Donnerstag, 27. August 2015

Ägypten: Grab von Tutanchamun – Forscher will legänderes Grab von Nofretete gefunden haben (Video)

Es ist eine sensationelle Vermutung. Ein britischer Forscher will auf Bildern der Tutanchamun-Grabkammer Anzeichen für zugemauerte Durchgänge entdeckt haben.
Liegt dahinter ein legendäres Grab?
Der britische Archäologe Nicholas Reeves soll auf Einladung der ägyptischen Regierung seine These zum Grab der Nofretete mit internationalen Wissenschaftlern erörtern. Anschließend sei eine Expertenbegehung des Grabs von Tutanchamun (1332-1323 v. Chr.) geplant, sagte Antikenminister Mamdouh Eldamaty der Zeitung „Ahram Online“.
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(Bild: Der britische Forscher Nicholas Reeves will auf Fotografien aus der Tutenchamun-Grabkammer Anzeichen für zugemauerte Durchgänge entdeckt haben)
Reeves will auf hochauflösenden Fotografien aus dem legendären Grab im Tal der Könige Anzeichen für zugemauerte Durchgänge entdeckt haben. Dahinter könnte sich seiner Meinung nach das bislang unentdeckte Grab von Nofretete verbergen.
Die Auffindung eines seit der Antike unberührten ägyptischen Königsgrabes wäre eine archäologische Sensation.
Eldamaty, der selbst Archäologe ist, sagte, sein Ministerium könne sich ohne weitere wissenschaftliche Prüfungen nicht zu der Theorie Reeves‘ äußern. Er selbst neige jedoch zu der Ansicht, Nofretete müsse in Tell el-Amarna bestattet sein, dem Regierungssitz Echnatons.
Rund zehn Millionen Besucher haben das Grab seit der Entdeckung durch Howard Carter im Jahr 1922 besichtigt. Nun soll neben Carters Haus im ägyptischen Theben-West eine Nachbildung entstehen.
„Mutmaßungen und kühne Schlussfolgerungen“
Dieses Projekt war für Reeves Anlass, sich die Aufnahmen des Grabs genauer anzusehen. Dort entdeckte er Durchbrüche in der Wand, die seiner Ansicht nach zu einem bislang unentdeckten Raum führen könnten. Reeves spekuliert, dass es sich dabei um das legendäre Grab der Nofretete handeln könnte.
Der ehemalige Direktor des Ägyptischen Museums in Berlin, Dietrich Wildung, sieht Spekulationen um das unentdeckte Grab zwiespältig. Reeves Theorie sei eine Mischung aus „exakten stichhaltigen Beobachtungen“ und „Mutmaßungen und kühnen Schlussfolgerungen“, sagte der Archäologe dem Deutschlandradio Kultur.
Das Problem der Grabstruktur
Laut Reeves soll das Grab in der Zeit angelegt worden sein, als Nofretete die Große königliche Gemahlin von Echnaton war. Dies soll die außergewöhnliche Struktur mit Rechtsknick des Grabes erklären, die Reeves mit der ähnlichen Struktur des Grabes WAD 2 der Königin Hatschepsut vergleicht. Doch die Theorie passt laut dem Ägyptologen JoachimWilleitner nicht zu dem Grab der Tiaa, einer Nebengemahlin Amenophis‘ II. und Mutter Thutmosis‘ IV. Das nach Hatschepsut entstandene Grab KV32 weist diesen Achsknick nicht mehr auf. Wenn es also ein Königinnengrab von Nofretete wäre, wäre dies ein bautechnischer Rückschritt.
Ein weiteres Problem dieser Rechtsachse ist eine für die Amarna-Zeit typische Baumethode, die Gräber einfach geradeaus in den Felsen zu schlagen, damit Atons Strahlen bis tief in das Innere scheinen konnten. Eine Technik, die sogar nach Echnatons Tod noch von Eje und sogar Haremhab und den Ramessiden übernommen wurde. Warum sollte also ausgerechnet Nofretete sich in einem Grab mit Knickachse bestatten lassen? Für einen Beamtengrab jedoch war dies nicht untypisch, was die bisher geläufige Theorie, das Grab wäre ursprünglich für den Wesir Eje angelegt worden, bestätigen könnte.
