Mittwoch, 29. Juli 2015

Zensur-Lüge: Springers Welt inszeniert WM-Skandal gegen Putin

Peter Harth
2018 wird der transatlantische Springer-Konzern eine Propaganda-Kanonade gegen die russische Fußball-WM abfeuern. Einen Warnschuss gibt es von der Welt schon jetzt: Das Blatt konstruierte einen »Skandal vor der WM-Auslosung in Russland – Losfee Hulk ausgeladen«. Weil der Fußballer »die Wahrheit« sprach, wurde er auf Putins Geheiß »ausgetauscht«. Das Springer-Skandälchen entpuppt sich schnell als NATO-gesteuertes Medien-Märchen.

Der Springer-Journalist Patrik Krull inszenierte für die Welt eine makabre Anti-Putin-Kampagne:»Skandal vor der WM-Auslosung in Russland.« Brasiliens Nationalspieler Hulk, »der größte Star der russischen Liga«, sollte am Samstag die Qualifikationsgruppen für die WM 2018 auslosen.»Nun wurde er ausgetauscht.«

Stimmt, Hulk spielte am Samstag nicht mehr die Losfee, sondern Fußball – aber der ganze Rest des Welt-Artikels ist ein abenteuerliches Medien-Märchen voller Konjunktive und Mutmaßungen. Fakten werden verschwiegen und die journalistische Sorgfalt mit Füßen getreten. Springer verdreht die Realität gehörig: Weil Hulk Mut zur »Wahrheit« hatte, wurde der Stürmerstar vom russischen Fußballklub St. Petersburg angeblich zum Opfer der Zensur.

»Hulk soll wohl mundtot gemacht werden«

Also wieder eine kritische Stimme, die in Russland verstummt, ein weiteres Opfer der Apparatschiks im neo-zaristischen Reich des Bösen, »weil unangenehme Wahrheiten im Putin-Reich nun mal Konsequenzen nach sich ziehen«, fabuliert Krull und weiß um das Frösteln, dass das Publikum beim Lesen haben wird: »Hulk soll wohl mundtot gemacht werden

Krull schreibt bewusst im Konjunktiv, es ist nur eine Mutmaßung. Ganz sicher hetzt dieser Artikel aber die deutschen Leser an der Heimatfront wieder gegen Russland auf. Das transatlantischeSpringer-Blatt hat seinen NATO-Auftrag erfüllt.

Doch was ist eigentlich passiert? Die Fakten: Der dunkelhäutige Brasilianer äußerte sich am 20. Juli zu einemRassismus-Vorfall am ersten Spieltag der russischen Liga. Der Ghanaer Emmanuel Frimpong reagierte auf Affenrufe aus dem Publikum mit dem Mittelfinger und wurde dafür vom Platz gestellt.

Hulk stellte sich auf die Seite des Ghanaers: »Das passiert in der russischen Liga in jedem Spiel. Früher habe ich mich aufgeregt. Heute werfe ich den Fans Küsse zu. Dennoch ist es eine Schande. Wenn das in drei Jahren ebenfalls passiert, wäre es hässlich und widerlich.« Gemeint ist die WM 2018 in Russland.

Springers Welt: Wer hat an der Uhr gedreht?

Ein paar Tage später soll Hulk nicht mehr an der WM-Auslosung teilnehmen. Für Springers Welt ist der Fall sofort klar. Krull schreibt: Es »ist davon auszugehen, dass Hulk kurzerhand ausgeladen wurde«. Die Zensur-Strafe für den gefallenen Fußballstar, weil er die unangenehme Wahrheit aussprach.

Nein, die Welt verdreht hier selbst die Wahrheit – und dreht die Uhr zurück. Hulk wurde am 22. Juli – also zwei Tage nach dem Rassismus-Vorfall – überhaupt erst als Losfee nominiert. Das bestätigen die FIFA und auch der russische Fußball-Verband RFS. Sieht so die Strafe für den kritischen Brasilianer aus? Wäre es nicht zensur-logisch gewesen, ihn gar nicht erst als Losfee zunominieren? Außerdem hat niemand Hulk»kurzerhand ausgeladen«, wie Krull es behauptet. Weder der RFS, noch die FIFA. Der Brasilianer sagte selbst ab – aussportlichen Gründen.

