Donnerstag, 30. Juli 2015

Wer klaut eigentlich lebende Mönchsmumien?

Wir hatten von einem Mönch berichtet, der in Rußland an der Grenze zur Mongolei in einem Glaskasten sitzt, und eine solche "Lebende Mumie" ist. Hambo Lama Daschi-Dorsho Itigelows ist 162 Jahre alt und Ärzte bestätigen, daß er lebt. Er hat Körperfunktionen, eine Körpertemperatur und reagiert auf seine Umwelt, wenn auch sehr, sehr langsam. Die "Siberian Times" berichtet, die mongolische Polizei habe im Frühjahr 2015 eine weitere solche, gestohlene "Lebende Mumie" sichergestellt. Es sei allerdings nicht - wie anfangs vermutet - der Hambo Lama Iltigelows, sondern sehr wahrscheinlich sein Lehrer. 


Genau wie der 1852 geborene und oben als "lebende Mumie"abgebildete Lama Dashi-Dorzho Itigelow (von dem wir berichteten) ist der beschlagnahmte Mönch in Usbekistan in der Provinz Songinokhairkhan anscheinend nicht tot, sondern befindet sich möglicherweise ebenso lediglich in einem tiefen Zustand der Meditation, dem sogenannten "Tukdam". Er war in eine Art Umzugskarton verpackt und mit Tesa-Paketfilm fest verklebt worden. Sozusagen "versandfertig". Er sollte nach Angaben der Polizei auf dem Schwarzmarkt verkauft werden.

Ein Beamter gab bekannt, daß die "Mumie" aus einer Höhle in der Region Kobdsk von einem etwa 45 Jahre alten Mann namens "Enthor" gestohlen woden war. Er habe den Körper nach Ulan Bator transportiert, von wo aus er ihn auf dem Schwarzmarkt für einen sehr hohen Preis angeboten habe. Die Lokale Zeitung behauptet, der Mönch sollte über die Grenze der Mongolei geschmuggelt werden. Nach Artikel 18 des Strafgesetzbuches der Mongolei wird das Schmuggeln von "Gegenständen des kulturellen Erbes" entweder mit einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 43.000 Euro oder einer Gefängnisstrafe zwischen fünf und 12 Jahren geahndet.

Der meditierende Mönch befindet sich zur Zeit streng bewacht im Nationalen Zentrum für forensische Analysen in Ulan Bator.


Das "Diebesgut" bei seiner Sicherstellung durch die Polizei
Mummified monk is ‘not dead’ and in rare meditative state, says expert
In dieser kleinen Hütte war der Mönch in dem Karton versteck worden, bis die Polizei einen Hinweis bekam
Der Mönch sitzt im Lotussitz, ist noch in das typische orange Mönchstuch gekleidet und vollkommen unverwest und scheint ebenso noch - auf die bei Hambo Lama Itigelow festgestellte Weise - in tiefster Meditation zu existieren und zu leben. Zur Zeit werden forensische Untersuchungen an dem etwa 200 Jahre alten Körper durchgeführt. Einer der Experten ist Dr. Barry Kerzin, ein Arzt des Dalai Lama und selber ein sehr berühmter buddhistischer Mönch. Er habe mehrere solcher meditierender Mönche ärztlich begleiten dürfen, sagt er. In den letzten 50 Jahren soll es in Indien und Tibet etwa 40 solcher Mönche geben.

Schafft es ein Meditierender, länger als drei Wochen in seiner Haltung und tiefer Meditation zu verharren (was nur selten gelingt), fängt der Körper langsam an zu schrumpfen, lebt aber weiter. Nach langer Zeit und am Ende dieses Prozesses, so Kerzin, bleibe von dem Meditierenden nichts als Haare, Fingernägel und die Kleidung zurück. Meistens sei dann über eine Weile von sieben Tagen ein leuchtender Regenbogen über dem Mönch zu sehen. Ein Zeichen, daß er seinen "Regenbogenkörper" gefunden habe. Damit sei dann der Meditierende im höchsten Stadium angekommen und ganz nah bei Buddha.

Mummified monk is ‘not dead’ and in rare meditative state, says expert
Der Mönch unbekleidet im Lotussitz - er wird von forensischen Experten untersucht
Ganhugiyn Purevbata, Begründer und Professor des "Mongolischen Instituts Buddhistischer Kunst (Mongolian Institute of Buddhist Art) an der Buddhistischen Universität in Ulan Bator sagt zu der Haltung der lebenden Mönchsmumie: "Der Lama sitzt in der Lotus-Position "Varja", die linke Hand geöffnet und die rechte Hand symbolisiert das Predigen des Sutra. Das ist ein Zeichen, daß der Lama nicht tot ist, sondern sich in einer tiefen Meditation befindet, ganz nach der Tradition der buddhistischen Lamas".

Abgesehen davon, daß es ein barbarisches Unding ist, einen solchen heiligen Mann einfach zu klauen, in eine Pappkiste zu stecken und auf dem Schwarzmarkt zu verhökern: Wer tut sowas? Und wer kauft denn tatsächlich einen solchen mumifizierten, aber noch lebenden heiligen Fast-schon-Buddha? Das ist schwer vorstellbar. Das Karma, das man sich damit zuzieht, kann man ja in X Inkarnationen nicht mehr abbauen.

Der Dieb Enthor hat ja jetzt genug Zeit, in seiner Haft diese Dinge zu überdenken und vielleicht selbst zu meditieren. Wenn man die Zeit so "absitzt", geht sie bestimmt schneller herum. Und außerdem: Würde sein reicher und sicher mächtiger Käufer nicht Regress fordern, wenn sich der teure, heilige Mann in seiner Sammlung - wahrscheinlich in einer Vitrine hockend - nach und nach ins Jenseits verdünnisiert und nur noch Haare und Fingernägel übrig bleiben?


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