltäglich sein müsste: innere Harmonisierung. Auch hierin lassen sich wieder unsere gesellschaftlichen Verirrungen ablesen, unser okkult gewordenes Lebensfeld, das uns regelrecht im Alltag auseinander reißt. Wir leben in einem für uns Menschen verkehrten Umfeld, mit einem verdrehten Glauben und einem verschleierten Wissen um die Beschaffenheit der wahren Realität. Unsere Realität ist das Produkt diametraler Kräftewirkungen – eine Matrix innerhalb einer höheren Matrix, dessen Inhalt wir kaum noch erfassen können. Diese diametrale Matrix ist ein künstlich geschaffenes Universum innerhalb eines unendlichen Universums, um unserem Ego eine Basis der Vorherrschaft zu geben.“
Als er bemerkte, dass ich ihm verstehend folgen konnte, fuhr er fort.
„Die ursprüngliche Matrix, aus der wir Menschenwesen hervorgegangen sind, legte uns keinerlei Selbstverleugnung und „Arbeit im Schweiße unseres Angesichts“ bei. In der materiellen Verkörperung unseres göttlichen Geistfunkens, einer sich selbst bewussten „Seele“, trat in dem Menschenwesen zugleich das diametrale Erkennen der Objektivität (Objekte) ein. Dies wird in vielen „heiligen Schriften“ als der Akt der Erkenntnis von Gut und Böse bezeichnet. Ursprünglich war nur das Erkennen von Gegenüberstellungen, vom sogenannten Du und Ich, vorhanden. Was Gut und Böse, Positiv und Negativ ist, bestimmt alleine das menschliche subjektive Empfinden; die Unterscheidungsfähigkeit von Prinzipiell und Wesenhaft. Nicht zu verwechseln mit Wesentlich! Das Prinzipielle ist kosmischer Natur und nur aufbauend, lebensspendend; das Wesentliche materieller Natur und somit verfallend, lebensaushauchend. Jede Materie „verflüchtigt“ sich zu seiner Ordnungszeit wieder zu Energie und kann dem kosmischen Kreislauf erneut zugeführt werden.
Die atomare Struktur unseres Menschseins basiert auf Fusion, während wir sie spaltend behandeln und dabei gar nicht mal in Erwägung ziehen, wie beschleunigend zerstörerisch wir in das kosmische Geschehen eingreifen. Unser exoterisches Tun entspricht nicht unserer esoterischen Herkunft und Grundausstattung. Dies war in früheren Menschenzeitaltern mal anders. Bevor sich der menschliche Geist in die Hybris einfasste, denn das war die größte Anmaßung gegenüber dem Schöpfungsprinzip, lebte er in einem paradiesischen Zustand und im Einklang mit der gesamten Natur. Tier-, Pflanzen-, Mineralreich und Menschenreich bedingten einander; es gab keine Feindschaft zwischen ihnen. Der damalige Mensch wusste um seine kosmische Einsetzung in der materiellen Welt; dass er ein „Werkzeug Gottes“ ist, um IHM seine Schöpfung in der Materie zu spiegeln. Alle Bewusstseinsträger im Kosmos sind „Rückmeldeprogramme“ einer höheren Ordnung, die in sich dynamisch ist und erst durch den Menschenwesengeist die Dynamik ins All bringen kann.“
Der Franziskaner redete sich warm, seine Worte unterstrich er mit ausdrucksvollen Gesten, als wolle er damit die Größe der Schöpferdynamik unterstreichen.
„Wenn Sie so wollen, geht ohne uns gar nichts im Kosmos – die Dynamik würde unbewusst verpuffen und das gesamte Szenario einer Schöpfungswiederholung müsste sich immer wieder erneut in neuen Varianten programmieren, bis so etwas wie ein sich selbsterkennendes Bewusstseinsprogramm zustande kommt. Deshalb heißt es in alten Weisheitsschriften – ich meine, den ursprünglichen – Gott liebt seine Geschöpfe und im Besonderen das Menschengeschlecht. Wir können uns getrost als Kinder Gottes erachten – schließlich schlummert in uns ein Teilwissen unendlicher Größe. Ganz egal, ob einer mehr weiß als der andere – jeder hat sein individuelles Wissen und das Subjektive des Schöpfers in sich.”
