Sonntag, 31. Mai 2015

Die Geschichtsbücher müssen alle neu geschrieben werden. Die Shigir-Statue - der älteste Geheimcode der Welt

(von Niki Vogt) Es ist die älteste, hölzerne Statue der Welt, doppelt so alt, wie die Pyramiden und ursprünglich über fünf Meter hoch. Sie ist über und über mit eingeschnitzten Zeichen bedeckt. Man nimmt an, diese Zeichen repräsentieren das Wissen der Eingeweihten vor etwa 10.000 Jahren. Muster und Gesichter sind in das uralte Holz eingeritzt, was - wie in einer Zeitkapsel - in einem Moor, nicht weit von Jekaterinenburg gefunden wurde. 




Das riesige, offensichtlich als Menschen- oder Göttergestalt gemeinte hölzerne Bildnis wurde bereits im Januar 1890 im Schigir-Moor gefunden. Ursprünglich muß et mit 5,3 Metern so hoch wie ein zweistöckiges Haus gewesen sein. Nach seiner Ausgrabung sind aber nur 2,8 Meter der Holzfigur erhalten geblieben. Allerdings existieren noch genaue Zeichnungen der gesamten Figur von Vladimir Tolmachev, einem Archäologen.

Das Shigir-Moor liegt in der russischen Region Swerdlovsk, bei Kirowgrad, nördlich von Jekaterinburg. Erst 1997 konnte das Alter der Holzstatue durch die neue Radiokarbonmethode auf etwa 8000 v. Chr. datiert werden. Das war eine Überraschung. Man hält das sehr einfach gestaltete "Götzenbild" für eine nicht allzu alte, bäuerliche Arbeit. Das reich mit Schnitzereien verzierte Bildnis ist eine steinzeitliche Holzschnitzerei und einer der Funde von einer im westlichen Europa unbekannten monumentalen Kunst. Wieder einmal ein Beweis dafür, daß die große Bedeutung der Gebiete des heutigen Russlands für die Entwicklung Eurasiens von der Steinzeit an sehr unterschätzt wird. Außer der hohen Holzstatue wurden im Schigir-Moor mehr als 3000 weitere Funde aus dieser Zeit geborgen, wie Werkzeuge, Waffen, Fischfanggeräte und aus Geweih und Knochen hergestellte Geräte.

Noch bis zum Jahre 2000 wurde es als wissenschaftlich erwiesen angesehen, dass die Region um das Shigir-Moor bis 7400 v. d. Zeitenwende menschenleer war. Eine Trans-Uralkultur sei dann dort eingewandert und habe das Land besiedelt. Das Alter dieser Holzstatue widerlegt diese als gesichert geltende These. Daß dies kein zufällig dorthin geratener Einzelfund ist, beweisen die ebenfalls dort gefundenen, auf etwa 8500 v. d. Zeitenwende datierten  Pfeilspitzen aus Knochen und die Speere mit Feuersteinklingen aus einer Höhle in der Region. Ein beredtes Beispiel dafür, dass als sicher geglaubtes, wissenschaftlich bewiesenes Wissen immer nur ein vorläufiges ist, und immer wieder in Frage gestellt werden sollte.





Besonderes Interesse rufen allerdings die Schnitzereien auf der Statue hervor. Es handelt sich dabei ganz offenbar um Zeichen, vielleicht sogar eine Art Schrift. Teilweise macht die Schnitzarbeit den Eindruck einer Dekoration, an vielen Stellen jedoch ist die Abfolge so augenfällig verschieden und so angeordnet, dass es nach einer Information aussieht.

Die Linien auf den plankenartigen Gliedern der Statue laufen über große Teile in symmetrischen Zickzacklinien, auf anderen Teilen jedoch sind Striche, Punkte, Rauten mit Punkten darin, Wellen oder Zeichen eingeritzt, die wie Vorläufer von Runen anmuten. Besonders rätselhaft: Immer wieder tauchen Gesichter in diesen Zeichenreihen auf. Dadurch, dass das Lärchenholz, aus dem die Statue gefertigt wurde, im Moor erstaunlich gut erhalten geblieben ist, lassen sich sogar feine Details noch sehr gut erkennen. Der Baum muss, seinen Jahresringen zufolge, mindestens 159 Jahre alt gewesen sein.


Bis jetzt sind die Botschaften, die die Steinzeitleute in die Ornamente auf der Figur eingeschnitzt haben, noch nicht entziffert worden, obwohl sich einige Experten daran versucht haben. Man vermutet, dass die geraden Linien Grenzlinien zwischen Erde und Himmel, Wasser und Land oder zwischen verschiedenen Welten bedeuten könnten. Was die sieben Gesichter auf der Figur für eine Bedeutung haben, ist noch vollkommen unklar. Es scheint gut möglich, dass die Zeichen die Schöpfungsgeschichte, die Herkunft des Menschen und die Götterwelt wiedergeben.

Wird es möglich sein, die 10.000 Jahre alte Botschaft aus dem Dunkel der Zeit nach heute zu entziffern? Werden wir etwas über den Ursprung der Menschheit, so wie er auf der Statue eingeritzt wurde, erfahren? Wird sich die Information dieser uralten Zeitkapsel entziffern lassen? Schon jetzt sehen die Forscher dieses Holzbildnis als eine der größten Entdeckungen der Menschheit an.
Im Herbst letzten Jahres wurde die Statue zur näheren Altersbestimmung und zu weiteren Untersuchungen nach Deutschland gebracht. Im Sommer sei mit der Veröffentlichung der Ergebnisse zu rechnen, heißt es.
Professor Thomas Terberger, ein Vor- und Frühgeschichtler schwärmt: "Es gibt keine andere so alte Figur in ganz Europa. Diese Statue untersuchen zu können ist ein wahrgewordener Traum."

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