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Freitag, 18. September 2015

Revolutionäre Erfindung macht aus stark verseuchten Wasser Trinkwasser

Jonathan Benson

Es heißt, man solle ein Buch nicht nach seinem Umschlag beurteilen. In der Dritten Welt jedoch, wo sauberes Wasser oft nur schwer zu bekommen ist, lässt sich ein revolutionäres »antibakterielles Buch« nach der Wirksamkeit von Umschlag und Seiten bewerten. 



Eine Art Nanopartikel-haltiger Roman ist der neueste Versuch von Helfern in Afrika, die ein sicheres, chemiefreies Verfahren zur Aufbereitung von Trinkwasser für die Ärmsten entwickeln wollen.

Es geht ganz einfach: Die Seiten dieses trinkbaren Buchs sind mit Silber- und Kupfer-Nanopartikeln beschichtet, die bekanntermaßen antibakteriell wirken. Die Entwickler sagen, es könne in nicht trinkbares Wasser getaucht werden, um dieses aufzubereiten.

Berichten zufolge zeigen Versuche an 25 Orten in Afrika, deren Wasserquellen verseucht sind, vielversprechendes Potenzial; die metallverstärkten Seiten entfernen circa 99 Prozent der schädlichen Bakterien.

Geringe Mengen an Kupfer und Silber werden in das Wasser abgegeben. Sie können nützlich sein, ihre Toxizität ist vernachlässigbar gering, insbesondere in den niedrigen freigesetzten Mengen. Deshalb halten die Forscher die Methode für einen gangbaren Weg, verseuchtes Wasser aufzubereiten, wenn keine anderen, teureren Verfahren zur Verfügung stehen.

»Gedacht ist es für Gemeinden in Entwicklungsländern«, erklärte Dr. Teri Dankovich, als Postdoc-Forscherin an derCarnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania, an der Entwicklung des essbaren Buch beteiligt, jüngst beim 250. Treffen der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft (ACS).

»Man braucht nur eine Seite herauszureißen, in einen einfachen Filterhalter zu geben und Wasser aus einem Bach, Fluss, Brunnen usw. hineinzugießen, und heraus kommt sauberes Wasser – und auch tote Bakterien«, sagte sie in BBC News.

Schädliche Bakterien absorbieren Silber- und Kupfer-Ionen, die sie schließlich töten

Rund 663 Millionen Menschen auf der Welt hätten gegenwärtig keinen Zugang zu sauberem Wasser, sagte Dr. Dankovic. Oftmals könne es noch Jahre dauern, bis moderneWasseraufbereitungsanlagen gebaut würden, deshalb werde ein einfacheres Verfahren gebraucht.

Mit reinigendem Silber- und Kupferpapier ließe sich diese verbreitete Durst-Pandemie für Pfennigbeträge minimieren, dank der beeindruckenden Reinigungskraft dieser natürlichen Metalle.

»Ionen lösen sich von der Oberfläche der Nanopartikel, sie werden von den Mikroben absorbiert«, erklärte sie die Technik. Sie betonte, eine einzige Seite des trinkbaren Papiers könne bis zu 100 Liter Wasser aufbereiten. Ein ganzes Buch könne den Bedarf eines Menschen an sauberem Wasser für bis zu vier Jahre decken.

»In über 90 Prozent der Proben waren keine Bakterien nachweisbar, nachdem wir das Wasser durch das Papier gefiltert hatten. Es ist wirklich toll zu sehen, dass das Papier nicht nur im Labormodell funktioniert, sondern sich auch bei realen Wasserquellen, die die Menschen nutzen,erfolgreich erweist.«

In früheren Laborversuchen hatten Dr. Dankovich und ihr Team gezeigt, dass das Papier bei der Aufbereitung künstlich verunreinigten Wassers funktionierte. Bei späteren Feldversuchen stellte sie fest, dass das Papier in fast jeder Anwendung funktionierte; im Schnitt wurde der Bakteriengehalt um 99 Prozent reduziert. In den meisten Fällen war es zu 100 Prozent wirksam.

Selbst bei schwer verseuchten Abwasserproben reinigte das Papier das Wasser in beeindruckendem Grad.

»An einer Stelle wurden ungeklärte Abwässer in den Fluss geleitet, entsprechend hoch war dessen Bakteriengehalt. … Wir waren von der Wirksamkeit des Papiers wirklich beeindruckt, in diesen Proben tötete es die Bakterien beinahe komplett.«

»Wir müssen den Menschen [dieses Papier] zugänglich machen, um zu sehen, wie es sich auswirkt. Als einzelner Wissenschaftler kann man sonst nicht viel erreichen.«


Quelle für diesen Beitrag war u.a.:


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