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Donnerstag, 23. Juli 2015

In dieser Kapelle soll die Bundeslade liegen

Sie soll magische Fähigkeiten gegen das Böse haben. Doch der Verbleib der Bundeslade ist eines der größten Geheimnisse der Menschheit. Eine Theorie besagt, dass sie sich in Äthiopien befindet.In der alten Kapelle der Kirche der Heiligen Maria von Zion in Axum soll angeblich die Bundeslade mit den zehn Geboten liegen.

In der alten Kapelle der Kirche der Heiligen Maria von Zion in Axum soll angeblich die Bundeslade mit den zehn Geboten liegen.

(Foto: DPA)

Es ist noch Nacht, als sich ein Pilgerzug ganz in Weiß gekleideter Gläubiger in völliger Stille zu einer kleinen Kapelle im Hochland Nordäthiopiens aufmacht. Der orangefarbene Vorhang am Eingang weht leicht im Wind, dann treten mehrere Priester mit Zeremonienschirmen heraus. In der Mitte ist ein Geistlicher in einem prächtig verzierten roten Umhang auszumachen, der eine mit einem schwarzen Tuch abgedeckte Truhe auf dem Kopf trägt: Eine Kopie der Bundeslade, oder des "Tabot", wie die legendäre Reliquie in dem Land am Horn von Afrika genannt wird.
Dann ziehen rund 1000 Menschen langsam in einer Prozession durch die alte Kaiserstadt Axum. Wie fast alle der rund 45 Millionen orthodoxen Christen in Äthiopien sind sie überzeugt, dass die originale Bundeslade in der Kapelle gleich neben der Kirche der Heiligen Maria von Zion aufbewahrt wird. Sie zählt zu den heiligsten Gegenständen der Menschheit.
Die Truhe wurde der Bibel zufolge unter Anleitung von Moses, möglicherweise um 1440 v. Chr., nach genauen Anweisungen Gottes gebaut: "Macht eine Lade aus Akazienholz; dritthalb Ellen soll die Länge sein, anderthalb Ellen die Breite und anderthalb Ellen die Höhe. Du sollst sie mit Gold überziehen inwendig und auswendig, und mache einen goldenen Kranz oben umher. (...) Und mache Stangen von Akazienholz und überziehe sie mit Gold und stecke sie in die Ringe an der Lade Seiten, dass man sie damit trage", heißt es in 2. Mose, Kapitel 25.
Die Bundeslade sollte die Steintafeln mit den zehn Geboten beinhalten, die Moses von Gott auf dem Berg Sinai empfangen hat. Ihr wurden magische Kräfte gegen das Böse zugesprochen: So sollte sie fähig sein, Berge einzuebnen und ganze Armeen zu töten. Nach der Zerstörung des Salomonischen Tempels in Jerusalem, Anfang des 6. Jahrhunderts v. Chr., verschwand die Bundeslade spurlos - und ihr Aufenthaltsort gehört zu den großen Rätseln der Geschichte.

"Wir wissen einfach, dass sie hier ist"

