Donnerstag, 9. Juli 2015

Außerirdische Wesen: Sehen sie aus wie Menschen?

Andreas von Rétyi

Lange waren viele Forscher überzeugt: Unsere Fantasie reicht nicht aus, um sich außerirdische Lebensformen und Intelligenzen vorzustellen. Doch die Biologie folgt offenbar sehr festen Prinzipien, die überall im Kosmos gleich sind. Ein britischer Professor ist jedenfalls überzeugt: Die »anderen« sehen uns sehr ähnlich.

Ob es irgendwo »dort draußen« bewohnte Welten und intelligente Lebensformen gibt? Diese Frage dürfte eigentlich gar nicht gestellt werden! Es wäre doch geradezu vermessen anzunehmen, wir hier auf der kleinen blauen Kugel seien die einzigen. Schon der italienische Gelehrte Giordano Bruno war überzeugt davon, dass es zahllose bewohnte Welten gibt. Nicht zuletzt deshalb wurde er als Ketzer verurteilt und landete auf dem Scheiterhaufen.

Heute sind bereits rund 2000 Planeten um andere Sterne entdeckt, darunter auch erdartige Welten. Immer noch bezweifeln viele Fachgelehrte die Existenz menschenähnlicher Wesen dort. Von deutlich humanoid aussehendem Leben jenseits der Erde auszugehen, zeuge eher von Fantasiemangel und einer Unterschätzung der biologischen Variationsbreite, so meinen sie und verweisen auf die gigantische Artenvielfalt, wie sie allein schon auf unserem Planeten anzutreffen ist.

Wissenschaftliche Spekulationen befassten sich unter anderem mit der Möglichkeit intelligenter Reptilien auf fremden Planeten. Während Umweltveränderungen auf der Erde zum Aussterben der Dinosaurier führten, könnte die Entwicklung auf anderen Welten für die Echsen günstiger verlaufen sein und sich fortgesetzt haben. Vielleicht erlebten Beuteltiere oder Insekten »andernorts« gleichfalls eine Evolution zu hochintelligenten Formen. Solche Ideen diskutierte auch der 2008 verstorbene amerikanische Journalist Gene Bylinsky zum Anfang der 1980er‒Jahre in seinem bekannten Buch Evolution im Weltall (engl. Life in Darwin's Universe) auf Grundlage damaliger wissenschaftlicher Einschätzungen. Hinzu kamen Ideen zu völlig fremdartigen Lebensformen, für die es auf der Erde keine Entsprechung gibt.

Heute allerdings ändert sich das Bild. Der führende britische Paläontologe und Evolutionsbiologe Simon Conway Morris will belegen, wie ähnlich uns Außerirdische tatsächlich sein könnten. Nicht etwa, weil wir so »toll« sind und hier als vermeintliche »Krone der Schöpfung« auf diesem Planeten sitzen, sondern weil auch die biologischen Grundregeln ziemlich universal sein dürften. Schon vor einigen Jahren ließen Forscher der Royal Society London eine ähnliche These verlauten, diskutierten sehr humanoide Außerirdische und brachen damit beinahe schon ein Tabu.

Jetzt schlägt Professor Morris genau in diese Kerbe und macht sich wiederum für die von ihm favorisierte Konvergenzbiologie stark: Die irdischen Bedingungen erlegten der Biologie »funktionale Zwänge« auf – was die Bionik heute nachvollzieht, musste die Biologie entsprechend ihrer Umwelt ganz natürlich entwickeln, ob nun Flügel für die Luft oder Flossen fürs Wasser. Typische Science-Fiction-Außerirdische à la Spock & Co, über deren sehr menschliches Aussehen sich Wissenschaftler oft eher amüsierten, wären demnach vielleicht gar nicht so abwegig.

Zumindest auf erdähnlichen Planeten dürften sich demnach bei vergleichbaren Bedingungen auch vergleichbare Lebewesen entwickelt haben. Katastrophale Einzelereignisse wie Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge konnten die weitere Entwicklung zeitweilig beeinflussen und aufschieben, sie aber nicht grundlegend aufhalten oder ändern. So die Theorie in sehr kurzer Fassung. Was die Außerirdischen betrifft, erweitert Morris das Konzept eben auf andere Welten.

Würden wir einst intelligenten Außerirdischen begegnen, so würden sie uns seiner Ansicht nach sehr ähnlich sehen. Natürlich kursieren seit langer Zeit merkwürdige Berichte über kleine graue Wesen, über Geschöpfe, die sich zumindest in der Grundanatomie von uns nicht allzu sehr unterscheiden, sowie andere, uns noch ähnlichere, aber dennoch nicht-irdische Lebensformen, die unseren Planeten besucht haben oder immer noch besuchen.

Die Wissenschaft akzeptiert solche Schilderungen geradezu selbstredend nicht. Auch Simon Conway Morris will sich nicht auf diese Diskussion einlassen. Aber menschenähnliche Außerirdische hält er für durchaus denkbar, ebenso kann er sich vorstellen, dass technologisch weit fortgeschrittene Wesen existieren, die auf transgalaktischen Expeditionen durch unser Sternsystem unterwegs sind.