„Woraus sich schließen lassen müsste, dass der Mensch zwar subjektive Wissenschaften erstellen, sie jedoch nicht objektiv zur Anwendung bringen kann; es sei denn, in Form von künstlichen Erbauungen, die allerdings jeglicher Lebensenergie entbehren“, sinnierte ich vor mich hin.
Mir schien mein Gedankengang etwas zu träge zu funktionieren, weil in mir etwas sagte, ich sei nicht ganz im Bilde dessen, was ich sage; obwohl genau dies mein eigentliches Ordensthema berührt.
„Wir physischen Menschenwesen können nichts erschaffen, was sich als vollkommen neue und noch nie dagewesene Kreatur manifestiert – diese Schöpfungsgabe übersteigt unsere Autorisierung. Was als Erschaffung neuen Lebens bezeichnet wird, z. B. in der Gentechnologie, ist weiter nichts als eine anmaßende Selbstüberhöhung unseres Egos. Es, das Ego, äfft nach – wie dies auch einige andere Kosmosbewohner tun, deren Ego instabil und im Verfall ist. Das muss wohl auch etwas mit einem „kosmischen Verfallsdatum“ gemein haben“, grinste Frater Peter faunisch. „Man muss sich nur gelegentlich selber beim Schopfe packen, um zu erkennen, wie nahe man einem Verfall kommen kann, wenn man nicht auf seine innere Stimme hört.“
Mir fielen einige Lebensabschnitte ein, in denen ich sehr nahe am „Verfallsdatum“ vorbeigeratscht sein muss!
„Ich halte es nicht mehr nur von Ungefähr, dass ich mich heute nun mit Ihnen hier befinde“, plätscherte es nun aus mir heraus. „ Wenn alles im Leben eines Menschen einen tieferen Sinn zum Allgemeinverständnis hat, dann hat es auch einen wahrhaft tieferen Sinn, dass ich mich mit Ihnen unterhalte. Unsere Gespräche zielen alle auf Etwas hin, das ich mich seit geraumer Zeit frage: Wann und warum habe ich irgendwann in den letzten Jahren den Faden verloren. Außer meiner Ehe mit einer großartigen Gefährtin, finde ich in meinem Leben keinen Anknüpfpunkt, wo ich meine Lebensspanne mit anknüpfen könnte. Unter allen Lebensbemühungen – und wenn sie Anfangs noch so gute Sequenzen aufwiesen – lief ich am Ende immer wieder in die Leere. Ein wiederholtes Umkehren und Neubeginnen waren stets die Folgen – sämtliche mit ähnlichem Ergebnis. Da hat es auch nichts genutzt als sich mein Körper eine dickere Haut zulegen wollte und daraus Hautkrebs wurde – meine Leerläufe scheinen Programm zu sein.“
„Natürlich ist es ein sich immer wieder reproduzierendes Programm, wenn man es sich in seiner Grundkonstellation niemals ansieht“, entgegnete mein mysteriöser Gesprächspartner ernst. „Es gehört enormer Mut dazu, seine weltliche Programmierung näher anzusehen. Man wird zumeist feststellen, dass es voller Viren und Würmer steckt und deshalb nicht richtig funktionieren kann. Dann muss man ein Viren- und Wurmbeseitigungsprogramm erstellen und im Anschluss ein Schutzprogramm – was nicht so leicht sein dürfte. Aber mal die Ironie beiseite – im übertragenen Sinne stimmt es genau. Übertragungen sind Analogien – man kann alles in Analogie setzen, um einen tieferen Sinn dahinter zu erfassen; es ist das verschleierte Gegensätzliche, das es zu erkennen gilt, erst dann kann der Mensch Ganzheitlich bestehen. Das beginnt im Kleinsten und findet sich im Größten – alles bedingt sich im Gegenpoligen; wie sehr sich die „Gesichter“ auch im ersten Ansehen voneinander unterscheiden mögen. Wenn jemand Schwarz sieht, meint man auch nicht, er sähe eine schwarze Wand oder Ähnliches, man meint damit, er ziehe negative, dunkle Kräfte an und meidet deshalb so einen „Schwarzseher“. Wenn dieser Schwarzseher jedoch seiner Intention näher auf den Grund gehen würde, könnte er womöglich schnell erkennen, dass er nur ein von ihm selbst aufgebautes Programm abspult, bei einer immer wieder auftauchenden, adäquaten Situation, mit einem jeweils anderem Gesicht aber eben gleichem Zusammenhang. Hier greift das analoge Verhaltensmuster, das es zu durchschauen gilt.“
„Vielleicht habe ich ja meine „Fehlprogrammierung“ oder den Fehler im Programm erkannt, weiß aber nicht oder noch nicht, wie ich seinen wahren, unverfälschten Inhalt abrufen kann“, brummelte ich nachdenklich.