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Das Problem der Mitregentschaft
Nachdem Nofretete als „einfache“ Königsgemahlin mit dem Bau des Grabes anfing, soll sie das Grab nach Reeves als Mitregentin erweitert haben und als Pharaonin Semenchkare baute sie es schließlich als Pharaonengrab um. Als Beweis, dass Nofretete und Semenchkare ein und dieselbe Person sind, führen viele Ägyptologen einen gleichen Namen an. Semenchkare trug den Thronnamen „Anch-cheperu-Re“. Den gleichen Beinamen, nur mit einer weiblichen -t Endung trug auch schon Nofretete: „Anchet-cheperu-Re“.
Das letzte archäologische Lebenszeichen von Nofretete wurde auf einer vor wenigen Jahren gefundene Steinscherbe in den Steinbrüchen von El-Berscheh gefunden, auf der Nofretete im Jahr 16 von Echnatons Regierung als „Große königliche Gemahlin, seine Geliebte, Herrin der Beiden Länder, Neferneferuaton Nofretete“ erwähnt wird. Sie lebte also mindest bis in das letzte/vorletzte Regierungsjahr Echnatons.
Die Theorie der Mitregentschaft und ‚Semenchkare=Nofretete‘ ist bei vielen Ägyptologen umstritten. Auf einem Wandrelief im Grab des Schatzhausvorstehers Merire II. in Amarna (Grab 2) wird Echnatons Tochter Merit-Aton als Gemahlin Semenchkares bezeichnet. Dass Nofretete eine ihrer eigenen Töchter ehelichte, ist nicht ganz leicht nachzuvollziehen.
Das Problem KV55
Willeitner und einige andere Ägyptologen bezweifeln zudem, dass die Mumie im Grab KV55 wirklich die von Echnaton ist. Die Ergebnisse der Untersuchungen von 2010 sollen zwar belegen, dass es sich bei der schwer beschädigten Mumie um den „Ketzerkönig“ handelt, doch ein wissenschaftlicher Bericht darüber ist nie veröffentlicht worden. Frühere Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass es sich bei der Mumie um einen jüngeren Mann handeln muss. Und da käme eigentlich nur Semenchkare infrage. Und: Warum wurde Nofretete in einem prunkvollen Grab beigesetzt, während ihr Ehemann, wenn es denn seine Mumie ist, in dem winzigen, undekorierten Grab KV55 (um-)gebettet wurde?
Wie wir auch schon im letzten Bericht geschrieben hatten, ist es zudem schwer nachvollziehbar, warum Nofretete ausgerechnet ein Grab in der Hauptstadt des verfemten Gottes Amuns angelegt hat und das zu einer Zeit als der Aton-Kult noch im vollen Gange war. Die Annäherung an die Amun-Priester müsste also sehr früh passiert sein. Oder, wie Reeves in einem Interview der Ahram Online angibt, Nofretete begann ihr Grab in den ersten Jahren nach Echnatons Thronbesteigung, als die Königsfamilie noch in Theben weilte und Echnaton noch den Namen Amenophis IV. trug. Dass es eine Annäherung an die Amun-Priester noch zu Echnatons Herrschaft gab, belegt das „Pere Graffiti“ (im Grab TT139) aus Theben. Anchcheperure (Nofretete als Semenchkare) hatte einen Totentempel bei Theben vorbereitet, also warum nicht auch ihr Grab weitergebaut?
Video:


Das Antikenministerium übt sich jedoch noch sehr in Zurückhaltung. Der Antikenminister Mamdouh el-Damaty hat bisher nur seine Bereitschaft signalisiert, mit Reeves in Kontakt zu treten. Zudem will das Ministerium ein Gremium aus Wissenschaftlern und Archäologen gründen, das die Richtigkeit von Reeves‘ Theorien vorab klären soll. Na, hoffentlich ist Hawass nicht Mitglied dieses Gremiums.
Bis Reeves also mal mit einem Radarmessgerät in Tutanchamuns Grab aufschlägt, wird also noch viel Wasser durch den Nil fließen. Hoffen wir, dass es überhaupt passiert.
Quelle: PravdaTV

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