Immerhin, erdartige Exoplaneten wurden bereits entdeckt. »Bestimmt trifft nicht zu, dass jeder erdähnliche Planet Leben trägt, ganz zu schweigen von Menschen«, meint Morris. »Aber«, so ergänzt er, »wenn Sie eine weit entwickelte Pflanze haben wollen, wird sie einer Blume enorm ähnlich sehen. Wenn Sie eine Fliege wollen, dann gibt es nur ein paar Wege, das zu verwirklichen. Wenn Sie schwimmen wollen, so wie ein Hai, dann gibt es auch nur einige wenige Wege, dies zu erreichen. Wenn Sie Warmblütigkeit erfinden wollen, wie bei Vögeln oder Säugetieren, gibt es wiederum nur ein paar Wege für die Umsetzung«.

Die Biologie ist nach Ansicht des Professors weit vorhersehbarer als viele Fachleute bislang glaubten, und so möchte er die Welt überzeugen, dass eine konvergente Evolution allgegenwärtig ist. Wo immer man hinblicke, treffe man sie an. Verschiedene Arten entwickeln unabhängig voneinander ähnliche Merkmale. Man müsse nur einmal das sehr gute Linsenauge eines Oktopus mit dem eines Menschen vergleichen.

Trotz gewisser Unterschiede finden sich erstaunliche Übereinstimmungen. Auch Bylinsky wies bereits auf die Konvergenz hin. Bei den unterschiedlichsten Lebewesen lassen sich eindeutig die gleichen Organe identifizieren. Und gerade die wichtigsten Voraussetzungen für weiterentwickelte Lebensformen, insbesondere bei der Gehirnentwicklung und im Körperbau, dürften sich auch auf anderen »Erden« ähnlich herausgebildet haben.

Die Konvergenz sei, so Morris, doch wirklich an jedem Punkt der biologischen Geschichte unseres Planeten zu erkennen, beginnend bei den frühen Zellen, dem ersten Auftreten von Gewebe, Nervensystemen, Gliedmaßen oder sogar der Fähigkeit, Werkzeuge herzustellen. Gegenwärtig spiele sich eine regelrechte Revolution der Erkenntnisse ab, wenn es um fremde Planeten und Astrobiologie gehe, sodass sich in den kommenden Jahren viele Ansichten radikal ändern dürften, so glaubt der Forscher.

Die Überlegungen von Professor Morris klingen logisch. Zumindest auf anderen, unserer Erde ähnlichen Planeten, wie sie es auch in unserer Galaxis zuhauf geben muss, dürften sich wohl uns Menschen bemerkenswert ähnliche Wesen entwickelt haben. Auch sie werden das Feuer erfunden, Häuser gebaut und natürliche Ressourcen aufgespürt haben, um sie für ihre Zwecke zu nutzen.

Vielleicht standen andernorts in der Galaxis vor vielen Jahrmillionen sogar schon Autos im Stau, und gestresste Durchschnitts-Außerirdische flößten sich in kurzen Arbeitspausen ungesunde Mikrowellennahrung ein. Vielleicht sind sie längst ausgestorben, noch bevor die Erde entstand und sich die Geschichte wiederholte, vielleicht haben sie aber auch die Kurve gekratzt und überlebt. Dann könnten sie sich jedoch auch biologisch längst merklich verändert haben oder künstlich verändert worden sein. Bei weit fortgeschrittenen Zivilisationen ein sicher nicht zu unterschätzender Faktor.

Unmöglich jedenfalls scheint nichts mehr zu sein – und hier dürfte auch die Grenze der Konvergenz liegen. Welche Optionen das Leben möglicherweise noch im All hat, irgendwo auf Welten, die der Erde vielleicht sogar kaum noch ähneln, bleibt eine derzeit unbeantwortbare Frage. Das wahre Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das ist wohl am ehesten der Kosmos. Der in den USA forschende, schwedische Kosmologe Max Tegmark stellt sich sogar ein unendliches Universum vor, in dem genau wegen seiner Unendlichkeit auch unendlich viele Doppelgänger eines jeden Erdenmenschen existieren.

Eine irrwitzig scheinende Vorstellung, durch die aber jene abgründige Dimension der »Unendlichkeit« besonders deutlich hervortritt. Fachkollegen Tegmarks reagierten teils verärgert über solche Ideen. Und ein Professor warnte den theoretischen Physiker sogar explizit, (s)eine glänzende Karriere mit solchen »Spinnereien« aufs Spiel zu setzen.

Mittlerweile dürfe der Kosmologe mit Nachsicht rechnen, vieles habe sich geändert, kein Gedanke sei zu abenteuerlich, um nicht ernsthaft erwogen werden zu können. Nun, da gibt es wohl trotzdem noch einigen Nachholbedarf! Auch heute noch äußern sich viele Forscher zu so manchen Themen lieber nicht öffentlich, eben weil die Karriere schnell einen deutlichen Bruch erleben könnte. Die Experten sind eben häufig keineswegs unabhängig, die Forschung daher auch nicht frei. Und das muss sich ändern. Und möglicherweise hat es auch dieses Problem auf anderen Welten schon gegeben, noch lange bevor es auf der Erde die ersten Menschen gab.



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