Donnerstag, 11. Juni 2015

Sind Ölziehkuren die Allzweckwaffe gegen Krankheiten?

Dr. Joseph Mercola

Mit zunehmender Popularität gerät die Ölziehkur (oder das Ölziehen) immer mehr in die Schlagzeilen. Es handelt sich dabei um eine traditionelle ayurvedische, indische Methode, die seit Tausenden von Jahren angewendet wird. Dabei wird Öl in den Mund aufgenommen und etwa 20 Minuten lang zwischen den Zähnen »hin und her bewegt«. Anschließend wird das Öl ausgespuckt. Man kann dazu zahlreiche Öle verwenden, insbesondere Sesamöl, Sonnenblumenöl und Kokosnussöl werden am häufigsten eingesetzt.

Zu seinem Nutzen gehört sicherlich, dass es eine der einfachsten Möglichkeiten ist, die Mundgesundheit auf natürliche Weise zu unterstützen und zu verbessern; dies gilt vor allem, wenn man Kokosnussöl verwendet, das eine starke Wirkung gegen alle Arten von Mikroben, von Viren bis hin zu Bakterien und Protozoen entfaltet, von denen viele schädigend wirken können.

Ölziehkuren verbessern die Mundgesundheit

In antiken ayurvedischen Texten heißt es, Ölziehkuren könnten mehr als 30 Systemerkrankungen heilen, und auch heute wird ausführlich darüber diskutiert, ob sie zur Entgiftung des Körpers insgesamt beitragen können. Diese Einsatzmöglichkeiten sind umstritten, und ich kann mich nichtfür sie verbürgen. Aber bei einer Anwendung im Mund zeigen Ölziehkuren eine deutliche reinigende und heilende Wirkung, die auch wissenschaftlich belegt ist.

So bemerkt praktisch jeder, der Ölziehkuren anwendet, eine Verbesserung der Mundgesundheit. Was mich persönlich angeht, haben Ölziehkuren bei mir die Plaquebildung deutlich verringert, was dazu führte, dass ich zwischen meinen zahnhygienischen Behandlungen längere Abstände einlegen konnte. Im Fachmagazin Indian Journal of Dental Researchheißt es:
»Ölziehkuren waren als traditionelles indisches Volksheilmittel weit verbreitet. Wissenschaftliche Belege für die Stärkung von Zähnen, Zahnfleisch und Kiefer sowie die Prävention gegen Schäden, Mundgeruch, Zahnfleischbluten, Halstrockenheit und rissige Lippen lagen lange Zeit nicht vor.«
Schaut man sich die Untersuchungen genauer an, versteht man die Ursachen für die positiven Wirkungen der oralen Ölziehkur sofort:
  • Ölziehkuren verringern die Zahl der Bakterien vom Typ Streptococcus mutans, der als eine der Hauptursachen für Karies gilt, im Zahnbelag und dem Speichel von Kindern. Wissenschaftler kommen zu dem Schluss: »Ölziehkuren können als zusätzliches wirksames und vorbeugendes Mittel zum Erhalt und zur Verbesserung der Mundgesundheit eingesetzt werden.«
  • Ölziehkuren verringern den Zahnbelag deutlich, verbessern die Gesundheit des Zahnfleischs und verringern die Zahl der Mikroorganismen bei heranwachsenden Jungen bei einer durch Zahnbelag hervorgerufenen Zahnfleischentzündung (Gingivitis).
  • Ölziehkuren erweisen sich als ebenso wirksam bei der Verhinderung von Mundgeruch wie herkömmliche Mundspülungen und verringern die Zahl der Mikroorganismen, die vermutlich für schlechten Atem verantwortlich sind.
  • Ölziehkuren fördern aufgrund ihrer mechanischen Reinigungswirkung das Wohlbefinden in der Mundregion. In den Studien heißt es: »Die Behauptung, die positiven Auswirkungen der Ölziehkuren auf die Mundgesundheit beruhten auf Placebo-Effekten, lässt sich nicht länger aufrechterhalten. Es gibt deutliche Hinweise auf eine mögliche Verseifung und Emulgierungsprozesse, die die mechanische Reinigungswirkung der Ölziehkuren verstärken.«

Welche Ölsorten eignen sich am besten für Ölziehkuren?

Interessanterweise benutzten die zitierten Untersuchungen Sesamöl, das traditionell weit verbreitet ist. Allerdings weist es relativ hohe Konzentrationen an Omega-6-Fettsäuren auf. Meiner Ansicht nach eignet sich Kokosöl daher weitaus besser, da die meisten von uns unter einerÜberversorgung mit Omega-6-Fettsäuren zu tun haben, die das empfindliche Gleichgewicht zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren stört. Außerdem, aber das ist mein subjektives Urteil, schmeckt Kokosöl einfach besser.