„Davon ausgehend, dass Sie Ihren Programmfehler erkannt haben – was ich stark annehme in Ihrer Art unserer Kommunikationsführung – sollten Sie nun auch die Konsequenzen daraus ziehen. Da Sie das Glück einer harmonischen Partnerschaftsbeziehung haben, dürfte dies nur noch halb so dramatisch zu verwirklichen sein“, blickte er mich interessiert an.
„Um Ihnen meinen Wesensinhalt zum Verstehen meiner Person und meinen Intentionen zu definieren, bedarf es wohl einiger Jahrzehnte, bis wir auf den Kern „der Sache“ vordringen würden“, warf ich nachdenklich ein. „Außerdem sind meine Gedankengänge oftmals dermaßen mystifiziert und voller Einfälle, um einem Psychiater sicherlich sein viertes Haus zu finanzieren.”
Wir lachten beide herzhaft und machten uns wieder auf den Weg.
Es folgte wieder eine Zeit des schweigenden Genießens der Bergwelt – und eine Menge Gedanken zu meinem Wanderpartner. Dass es nicht bei dieser einmaligen Bekanntschaft bleiben würde, fühlte ich ganz massiv. Solche Begegnungen können nicht ohne Folgen bleiben – es sei denn, man wäre förmlich innerlich abgestorben.
Diese seltsame Zeitverlorenheit wie am Morgen stellte sich wieder ein. Es überraschte mich als mein Begleiter „plötzlich“ sagte, es sei nun Zeit für eine kräftige Jause und dem langersehnten Biertrunk.
Seine Taschenuhr, die er mir hinhielt, zeigte auf 14 Uhr!
Es wurde dringend Zeit, umzukehren, wenn wir nicht nach Einbruch der Dunkelheit auf die Hütte zurückkommen wollten.
Auf unserem Rückweg sprachen wir nicht mehr sonderlich viel. Ich wunderte mich allerdings über seine Kondition – und insbesondere über meine eigene. Erst Monate später sollte ich erfahren, dass sich meine Selbstheilungskräfte in dem Moment aktiviert haben, als ich mich Frater Peter zu öffnen begann. Er hatte gewusst, wie es um mich bestellt war und mich motiviert, selbst-ständig die Eigenverantwortung für mich zu übernehmen. Und er wusste um seine Rolle darin – seine Rolle in meinem Leben; meine Rolle in seinem Leben!
Nach einer 14-Stundenwanderung, innerlich fit und äußerlich nur leicht „angemüdet“, nahmen wir vor der Almhütte auf einer alten Holzbank Platz. Unsere Wanderschuhe abstreifend und zufrieden grunzend, bestellten wir uns einen kräftigen Kaffee und einen großen Humpen Bier. Einige Leute saßen relativ erschöpft an den Nebentischen, sahen aber alle zufrieden und glücklich aus. Das Gefühl einer harmonischen Gemeinschaft stellte sich bei mir ein, dem ich auch Ausdruck verlieh.
„Mir geht’s einfach gut! Jeden Augenblick genieße ich und ich spüre ringsum von allen anderen Personen ähnliche Strömungen. In solchen seltenen Momenten empfinde ich mich fraglos – einfach und innerlich satt. Ich glaube, das ist es, was mir so manche Buddha-Figur zuerst vermittelt: Eine absolute Sättigung des Seins.“
„Mhm – und das ALLES ohne Technik, Computer, Telefon und Nachrichten. Oder gerade deshalb?“
Das ließen wir so stehen.
Thalus von Athos
(Leseprobe: S. 31 – 49)

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