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Samstag, 22. August 2015

Fund in Polen? Rätsel um mysteriösen Panzerzug mit Nazi-Gold

Im polnischen Niederschlesien sorgt derzeit ein Schreiben des Anwalts Jaroslaw Chmielewski an die Gemeinde Walbrzych für Aufregung: Zwei seiner Mandanten – einer der Männer soll ein Deutscher sein – melden Ansprüche auf Finderlohn für einen angeblich von ihnen entdeckten gepanzerten deutschen Zug aus dem Zweiten Weltkrieg an. Laut Spekulationen könnte sich geraubtes Gold in dem Gefährt befinden. Ehe ihnen nicht zehn Prozent Finderlohn zugesichert werden, wollen die Mandanten des Anwalts allerdings keine näheren Angaben machen. 


Seit Jahrzehnten sind in Polen Gerüchte über Schätze und Raubgold in den Tunneln und Stollen der Bergbauregionen im Umlauf. Es geht um Schätze, die die Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs etwa von ermordeten Juden geraubt hatten und die sie vor dem Ende des Krieges nicht mehr rechtzeitig in den Westen schaffen konnten.
Polizei „bereit für Sicherungsmaßnahmen“
In Walbrzych (Waldenburg) geben sich die Behörden noch bedeckt: Ja, das Schreiben sei eingegangen, die Angelegenheit werde geprüft. Als völlig abwegig wird der angebliche Fund in der Bergbaustadt offenbar nicht gehandelt, denn es gab bereits ein Treffen mit Vertretern von Polizei, Feuerwehr und Militär. „Wir sind bereit, Sicherungsmaßnahmen durchzuführen“, sagte eine Polizeisprecherin im Nachrichtensender TVN24.
Auch Gemeindevorstand Jacek Cichura sagte, es gehe vorrangig um die Sicherheit der Bevölkerung. „Wenn der Zug tatsächlich existiert, ist er wahrscheinlich vermint. Er kann auch eine große Menge des Grubengases Methan erhalten“, sagte er der „Gazeta Wyborcza“. Die Zeitung berichtete am Donnerstag unter Berufung auf einen anonymen Informanten, die Schatzsucher hätten den Zug mithilfe von Georadaren in der Umgebung Walbrzychs gefunden. Er soll sich bis zu 70 Meter unter der Erde befinden.
Am Donnerstag berichtete der Rundfunksender Radio Wroclaw von neuen Spekulationen über den Fundort – der Zug befinde sich womöglich unter einer ehemaligen Bahnstation in Walim, wo im Mai heimlich gegraben wurde. Sechs Bohrlöcher wurden auf dem Gelände entdeckt – einen Antrag auf Grabungserlaubnis habe niemand gestellt, so Bürgermeister Adam Hausman. Zeitzeugen zufolge wurde im Mai 1945 in Walim ein Konvoi gesichtet, dessen Wagen die Zeichen der Reichsbank trugen.
Anwalt: „Mich wundert, dass von Gold die Rede ist“
„Das ist ein Fund von Weltrang, vergleichbar mit der ‚Titanic'“, trumpfte Anwalt Chmielewski im Gespräch mit Radio Wroclaw auf. Doch dem Juristen geht es eher um die historische Bedeutung: „Mich wundert, dass von Gold die Rede ist“, sagte er. „Niemand weiß, was im Inneren des Zuges ist. Das kann ganz gewöhnliches Industriematerial sein.“ Über seine Klienten schweigt sich der Anwalt aus: Er wisse eigentlich gar nichts über den Fall, versicherte er aufgeregten Journalisten. „Ich habe nur eine Rechtsberatung gegeben.“
Joanna Lamparska, eine niederschlesische Lokalhistorikerin, verwies darauf, dass in der Region um Walbrzych in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs gleich zwei Züge mit Nazi-Gold verschwunden sein sollen. So jedenfalls erzählt es die örtliche Legende. „Niemand konnte jemals die Existenz dieser Züge beweisen“, warnte sie im Gespräch mit TVN24 vor überhöhten Erwartungen – auch wenn ein tatsächlicher Fund eines deutschen Zuges eine „unglaubliche Entdeckung“ wäre.
Immer wieder Spekulationen über Schätze unter der Erde
Ganz neu ist die Schatzsuche in den Tunneln und Schächten Niederschlesiens nicht. In der Nähe von Walbrzych befand sich während des Zweiten Weltkriegs ein weitreichendes Tunnelsystem. Wegen der Luftangriffe in der Endphase des Krieges sollte die deutsche Industrieproduktion unter die Erde verlagert werden (Verschollener Bunker in Österreich entdeckt: Ließen die Nazis hier die Atombombe bauen?). Vor Jahren machten bereits einmal Gerüchte die Runde, dass sich das legendäre Bernsteinzimmer in der Region befinden könnte, etwa in einem Tunnel mit Verbindung zum Fürstenschloss von Walbrzych.
Bisher wurde nichts gefunden.
Auch nun blühen wieder Spekulationen: So werden einmal bis zu 300 Tonnen Gold in dem geheimnisvollen Zug vermutet, einmal eine Ladung Diamanten.

Quelle: PravdaTV

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