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Montag, 24. August 2015

Der Dow verliert über 1.000 Punkte: Großes Entsetzen an den Weltbörsen

Markus Gärtner

Bitte anschnallen für das Grande Finale. Nach dem Kurs-Massaker mit minus neun Prozent in China gehen heute auch die westlichen Börsen in die Knie. Der Dow Jones Index verliert zum Auftakt des Handels am Nachmittag über 1000 Punkte. Das sind über sechs Prozent. Der DAX rauscht mit nach unten: Das Minus beträgt mehr als sieben Prozent. Es scheint, als gäbe es kein Halten mehr. Der Dollar verliert zwei Prozent, der Ölpreis schmiert fünf Prozent ab.

Den Startschuss zum Rausch in die Tiefe hat am Montag früh China gegeben. In Shanghai rutschte das Leitbarometer, der Composite Index, für das laufende Jahr nach einem Einbruch von neun  Prozent ins Minus. Wut und Entsetzen unter Chinas Börsianern sind so groß, dass im Morgengrauen aufgebrachte Anleger in Shanghai den Chef der Fanya Metals Exchange, einer Börse für Industriemetalle der zweiten Reihe, aus seinem Bett zerrten und der Polizei übergaben.

Dass die Chinesen nun ihr schlimmes Börsianer-Los selbst in die Hand nehmen und Betrüger in eigener Regie zur Strecke bringen, zeigt das völlige Versagen der KP und der Behörden. Diese können trotz einer Hexenjagd auf Aktienverkäufer sowie trotz drastischer Kaufbefehle für staatliche Fonds den Kollaps der Kurse nicht aufhalten.

In Deutschland ist der DAX-Index am Montag früh zunächst um etwa drei Prozent eingebrochen und damit erstmals im laufenden Jahr unter die Marke von 10 000 Punkten gefallen. An Europas Börsen löste sich in den ersten Stunden des Handels ein Börsenwert von 230 Milliarden Euro in Luft auf. Der Verlust entsprach der jährlichen Wirtschaftsleistung von Portugal. Dieser Wert wurde in kürzester Zeit regelrecht pulverisiert. Und das war noch, bevor die Wall Street am Nachmittag im Sturzflug die neue Börsenwoche einläutete und alles deutlich schlimmer machte..

Aber nicht nur an den Aktienmärkten kracht es. Auch im Wechselkurs-Universum herrschen schwere Turbulenzen. Nicht nur der Dollar kommt ins Rutschen. Der russische Rubel brachgegenüber dem Dollar wegen der kollabierenden Ölpreise auf den niedrigsten Kurs aller Zeiten ein.

Nur der Euro, der unter dem politischen Chaos in Griechenland sowie wirtschaftlicher Stagnation in der Euro-Zone und einem miserablen Krisen-management stark leiden müsste, ist plötzlich gegenüber dem Dollar und anderen Währungen ein sicherer Hafen.

Das ist keine verkehrte Welt. Die scheinbare Stärke des Euro zeigt nur, wie viel maroder die anderen Volkswirtschaften und Währungen derzeit sind. In Asien bahnt sich eine Krise wie 1997 an. Die Aktien des fernöstlichen Kontinents sind am Montag auf den niedrigsten Stand in drei Jahren gefallen. In Tokio kollabierte der Nikkei-Index um vier Prozent, weil Japan in eine erneute Rezession rutscht, obwohl die Zentralbank des Landes gemessen am Bruttoinlandsprodukt mehr Geld druckt als alle anderen.

Derweil rutschen Energie- und Rohstoff-Notierungen auf immer neue Tiefs ab. Der Rohstoff-Index von Bloomberg hat den niedrigsten Stand in diesem Jahrhundert erreicht. Die grassierende Furcht, dass in China, der zweitgrößten Volkswirtschaft auf dem Planeten, die Sicherung durchbrennt und es zu einem Finanz-GAU kommt, ist aber nur vordergründig der Panik-auslöser.

In Wirklichkeit macht sich unter Anlegern und Investoren eine doppelt deprimierende Einsicht breit: Sie wurden von den Mainstream-Medien, die fleißig die Kurs-Dompteure der Wall Street zitieren,wieder einmal hinters Licht geführt. Die Erholung der US-Wirtschaft findet nicht statt. Europa enttäuscht weiterhin. Japan bleibt in der Abwärtsspirale. Und in China sieht es deutlich brenzliger aus, als alle zugeben.

Jetzt geht – und das ist der entscheidende Punkt – der Glaube daran verloren, dass die Notenbanken auch in diesem tosenden Sturm wieder alles richten werden. Ihre Pipeline ist zwar nicht leer, sie können noch viele Billionen Dollar über dem Planeten abwerfen. Aber die Zinsen können sie nicht weiter senken. Und das viele neue, künstlich geschaffene Geld wird nichts an den Überkapazitäten der weltweiten Industrie und an der schwachen Nachfrage der Konsumenten ändern. Diese werden von eskalierenden Steuern, stagnierenden Reallöhnen und Schulden regelrecht erdrückt.

Was jetzt droht, ist nicht schwer zu erkennen: Die US-Notenbank, die immer noch alle im Glauben lässt, sie werde im Herbst eine Zinswende nach oben einleiten, sie wird kneifen. Die Abwertung des Yuan in China und die Schwäche der Weltkonjunktur – nicht zu vergessen die marode Wirtschaft in den USA – erlauben keine Anhebung der Leitzinsen, höchstens eine kosmetische, die nichts verändern wird.

In Europa wird EZB-Chef Mario Draghi die Geldschleusen noch weiter öffnen. Neuwahlen in Griechenland, die ungewisse Zukunft des dritten Hilfspakets sowie nachlassendes Wachstum und erneut steigende Anleihe-renditen werden eine noch exzessivere Geldpolitik erzwingen. Bringen wird sie freilich ebenso wenig wie das, was Notenbanken in den USA und Japan erfolglos vorexerziert haben.

Wie schwach die Weltwirtschaft inzwischen ist, zeigen die führenden Barometer aus der Reederei-Branche. DerShanghai Containerized Freight Index und der Baltic Dry Index fallen wie reifes Obst im Herbst. Die Raten für den Gütertransport auf See von Asien nach Nordeuropa sind allein in der vergangenen Woche für 20-Fuß-Container knapp 27 Prozent gefallen.

Laut ZeroHedge sind die Frachtpreise jetzt 60 Prozent niedriger als vor drei Wochen. Besser lässt sich nicht illustrieren, wie die Weltwirtschaft gegen die Wand fährt. In diesem Umfeld lässt sich von den zu allem entschlossenen Investmentbanken nicht einmal mehr der Preis von Gold nach unten manipulieren. Er hat seit Beginn des Monats um 80 Dollar je Feinunze zugelegt.
Quelle: KoppOnline 

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