Böse FIFA + böser Putin = Skandal

Auf der Webseite seines Clubs Zenit St. Petersburg schreibt Hulk: »Durch den langen Flug und den Wechsel der Zeitzonen kann ich nicht dabei sein. Ich danke jedem im WM-Organisationskomitee noch einmal für die Einladung.« Er musste ein Auswärtsspiel im 2000 Kilometer entfernten Jekaterinburg bestreiten. Während in Moskau die WM-Gruppen ausgelost wurden, saß Hulk im Flieger.

Die Welt konstruierte daraus »eine billige Retourkutsche eines um Anerkennung ringenden Regimes […], das jeden Kritiker mundtot machen will. Außerdem dürfte es ein abgekartetes Spiel zwischen Russland und der Putin wohlgesinnten Fifa-Führung gewesen sein.« Krulls Simpel-Logik sieht so aus: Böse FIFA + böser Putin = Skandal. Er selber mag daran glauben, doch einen Beweis liefert er dafür nicht. Keinen einzigen.

Das viel wahrscheinlichere Szenario

Sehr viel wahrscheinlicher ist es, dass Zenit St. Petersburg den Stürmer unter Druck setzte. Die FIFA wollte den Topstar des russischen Fußballs als Aushängeschild bei der WM-Auslosung dabei haben, doch mit seinem Club war das nicht abgesprochen. Die FIFA-Liste der Losfeen zeigt das Problem: Hulk war der einzige Spieler, der im Moment aktiv spielt – also eigentlich gar keine Zeit hatte.

Zenit sah nicht ein, weshalb der Club zum Saisonauftakt auf seine Tor-Maschine verzichten soll. Man gab den Spieler nicht für die FIFA-Werbeaktion frei. Nach außen wurde das Ganze als Absage verkauft, die von Hulk selbst kam.

Dieses Szenario fehlt im Welt-Artikel komplett – weil es nicht zum FIFA-Putin-Zensur-Märchen passt. Obwohl sich damit zwei entscheidende Fragezeichen wie von selbst auflösen. Diese Fragezeichen musste die Welt ja umständlich verschweigen. Erstens: Warum nominierten FIFA und russischer Fußballverband Hulk trotz seiner kritischen Äußerungen zum Rassismus-Vorfall? Antwort: Es war trotz allem eine Belohnung, keine Strafe.

Die Absage kam vom Verein und nicht durch Putins ominöses Zensur-Regime. Zweitens: Weshalb existiert kein einziger Beweis für die Ausladung durch die FIFA und den RFS? Die gab es nie, Hulk musste sich aus sportlichen Gründen selber ausladen. Dafür schoss er aber zwei Tore in einem Spiel, was er sonst verpasst hätte.

Deutsche Medien-Einigkeit bei der Stimmungsmache gegen Russland

Unter dem Wort-Getöse verstecken sich kein großer Skandal, keine Putin-Zensur und auch keine NATO-taugliche Propaganda – es ist einfach nur eine sportliche Randnotiz. Nicht nur SpringersWelt hat den Vorfall aber trotzdem wieder zur neuesten Anekdote des Kalten Medien-Kriegs aufgebauscht. Der Focus übernahm den »Skandal« 1:1 – auch die Süddeutscheerklärte: »Fifa setzt Hulk ab«. Im Handelsblatt war der »kritische Hulk nicht mehr Losfee«. Noch derber titelte das Springer-Boulevardblatt B.Z.»Nach Rassismus-Kritik – Fifa wirft WM-Losfee Hulk raus«.

Weil es um vorverurteilende Stimmungsmache gegen Russland geht, sind sich Deutschlands Medien wieder einmal auffallend einig.

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