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Freitag, 18. September 2015

Sinkflug: Die Lügenpresse bekommt immer weniger aus Werbung

Markus Mähler

Die Großkonzerne ziehen beim Anzeigengeschäft mit Zeitschriften den Stecker. Deutsche Telekom, Volkswagen, Postbank und Deutsche Bank haben ihre Ausgaben halbiert. Besonders hart trifft das Titel wie Spiegel, Focus und Bild am Sonntag. In den Printhäusern wird bereits gezittert vor der Krise, die »historisch« ist.

Post vom Chef, davor hat jeder Angst. Besonders Journalisten kommen aus dieser Zitterpartie gar nicht mehr heraus, denn die Zeitschriftenverlage sind schon wieder in der Krise. Erst kam dieGlaubwürdigkeitskrise, dann liefen die Leser auf und davon, doch erst jetzt wird es wirklich bitter:

Die größten deutschen Werbekunden ziehen den Stecker und halbieren ihre Ausgaben. Der Geldstrom fließt nicht mehr, er tropft nur noch.

Post vom Chef haben deshalb gerade Tausende Mitarbeiter im Burda-Konzern bekommen – mit den Flaggschiffen Focus und Bunte immerhin die Nummer fünf am deutschen Medienmarkt und der Zeitschriftengigant im Land.

Burda-Vorstand Philipp Welte wählte einen dramatischen Ton im firmenweiten Rundschreiben:
»Was wir in unseren Anzeigenumsätzen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres erlebt haben, ist in seiner Wucht historisch nur vergleichbar mit der Wirtschaftskrise2009

Der Print-Anzeigenmarkt 2015: Sinkflug in die Trümmerlandschaft

2009 brachen die Anzeigenumsätze um 16,8 Prozent ein, ermittelte der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW). 2015 könnte noch ein größeres Katastrophen-Jahr fürJournalisten werden. Der Marktforscher Ebiquity mit Sitz in London hat gerade das deutsche Anzeigengeschäft analysiert und die Zahlen zeigen das Bild einer Trümmerlandschaft.

Die Großkonzerne gaben von Januar bis August 2015 nicht einmal halb so viel Geld für Anzeigen aus wie noch 2014. Der Schwund fällt drastisch aus: Telekom (minus 55,8 Prozent), Volkswagen (minus 55,2 Prozent), Union Investment (minus 46 Prozent), Deutsche Bank (minus 52,4 Prozent), Postbank (minus 57,7 Prozent).

Wenn die Großen gehen, bricht gleich der ganze Werbeumsatz mit Anzeigen ein. Allein die Bild am Sonntagverlor 20 Prozent. Media Impact, der Vermarkter für den gesamten Springer-Konzern, ist mit 12,2 Prozent im Minus. Auch Spiegel QC liegt 6,6 Prozent unter dem Vorjahr. Mit Anzeigenrückgängen kämpft auch Burdas Nachrichtenmagazin Focus.

Das Werbegeld ist nicht weg, es ist jetzt nur bei Google

Die Umsätze sinken schon seit 2007. »Aber wir beobachten derzeit eine Beschleunigung dieser Entwicklung«, kommentiert Ebiquity-Geschäftsführer Hellmut Fischer im Marketing-FachmagazinW & V. In den Zeitschriftenverlagen macht das Wort »Alarmstimmung« die Runde.

Das beeindruckt die Großkonzerne aber nur wenig, die ihren Abschied vom Gedruckten ganz einfach begründen: Sie wollen jetzt lieber in Onlinewerbung investieren. Dort kassieren nicht mehr die Journalisten.

Die Werbe-Platzhirsche im Netz sind mit 65 Prozent Marktanteil die Suchmaschinenbetreiber. Weil es dort aber einen Monopolisten gibt, der seine große Hand aufhält, fällt wieder nur ein Name: Das Werbegeld ist nicht weg, es ist jetzt nur bei Google.

Und wie reagieren die Print-Verlage auf die neueste Krise? Sie schicken ganze Zeitungen in die Pleite, stellen Zeitschriften ein und pressen aus immer weniger Journalisten immer mehr Journalismus heraus. Das geht nicht mehr an die Substanz, denn die ist schon abgenagt.

Was beim neuen »Journalismus auf Sparflamme« als Zeitungs-Zombie am Kiosk liegt, wird nämlich schon längst in der großen Zentralredaktion zusammengestöpselt.

Ein besonders drastisches Beispiel dafür ist die neue Gemeinschaftsredaktion der Funke Mediengruppe. Die sitzt in Berlin mit 120 Journalisten im Großraumbüro. Das Ganze erinnert aber eher an Hennen in der Legebatterie.

Alles auf »Sparflamme«: Journalisten in der Legebatterie

Sieben Tage die Woche, von 5 bis 24 Uhr, schreiben sie dort Artikel im Akkord. Austauschbare Stücke, die gleich in einem Dutzend Zeitungen recycelt werden. Vom Hamburger Abendblatt bis zur Berliner Morgenpost. Von der WAZ bis zur Neuen Ruhr Zeitung. Das ist die neue journalistische Einheitskultur.

Wer als Journalist in der Legebatterie lebt, kann eigentlich nur noch hoffen: Hoffentlich merkt der Leser nichts, denn dann sinkt die Auflage noch weiter und es sind nicht nur Großkonzerne, die sich als Werbekunden verabschieden. Spätestens dann wird für die Journalisten dieser Teufelskreis aber zur Schockstarre.

Quelle: KoppOnline 

Anmerkung ZZA: Es ist aber auch eine Tatsache dass sich Anzeigenkunden nicht mehr verarschen lassen, mit der angeblichen Reichweite der Schmierblätter. Laut eigener Springer Statistik werden die Gedruckten Ausgaben bis zu 21 mal (Klick) gelesen, bevor sie in der Tonne landet. Wer das noch glaubt, der hat selbst ein beGEISTeter Bild Leser. Unter dem Motto "BILD dir deine EIGENE Meinung" 

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