Aus mechanischer und biophysikalischer Sicht haben beide Öle eine ähnliche Wirkung. Darüber hinaus wirkt Kokosnussöl allerdings gegen Bakterien und Viren. Und eine Mischung aus Kokosöl und Backnatron (Natriumhydrogencarbonat) ergibt eine sehr einfach herzustellende und kostengünstige, aber wirksame Zahnpasta. Forschungen deuten darauf hin, dass Kokosöl wirksam die Bekämpfung von Karies unterstützen könnte.

Wissenschaftler des Biowissenschaftlichen Forschungsinstituts am Athlone-Institut für Technologie in Irland haben die antibakterielle Wirkung von Kokosöl im Naturzustand und von mit Enzymen behandeltem Kokosöl verglichen, wobei die Enzyme ähnlich wie bei Verdauungsprozessen wirkten. Die Öle wurden auf ihre Wirksamkeit gegen Streptokokken, die normalerweise die Mundhöhle besiedeln, hin untersucht. Es stellte sich heraus, dass das durch Enzyme veränderte Kokosöl das Wachstum der meisten Streptokokken-Stämme hemmte. Dazu zählte auch der Bakterienstamm Streptococcus mutans, ein säureproduzierendes Bakterium, das als eine der Hauptursachen für Karies gilt.

Man geht davon aus, dass die Enzyme das fettreiche Kokosöl aufspalten und in Säuren umwandeln, die auf bestimmte Bakterien giftig wirken. Durch Enzyme verändertes Kokosöl hemmt auch das Wachstum des Hefepilzes Candida albicans, der Soor auslösen kann. Eine Ölziehkur unter Verwendung von antibakteriell wirkendem Kokosöl ist also ein sehr wirksames Mittel zum Erhalt der Gesundheit.

Ölziehkuren sind einfache Anwendungen

Zu einer Ölziehkur gehört es, ähnlich wie bei einer Mundspülung, das Öl im Mundraum hin und her zu bewegen. Gurgeln damit sollte man aber nicht. Das Öl wirkt im Mundraum, indem man es etwa 20 Minuten lang immer wieder durch die Zähne »zieht« und »drückt«. Dies führt nebenbei auch zu einer Kräftigung der Kiefermuskulatur, aber wenn Schmerzen oder Anzeichen einer Ermüdungauftreten, hat man es wahrscheinlich etwas übertrieben. Dann sollte man etwas ausruhen und sich darauf konzentrieren, das Öl im Mund mit der Zunge und den Kiefermuskeln zu bewegen.

Bei den ersten Anwendungen sollte man zunächst versuchsweise jeweils nur fünf bis zehn Minuten spülen. Wenn man viel Zeit hat und bessere Ergebnisse will, kann man die Spülung auf 30 bis 45 Minuten ausdehnen. Im Verlauf der Anwendung spült das Öl Bakterien, Viren, Pilze und andere Verunreinigungen aus dem Mund heraus. Wenn sich das Öl dünnflüssiger anfühlt und allmählich eine milchweiße Färbung annimmt, sollte man das Öl ausspucken.

Die Zeit am Morgen vor dem Frühstück eignet sich am besten für eine Spülung, aber man kann sie eigentlich jederzeit durchführen. Ich versuche, zweimal am Tag eine Ölspülung zu machen, wenn es meine Zeit erlaubt. Nach der Spülung muss man das Öl ausspucken und den Mund mit Wasser oder einer Mischung aus Wasser und Backnatron ausspülen. Ein Hinunterschlucken des Öls sollte man vermeiden, da es mit den herausgelösten Bakterien und anderen möglicherweise giftigen Verunreinigungen belastet ist.

Candida aus der Gruppe der Hefepilze und Streptokokken besiedeln üblicherweise den Mundraum. Diese Krankheitserreger und ihre giftigen Stoffwechselprodukte können die Bildung von Zahnbelag und die Entstehung von Karies fördern. Ölkuren können das Immunsystem entlasten, indem sie die Ausbreitung dieser Mikroorganismen etwa über das Blut vom Mundraum in andere Körperregionen verhindern. Für viele Menschen klingen Ölziehkuren beim ersten Eindruck seltsam – bis sie es selbst einmal versucht haben. Viele wenden sie dann später regelmäßig an. Es handelt sich um eine weitere Möglichkeit, auf einfache Weise natürliche, heilende Substanzen einzusetzen, um die Mundgesundheit deutlich zu verbessern. Menschen benutzen diese Methode und andere, wie etwa Kaugummikauen, seit Jahrhunderten, weil sie wirken.

