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Freitag, 2. Oktober 2015

Deutschland sagt Nein zu Gen-Pflanzen

Redaktion 

Deutschland lässt keinen Anbau von genetisch veränderten Organismen (GVO) zu. Die Bundesregierung informierte jetzt die Europäische Kommission von ihrer diesbezüglichen Entscheidung. Bis zum 3. Oktober haben die Mitgliedsstaaten Zeit, sich gegen das neue EU-weite Gesetz zu entscheiden, das weitere genetisch modifizierte Pflanzen zulässt. Neben Deutschland haben sich auch andere EU-Länder dagegen entschieden.

Wie Die Zeit schreibt, habe Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt die Europäische Kommission schriftlich von der Entscheidung Berlins in Kenntnis gesetzt. In dem Schreiben heißt es der Wochenzeitung zufolge: »Der Anbau von gentechnisch verändertem Mais ist unvereinbar mit der in Deutschland üblichen Ackernutzung.«

Nach Ansicht von Behördenvertretern besteht das Risiko, dass genetisch veränderte Pflanzen konventionelle Pflanzen anstecken.

Das deutsche Nein wäre ein Rückschlag für große Agrarchemieunternehmen wie Monsanto, DuPont Pioneer und Dow Chemical, die pestizidresistenten Mais herstellen. Die Konzerne hatten in Brüssel bereits beantragt, genetisch veränderte Pflanzen auf dem Territorium der EU anbauen zu können. Die Anträge wurden »teilweise« genehmigt, hieß es in Brüssel.

Auch in Polen hat sich das Landwirtschaftsministerium dagegen entschieden, den Anbau von neuen GVO-Erntepflanzen zuzulassen. Zuvor hatten bereits Ungarn, Frankreich, Griechenland, Lettland und Schottland Brüssel von ihrem Nein informiert.

Zwar hat die Europäische Union insgesamt neue genetisch modifizierte Feldfrüchte zugelassen, aber über eine sogenannte Opt-out-Klausel können die einzelnen Mitgliedsstaaten für sichentscheiden, ob sie die Zulassung gegebenenfalls einschränken oder womöglich ganz aufheben wollen.

Während in Nord- und Südamerika sowie in Asien zahlreiche genetisch veränderte Feldfrüchte angebaut werden, ist die Haltung der EU-Mitglieder in dieser Frage stark gespalten.

Bislang wird in der EU als einzige GVO-Feldfrucht derMonsanto-Mais MON810 angebaut, und zwar in Spanien und Portugal. Zugelassen sind nach Aussage der Europäischen Kommission 58 gentechnisch veränderte Pflanzen für die Verwendung als Lebensmittel oder Tierfutter.

60 Prozent der pflanzlichen Proteine, die an Vieh verfüttert werden, stammen aus Soja und Sojamehl, das aus Ländern importiert wird, in denen der GVO-Anbau an der Tagesordnung ist.

Im April segnete die Europäische Union erstmals seit 2013 wieder die Einfuhr von zehn neuen Typen genetisch veränderter Pflanzen ab. Dazu zählen Sorten von Mais, Sojabohnen, Baumwolle und Raps. Die zugelassenen GVO können innerhalb der nächsten zehn Jahre zur Verarbeitung in Lebensmitteln und Tierfutter verwendet werden, teilte die Europäische Kommission seinerzeit mit.

Firmen wie beispielsweise DuPont Pioneer und Dow Chemical dürften die Opt-out-Möglichkeit nicht begrüßt haben. Sie warten seit bald 15 Jahren auf die Genehmigung, auch innerhalb der Europäischen Union genetisch veränderte Pflanzen anbauen zu können. Als sich Lettland und Griechenland im August gegen einen Anbau entschieden, stieß das bei Monsanto auf Kritik. Der Beschluss »stehe im Widerspruch« zur Wissenschaft, so der Konzern, der allerdings auch ankündigte, den Beschluss zu respektieren.

Wenn sich Länder dafür entschieden, einen GVO-Anbau nicht zuzulassen, »untergräbt das den wissenschaftlichen Konsens, der bei der Sicherheit von MON810 gilt«, so das Unternehmen.

»Mit Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass einige Länder von einem auf Wissenschaft basierenden Ansatz abweichen, was die Innovation in der Landwirtschaft anbelangt, und dass diese Länder beschlossen haben, auf der Grundlage willkürlicher politischer Gründe den Anbau eines erfolgreichen genetisch veränderten Produkts zu verbieten«, hieß es damals in der Pressemitteilung.

Gemäß den neuen EU-Regeln haben alle EU-Staaten bis zum 3. Oktober Zeit, die Europäische Kommission zu informieren, ob sie aus den neuen Regeln zum GVO-Anbau ausscheren wollen.

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