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Mittwoch, 12. August 2015

Ukraine: Reporterin der Deutschen Welle provoziert Feuergefecht für die Kamera

Peter Harth

So wird bei der Deutschen Welle Propaganda gegen Moskau gemacht: Die Kriegsreporterin Kitty Logan war für den öffentlich-rechtlichen Auslandsfunk im Osten der Ukraine unterwegs. Sie wollte dort pro-russische Separatisten filmen, die den Waffenstillstand brechen – fand aber nur streunende Haustiere. Ein Separatisten-Kommandant bot der frustrierten Reporterin deshalb an, für die Kamera auf Regierungstruppen zu schießen – Logan willigte ein, provozierte damit ein stundenlanges Feuergefecht und wurde jetzt aus dem Land gejagt.


So hat sich die Deutsche Welle den Start ihrer neuen Informations-Offensive gegen Moskau bestimmt nicht vorgestellt. Die ist Teil des »Anti-Propaganda-Plans« der EU gegen Putin: Seit Dienstag werden russischsprachige Länder und die Ukraine mit den Zehn-Minuten-News DW Nowosti bombardiert – aber die ganze Welt interessiert sich gerade für ein ganz anderes Trommelfeuer im Namen der Deutschen Welle.
Der gebührenfinanzierte Staatsfunk zeigte am 30. Juni ein Drei-Minuten-Stück der Kriegsreporterin Kitty Logan. Darin feuerten Separatisten auf ukrainische Regierungstruppen. Jetzt schreibt Stefan Niggemeier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (9. August, Seite 49): Die Journalistin hat den Schusswechsel extra für die Kamera provoziert und ging in ihrer Rolle als Kriegsreporterin eindeutig zu weit.

»Soll ich auf die schießen, damit Sie was zu filmen haben?«

Niggemeier: Logan sei »frustriert« gewesen. Im Auftrag der Deutschen Welle suchte sie bereits eine ganze Weile im Osten der Ukraine nach pro-russischen Separatisten, die den Waffenstillstand brechen. Konnte »aber statt Kämpfen bloß verlassene Haustiere filmen«. Bis sie auf eine Gruppe von Frontkämpfern stieß. Der Separatisten-Kommandant fragte: »Soll ich auf die schießen, damit Sie was zu filmen haben?« Gemeint waren ukrainische Regierungstruppen auf der anderen Seite des Feldes.

Später beschrieb die Reporterin haargenau auf Facebook,was jetzt passierte: Der Redaktionsschluss nahte und Kitty Logan willigte ein: »Ach, okay, warum nicht.« Eine gefühlte Ewigkeit lag sie anschließend im Schützengraben und wurde Zeugin eines beispiellosen Kugelhagels: »Totales Chaos. Zwei Seiten feuern hier alles aufeinander ab, was sie haben. Panzerabwehrwaffen, Mörser, Raketen. Sie waren noch dabei, als wir uns verdrückt haben. Von wegen Waffenstillstand. Fühle mich allerdings ein kleines bisschen schuldig.«

»Ach, okay, warum nicht«

Vor allem aber war sie stolz auf ihr Filmmaterial. Ein inszenierter Beweis für die Kamera. Logan schrieb ganz freimütig, dass sie es war, die den Bruch der Waffenruhe provoziert hat. Warum behielt sie das aber nicht für sich? Weil die Reporterin glaubte, dass nur ihre engsten Freunde den Facebook-Post lesen werden. Falsch gedacht: Das Ganze sickerte durch und entfachte einen Sturm der Entrüstung: Jeder konnte nachlesen, wie Journalisten die Wahrheit in der Ukraine konstruieren.

Es kam aber noch schlimmer: Das von Logan für die Kamera provozierte Feuergefecht eskalierte. Nach Stunden wurde es zum Flächenbrand, die Schlacht um den Donezker Flughafen. Die Kriegsbeobachter der OSZE-Mission verfassten dazu sogar einen eigenen Bericht: »Die Kämpfe um den Donezker Flughafen gingen mit verstärkter Intensität weiter […]. Zwischen 12:45 Uhr und 16:53 Uhr hörten wir 96 ein- und ausgehende Explosionen durch Mörser, Anti-Granatwerfer, schweres Feuer von Maschinengewehren und Handfeuerwaffen und sahen 21 Luftschläge von 82-mm-Mörsern in einer Entfernung zwischen 2,5 und sieben Kilometern.«

Logan beging »zerstörerische Aktionen gegen ukrainische Staatsbürger«

Logans fragwürdiger Fernsehbericht in derDeutschen Welle belastet zwar die pro-russischen Separatisten, angegriffen wurden hier allerdings ukrainische Regierungstruppen. Hier war jemand über das Ziel hinausgeschossen. Der Inlandsgeheimdienst der Ukraine, der SBU,entzog der Reporterin am 31. Juli die journalistische Akkreditierung. Kitty Logan darf auch nicht mehr in das Land einreisen, weil die britische Journalistin »zerstörerische Aktionen gegen ukrainische Staatsbürger begangen habe«.

Die Deutsche Welle beendete die Zusammenarbeit mit der Reporterin – vorläufig. Reue für das von ihr provozierte Feuergefecht zeigt die Journalistin trotzdem nicht. Allerdings bestätigte sie, dass der Facebook-Post echt ist: »Nachricht an alle, die unerlaubt Fotos und Inhalt von meiner privaten Facebook-Seite genommen haben: Ihr habt daran kein Urheberrecht, um sie in irgendeiner Form zu benutzen.«

Deutsche Welle: »Keine Zweifel an ihrer Integrität«

In Bonn spielt der öffentlich-rechtliche Auslandsfunk diesen Skandal herunter. Deutsche-Welle-Sprecher Christoph Jumpelt sagt: »Wir haben an der journalistischen Arbeit von Kitty Logan nichts auszusetzen und keine Zweifel an ihrer Integrität.« Der Vorfall in der Nähe des Flughafens von Donezk sei anders abgelaufen, als ihn die Reporterin selbst im sozialen Netzwerk beschrieben hat. »Ihr privaterFacebook-Post ist allerdings sehr unglücklich formuliert. Sie hat sich dafür auch gegenüber der Regierung in Kiew entschuldigt. Mit keiner Silbe hat sie die Soldaten gebeten, das Feuer zu eröffnen.«

Das heißt: Weil eine Journalistin sich undeutlich ausgedrückt hat, sind Menschen in der Ukraine gestorben. Vielleicht sollte die Deutsche Welle ihren Reportern Nachhilfe in Sachen Menschlichkeit geben. Damit die in Zukunft auf die Frage »Soll ich auf die schießen, damit Sie was zu filmen haben?« anders als Kitty Logan reagieren: »Ach, okay, warum nicht.«

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