Hollywood hat sich mit der verschollenen Truhe ebenso beschäftigt wie Archäologen, Wissenschaftler und Verschwörungstheoretiker. In den 1980er Jahren war Indiana Jones der "Jäger des verlorenen Schatzes", 1992 veröffentlichte der britische Autor Graham Hancock seinen Bestseller "Die Wächter des heiligen Siegels - auf der Suche nach der verschollenen Bundeslade" (Original: The sign and the seal), in dem er die These vertritt, dass das Relikt in Äthiopien zu finden sei.
"Wir wissen einfach, dass die Bundeslade in Äthiopien ist", sagt Zemikael Brhane, der Diakon der Kirche. Schon vor 3000 Jahren sei sie nach Axum gekommen. "Gott selbst hat dieses Land auserwählt - und Axum ist unsere heiligste Stadt", betont der Geistliche und schlägt seinen weißen Umhang über die Schulter.
Menelik, der Sohn der Königin von Saba und des Königs Salomon, soll die Truhe der Legende zufolge aus Jerusalem mitgebracht haben. So steht es im äthiopischen Nationalepos, dem Kebra Negast ("Vom Ruhm der Könige") aus dem 14. Jahrhundert. Demnach war die in der Bibel erwähnte Königin von Saba gebürtig aus dem heutigen Äthiopien. Sie hieß Makeda, war schwarz, wunderschön, sehr reich - und suchte nach Weisheit. Als sie von der Weisheit Salomons hörte, reiste sie nach Jerusalem, wo sie mehrere Monate blieb und den König becircte. Die beiden Regenten zeugten ein Kind.
Auf Menelik I. gründet auch die salomonische Kaiserdynastie, die das Reich am Horn von Afrika drei Jahrtausende lang regiert hatte. Der letzte der äthiopischen Kaiser war der charismatische Haile Selassie (1892-1975). Im Jahr 1965 ließ er zwischen der alten und der neuen Kirche St. Maria von Zion die Stein-Kapelle erbauen, in der die Bundeslade seither angeblich aufbewahrt wird.
Abba Gebre Meskel tritt aus dem kleinen Gotteshaus hinaus auf den Vorplatz. Er ist wie alle äthiopischen Mönche in ein gelbes Gewand gehüllt und spricht am Zaun kurz mit mehreren Gläubigen. Hinaus darf er nicht: Der Geistliche hat sich verpflichtet, die Bundeslade bis zu seinem Tod unablässig zu bewachen. Der heute 56-Jährige ist seit 30 Jahren der Hüter des "Tabot".
Einer der wenigen Nicht-Geistlichen, die mit dem Wächter sprechen durften, ist Ephrem Brhane. Der 30-Jährige beschäftigt sich leidenschaftlich mit der Geschichte seines Heimatlandes und führt Touristen und Gläubige aus aller Welt zu den Sehenswürdigkeiten von Axum.
"Der Mönch hat mir erzählt, dass er sich als einer der glücklichsten Menschen der Welt fühlt", sagt Brhane. "Abba Gebre Meskel ist zu 200 Prozent überzeugt, dass es sich um die echte Bundeslade handelt - sie habe nicht nur die genaue Form, die in der Bibel beschrieben wird, sondern strahle auch eine ungeheure Kraft aus."
Der Hüter schläft angeblich nur zwei Stunden pro Tag. Er isst eine einzige Mahlzeit um sieben Uhr abends, meist ein einfaches Gericht aus dem typischen Fladenbrot Injera und Bohnen. 22 Stunden lang betet er immer wieder an der stets mit einem prächtigen Stoff verhüllten Bundeslade, die in einem der sieben Zimmer der Kapelle aufbewahrt wird. Kurz vor seinem Tod bestimmt er einen Nachfolger.
"Die Menschen im Westen brauchen immer sichtbare Beweise, aber wir Äthiopier müssen die Bundeslade nicht sehen, um zu wissen, dass sie hier ist - wir spüren es einfach", sagt Diakon Zemikael Brhane. Auch das langjährige Oberhaupt der orthodoxen Kirche Äthiopiens, Abune Paulos (1935-2012), hatte keinen Zweifel, dass die Reliquie in seiner Heimat ist. «Sie befindet sich bei uns in Axum», sagte der Kirchenfürst 2009 überraschend nach einer Audienz bei Papst Benedikt XVI. in Rom. Äthiopien sei der Thron der Bundeslade, seit Hunderten von Jahren. «Das Gesegnete bleibt. Das Heilige bleibt. Die Bundeslade ist nicht von Menschenhand gemacht. Sie ist ein Geheimnis.»
Aber warum Äthiopien? Das ostafrikanische Land war das erste in Sub-Sahara-Afrika, das christianisiert wurde - und zwar bereits im 4. Jahrhundert. Dies geschah unter der Regierung des axumitischen Königs Ezana, der um 350 zum Christentum übertrat. Damals erlebte das axumitische Reich gerade seine größte Blüte. Noch heute zeugen monumentale Stelen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören, von der großen Bedeutung des einstigen Königreichs. Mittlerweile ist die Stadt größtenteils verfallen. Sie wirkt - wie so viele Orte in Äthiopien, wo Bauern noch mit hölzernen Ochsenkarren die Felder bestellen - tatsächlich geradezu biblisch.
Weil das Dach der Kapelle seit einigen Jahren undicht ist, wird derzeit gleich nebenan ein neues Gotteshaus mit einer goldenen Kuppel gebaut. "Irgendwann wird der Mönch den Original-Tabot nachts in die neue Kapelle tragen - aber wann das geschehen wird, weiß niemand", erklärt Diakon Zemikael. "Am nächsten Tag wird er es dann der Welt verkünden."
Die Gläubigen ziehen unterdessen in ihrer nächtlichen Prozession durch Axum. Sieben Tage im Monat wird jeweils um 4.30 Uhr morgens eine Kopie des «Tabot» durch die Stadt getragen. Jede der rund 50 000 orthodoxen Kirchen des Landes bewahrt in ihrem Zentrum eine solche Kopie auf.

Existenz wird ein Rätsel bleiben

Aber nur in Axum ist es wegen der Heiligkeit des Ortes verboten, Moscheen für die muslimischen Mitbürger zu bauen. Eine erstaunliche Vorschrift angesichts der Tatsache, dass fast die Hälfte der 94 Millionen Äthiopier dem muslimischen Glauben angehört.
Nur die Kerzen, die die Menschen in der Hand halten, beleuchten die Hütten, die schlafenden Tiere am Straßenrand und die antiken Stelen der Kaiserstadt. Ein magischer Zeitsprung: Nichts erinnert daran, dass die Welt sich im 21. Jahrhundert befindet. Die Gläubigen singen unablässig ein Gebet in der uralten Liturgiesprache Ge'ez. Sie bitten um die Vergebung ihrer Sünden und darum, Äthiopien und die ganze Welt zu schützen. Dann wird auf dem Gelände der Kirche die Messe zelebriert, während der Himmel sich langsam bleich erhellt und die Sonne hinter den Hügeln einen neuen Tag ankündigt.
Da niemand außer dem Hüter je in die Nähe der Bundeslade darf, wird ihre Existenz ein Rätsel bleiben. Abenteurer, Forscher und Gläubige werden aber weiter nach ihr suchen, in Israel, Jordanien und Äthiopien - vermutlich vergeblich. Wer den Zauber und die spirituelle Macht Axums einmal erlebt hat, beginnt jedoch möglicherweise selbst daran zu glauben, dass es die Bundeslade wirklich gibt - im Hochland Äthiopiens, in einer kleinen Kirche, bewacht von einem einzigen Mönch. 
Anmerkung ZZA: Dieser Artikel ist zwar in typischer Lügenpresse Jargon verfasst worden, beinhaltet aber definitiv einen wahren Kern. Wenn man die Wahrheit vertuschen will, dann mach sie öffentlich und gleichzeitig lächerlich. Ein alter Trick. 

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