Eine umfassende Strategie für Mundgesundheit

Eine gründliche Zahnhygiene hat für eine optimale Gesundheit im Mundraum und auch für den Körper im Allgemeinen große Bedeutung. Im Zusammenhang mit Kariesprophylaxe ist es die falsche Reaktion, fluorhaltiges Wasser zu trinken und sich mit Fluor-Zahnpasten die Zähne zu putzen, da Fluoride giftiger als Blei sind. Im Zentrum der Vorbeugung stehen die Ernährungsweise und gründliche Zahnpflege: das bewährte Zähneputzen und das Reinigen der Zahnzwischenräume mit Zahnseide. Wenn man weitgehend auf Zucker und verarbeitete Lebensmittel verzichtet, trägt man dazu bei, die Verbreitung von Bakterien, die die häufigste Ursache von Karies sind, zu verhindern.

Der Verzehr fermentierter Pflanzen und Gemüse ist eine weitere einfache Methode. Fermentierte Pflanzen enthalten erhebliche Mengen an positiver Flora, die nicht nur die Verdauung fördert, sondern auch die Mundflora positiv verändert. Seit ich diese Nahrungsmittel in meinen Speiseplan aufgenommen habe, hat sich mein Zahnbelag um die Hälfte verringert und ist zudem sehr viel weicher geworden.

Zweimaliges tägliches Bürsten der Zähne und Reinigen mit Zahnseide sowie weitergehende Reinigungsmaßnahmen seitens eines biologischen Dentisten und Hygienikers sorgen dafür, dass die Zähne und das Zahnfleisch einen optimalen Gesundheitszustand erreichen. Zwei Ölziehkuren pro Tag tragen meiner Ansicht nach ebenfalls zur Verbesserung der gewohnten alltäglichen Zahnhygiene bei. Wenn man darüber hinaus Nahrungsmittel zu sich nimmt, die zu einer »traditionellen Ernährungsweise« gehören, sowie weitgehend auf verarbeitete Lebensmittel und raffinierten Zucker verzichtet, stellt man eine ausreichende Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren sicher. Jüngsten Forschungen zufolge können selbst geringere Mengen an Omega-3-Fettsäuren dazu beitragen, Zahnfleischerkrankungen zu verhindern. Meine bevorzugte Quelle für hochwertige Omega-3-Fettsäuren ist Krillöl.

In Bezug auf Zucker hat sich gezeigt, dass eine spezielle Honigart aus Neuseeland mit Namen »Manuka« ebenfalls zur Verringerung von Zahnbelag beiträgt. Laut den Erkenntnissen der Wissenschaftler wirkt Manuka auch als chemisches Mundreinigungsmittel bei der Verringerung des Zahnbelags – und zwar besser als der Zuckeralkohol Xylitol, der als Zuckerersatz verwendet wird und die Kariesbildung einschränken soll. Klinische Studien haben ergeben, dass Manuka-Honig gegen mehr als 250 klinische Bakterienstämme wirkt; darunter befinden sich auch Stämme, die gegen viele Antibiotika resistent sind. Ich bin immer noch überzeugt, dass Ölziehkuren mit Kokosöl die kostengünstigere Alternative sind, wenn es um die Mundgesundheit geht, aber es ist immer wieder interessant, zu sehen, wie viele natürliche Substanzen es um uns herum gibt, deren Kräfte unsere Gesundheit deutlich verbessern können.




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1 Kommentar:

Dr. Beate Lerach hat gesagt…

Um es einmal ganz klar zu formulieren:
Ich bin überzeugt von der positiven Wirkung von Ölspülungen auf die Mundgesundheit.
Aber einige in dem Artikel dargelegt 'Fakten' sind schlichtweg total falsch:
Fluor ist tatsächlich ein Gift, Fluorid dagegen ist chemisch etwas ganz anderes, nämlich ein Salz. Diese Begriffe wurde vom Autor verwechselt.
Genau wie Chlorgas hochgiftig ist, ist das Natrium-Salz von Chlor (Natriumchlorid) harmlos, es ist unser Kochsalz. Aber auch da kommt es beim Verzehr auf die Menge und Konzentration an.
Der kariespräventive Effekt von Fluorid, das auch natürlicherweise im Mineralwasser vorkommt, ist schlichtweg unumstritten. Es kommt - wie bei allen Arzneimitteln - natürlich auf die Menge und Konzentration an.

Dr. Beate Lerach
MSc Parodontologie und Periimplantäre Therapie
Elisabethenstr. 10
89077 Ulm